ORF Unterhaltung: 40 Jahres Jubiläum Musikantenstadl

Es ist kaum zu glauben, aber wahr der Musikantenstadl wird heuer 40 Jahr. Was am 05. März 1981 in Enns in Oberösterreich begann und nur in Österreich ausgestrahlt wurde, sollte sich zu einer unheimlichen Erfolgsgeschichte entwickeln. Ab dem Jahre 1983 wurde der Musikantenstadl auch in Deutschland bundesweit ausgestrahlt, und brach in den 80er Jahren sämtliche Quotenrekorde und läutete eine Ära der volkstümlichen Unterhaltung im deutschsprachigen Fernsehen ein.

Dieses Jubiläum ist unumschränkt mit der Person Heinz Habe verbunden, der heuer selbst ein Jubiläum feiert- wird er doch 75 Jahre alt. Für einen Redakteur aus dem Volksmusik und Schlagerbereich ist es immer wieder spannend sich mit Heinz Habe zu treffen, und sich über seine Erlebnisse als Redakteur des Musikantenstadls für den er 9 Jahre und 10 Monate verantwortlich zeichnete, zu unterhalten. Der 76 jährige Weizer dessen Weg von der Studiobühne Weiz über das ORF Landesstudio Steiermark zum Fernsehen nach Wien und schließlich zum Musikantenstadl führte, ist eine Persönlichkeit die heute noch immer über die erfolgreiche Zeit und Erlebnisse als Redakteur beim Musikantenstadl so richtig begeisternd erzählen kann. Er hatte das Glück, dass er immer wieder auf Menschen getroffen ist, die ihm weitergeholfen haben, hierzu zählten Personen wie die beiden ehemaligen Landesintendanten und -direktoren Dr. Günther Ziesel und Emil Breisach, die immer wieder betonten dass Heinz Habe nach Wien gehöre.

Den ersten Musikantenstadl hatte er sich noch gemütlich zu Hause auf der Couch angesehen, und eigentlich nie daran gedacht, dass er das jemals machen wird. Doch es ging schneller als gedacht- machte ihn doch Dieter Böttger beim 4. Musikantenstadl in der Messehalle Wien im Jahre 1981 bereits zum redaktionellen Mitarbeiter des Musikantenstadls, den er schlussendlich 1985 als Redakteur übernahm. Bei seinem ersten Stadl am als verantwortlicher Redakteur ging er mit gemischten Gefühlen in die Sendung, war sehr gespannt was herauskommen würde, versuchte aber von Anfang an dem Stadl seine eigene Handschrift aufzudrücken. Im Jahre 1986 erhielt er bereits den prominenten Sendeplatz am Samstag um 20.15 Uhr im Hauptabendprogramm Bis 1990 führte er als Redakteur den Musikantenstadl durch Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol.

Große Highlights waren für Heinz Habe als verantwortlicher Redakteur zweifelsohne Sendungen im Ausland, so gastierte man in mehreren nicht-deutschsprachigen Ländern.
Die Gastspiele in aller Welt machten den “Stadl” auch international zu einer bekannten Marke. Visiten in Moskau, Orlando (Florida), Toronto (wo ein Bier-Ausschank-Verbot für Missstimmung sorgte) oder Peking (Schunkeln in der Verbotenen Stadt) standen auf dem Reiseplan.
Ende August 1985 wurde der Stadl aus Portorož im damaligen Jugoslawien ausgestrahlt. Dieser Stadl war auch der erste, der nicht in einer Halle, sondern als Open-Air Veranstaltung im Hafen des an der Adria gelegenen Ferienortes stattfand. Durch eine Zusammenarbeit der produzierenden Rundfunkanstalten mit dem sowjetischen Rundfunk gelang es, am 10. September 1988 eine Sendung aus Moskau zu organisieren, die nicht nur für Heinz Habe sondern auch für das gesamte Stadl Team zur schönsten Sendung werden sollte. Heinz Habe hatte hierzu auch noch 3 volle Flieger von Wien nach Moskau mit Publikum und Fans des Musikantenstadl organisiert. Als Co-Moderatorin fungierte dabei Tatjana Wedenejewa eine bekannte russische Fernsehansagerin.

Die Jubiläumssendung – 50. Folge des Musikantenstadl wurde am 4. Februar 1989 in Linz gefeiert. Die emotionalste Stadl Sendung für Heinz Habe war aber der erste Stadl in der damaligen DDR kurz nach dem Fall der Mauer am 17. Dezember 1989 in Cottbus. Hier kam es nach einem unglücklichen Interview von Karl Moik zu ziemlichen Irritationen und negativen Kommentaren in den Medien, wo Heinz Habe und sein Team ausrücken mussten, um das positive Image des Musikantenstadls in den Medien wiederherzustellen.
“Mister Stadl” Karl Moik, gehörte zum “Musikantenstadl” wie die Holz-Deko und die Heurigenbänke, doch die Zusammenarbeit und Kommunikation gestaltete sich nicht immer einfach. Hatte man oft unterschiedliche Auffassungen- so hatte man sich aber bei einem Glaserl Wein oder einem Spritzer doch wieder gefunden. Im Jahre 1990 verließ Heinz Habe nach 80 produzierten Sendungen auf eigenen Wunsch den Musikantenstadl und später auch den ORF.

Die 100. Folge des Musikantenstadls wurde am 15. Februar 1997 aus der Wiener Stadthalle gesendet. Das zehnjährige Bestehen am 4. April 1991 sowie das 20. Jubiläum am 10. März 2001 wurden jeweils in der Wiener Stadthalle gefeiert. Da die letzte von Karl Moik moderierte Sendung am 31. Dezember 2005 lief, gab es im Jahr 2006 keine Gala zum 25-jährigen Bestehen des Stadl

Ab Mitte der 1990er Jahre bis 2001 gab es vermehrt Übertragungen aus dem Ausland. Karl Moik gastierte in der Coliseum Arena im Exhibition Palace im kanadischen Toronto ), im Flinders Park von Melbourne (1995), in Kapstadt (1996), in Disneyworld (Orlando _(Florida)>) (1998) sowie auf dem Platz vor dem Mittagstor in der Verbotenen Stadt in Peking (1999). Im November 2000 wurde der Stadl in New York, New Orleans und der Karibik aufgezeichnet. Etwa 3.500 Personen fuhren mit dem Kreuzfahrtschiff Carnival Triumph zum Aufzeichnungsort. Das Fernsehpublikum sah einen Zusammenschnitt der Reise im Februar 2001. Auf persönliche Einladung des Scheichs von Dubai durfte Moik im Oktober 2001 seinen Stadl in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufzeichnen. Diese letzte Auslandsreise Moiks wurde zwei Monate später im Dezember 2001 gezeigt.

Nach einer zehnjährigen Unterbrechung führte am 7. Mai 2011 Andy Borg durch seinen ersten Auslands-Musikantenstadl live aus Poreč in Kroatien.

Am 12. März 2011 sollte eine Jubiläumsfolge zum 30-jährigen Bestehen der Sendung aus Freiburg im Üechtland gesendet werden. Wegen der am Vortag erfolgten Erdbebenkatastrophe in Japan und dem damit verbundenen Nuklearunfall im Kernkraftwerk Fukushima entschieden ARD und ORF, die Liveübertragung zugunsten von Sondersendungen über dieses Ereignis auszusetzen. Die Jubiläums-Ausgabe wurde schließlich am 26. März 2011 gesendet. Nach 183 Sendungen erfolgten ab dem Jahre 2015 ein kompletter Umbruch – die Musikantenstadl Sendungen wurden nur mehr zu Silvester als eigene Silvestershows ausgestrahlt.

Im Gespräch mit dem langjährigen verantwortlichen Redakteur des Musikantenstadls Heinz Habe, wurde auch die derzeitige Situation im TV angesprochen:
“Leider gibt es heute im ORF keine Sendungen mehr wie es der Musikantenstadl war, was für die Branche ein Armutszeugnis darstellt. In den Jahren 1987 – 1998 hatten sich Musikgruppen förmlich die Türklinke in Publikumsträchtigen Sendungen in die Hand gegeben. Nicht zuletzt der durchschlagende Erfolg des “Stadls” zog allerdings im Laufe eine Fülle ähnlicher Formate im deutschsprachigen Fernsehen nach sich – in inflationärem Ausmaß und mit negativen Konsequenzen für die Marktanteile.
Von den Traumquoten der 80er Jahre hatte man sich schon länger verabschiedet. Zugleich gingen Veränderungen in der Szene der volkstümlichen Musik auch am “Stadl”-Repertoire nicht vorüber. Überlegungen im ORF über die Zukunft des “Stadls”, bei denen auch die nicht unbeträchtlichen Kosten eine Rolle spielten, waren daher nichts neues.

Unter Karl Moik stand der Musikantenstadl in der ersten Riege deutschsprachigen TV-Unterhaltung. Rund 25 Jahre lang war “Mr. Musikantenstadl” bis 2005 mit der Sendung in den Wohnzimmern präsent. Unter seinem Nachfolger Andy Borg gingen die Quoten zurück, und auch die Neuauflagen als “Stadlshow” floppten.
Die Idee mit Tradition und Moderne in der neu gestalteten “Stadlshow” zu vereinen, und mit Auftritten ohne Voll-Playback und einem breiteren musikalischen Spektrum wieder jüngere Zuschauer für die in die Jahre gekommene Sendung zu gewinnen, ging leider nicht auf. Bei den beteiligten Sendern, neben der ARD waren dies noch der ORF und das Schweizer Fernsehen SRF, herrschte Missstimmung. Nach eingehender Analyse verkündeten im Jänner 2016 ORF, ARD und der Schweizer SRF das Ende des “Musikantenstadls”.

Dass das ORF-Publikum auch künftig nicht gänzlich auf Volkstümliches und Schlager verzichten muss, zeigen wohl nicht zuletzt Events wie die “Wenn die Musi spielt” oder “die Starnacht” – auch diese haben gerade jetzt in der Corona Krise, ziemlich zu kämpfen.