Orbiting: Dieser Dating-Trend ist ein Unverzagt zu Händen Narzissten

Immer wenn man denkt, dass man in der Dating-Welt schon alles erlebt hat, kommt etwas Neues daher, das noch fieser ist. Orbiting heißt der heiße Trend im Dating-Game und kommt wie gerufen – jedenfalls für Narzissten und Faulpelze. Orbiting ist kein wissenschaftlicher Begriff, sondern ein Terminus, den sich die amerikanische Journalistin Anna Iovine in dem Lifestyle-Blog „repeller“ für ein mieses Dating-Verhalten ausgedacht hat.

Orbiting läuft so ab: Du datest jemanden, wirst geghostet, aber der Mensch, der dich ohne ein Wort verlassen hat, folgt dir in den sozialen Medien auf Schritt und Tritt. Er schaut sich jede deiner Insta-Storys zuerst an und lässt ab und zu sogar ein Reaktions-Emoji springen – uff.

Premium-Orbiter setzen noch einen drauf und ziehen eine wahre Love-Schleimspur hinter sich her…

Es regnet Likes und Kommentare und manchmal gibt‘s sogar einen Mini-Dialog via Direct Message. Doch der Schein trügt. Diese Internet-Lovegirls und -boys wollen im wahren Leben absolut gar nichts mit dir zu tun haben – außerhalb der sozialen Medien. Und das alles, obwohl ihr bereits eine schöne Zeit miteinander verbracht habt.

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Warum man dieses ambivalente, energieraubende und zutiefst nervige Dating-Verhalten an den Tag legt, kann verschiedene Gründe haben. Sven Steffes-Holländer ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Sozial- und Ernährungsmediziner. Für ihn als Fachmann für Zwischenmenschliches ist Orbiting nicht neu, sondern ein Phänomen, das mit dem Siegeszug der sozialen Medien aufkam. Laut Steffes-Holländer ist Orbiting unter anderem eine beliebte Strategie für Menschen, die noch nicht so genau wissen, was sie selbst wollen und dieses unangenehme Gesprächsthema vermeiden und so einer Konfrontation aus dem Weg gehen.

Für die Empathischen unter uns ist das schwer zu verstehen. Aber für manche Menschen scheint es tatsächlich eine todsichere Kiste zu sein, Verbindlichkeiten zu entgehen, indem man das vermeintliche Objekt der Begierde im wahren Leben auf Distanz hält, aber online den Lovebot macht.

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Allerdings – und hier kommen wir zum schmerzhaften Punkt in dieser Thematik – muss diese vom Orbiter erschaffene Hintertür natürlich von irgendwem aufgehalten werden.

Die Menschen, die Orbiting zum Opfer fallen, tragen eine Mitverantwortung.

Autsch! Steffes-Holländer sagt, wer sein Profil öffentlich halte oder dem Orbiter extra Zutritt dazu verschaffe, obwohl man dessen Verhalten nervig oder verletzend findet, scheint auf diese Form von Zuneigung und Aufmerksamkeit nicht verzichten zu können. Laut Steffes-Holländer könnte man Orbiting betreibende Personen ja einfach blocken. Klingt simpel. Und verdeutlicht: Die meisten wissen heimlich, dass das Liebe verteilende Schattengespenst in naher Zukunft keine Zeit mit uns verbringen möchte.

Orbiting kann jeden treffen

Journalstin Joelle verletzte das Verhalten ihres Dates

Quelle: Nada Assaad

Eine Person blockieren, mit der man eine Vorgeschichte hat, so wie es Steffes-Holländer im Orbiting-Fall empfiehlt, ist natürlich nicht so einfach. Es ist außerdem schwierig, weil man unterbewusst doch noch auf ein Happy End hofft. Das weiß auch Joelle (23), die eine Zeit lang einen Typen datete, mit dem es anfangs sehr gut lief. Die Romanze endete abrupt, als sich der Herr nicht mehr meldete, aber online noch fleißig Likes verteilte. Kein cooler Move, wenn man vorher intensiv gedatet hat: „Ich habe mich verarscht gefühlt. Ich dachte, dass es nach dieser Zeit einfach angebracht wäre, mir mitzuteilen, dass es gerade nicht mehr passt oder er keinen Bock mehr hat.“

Autor Peter Hesse verstand die Welt nicht mehr

Quelle: Nada Assaad

Orbiting ist natürlich kein Phänomen, was ausschließlich jüngere Personen betrifft. Davon kann Autor und Journalist Peter Hesse (52) ein Lied singen. Ein Streit beendete seine Dating-Geschichte, allerdings verfolgte ihn die Verflossene online weiter: „Ich fand es doof, dass sie mich weiter beobachtet, meine Storys bei Instagram ansieht und so weiter – dass ich diese Frau auf mehreren Subtext-Ebenen nicht verstehe, hat das Ganze noch verstärkt.“

Fieses Phänomen

Nussin A. arbeitet in der Medienbranche. Hier ist sie in der ZDF-Doku:

Bei manchen Orbitern steckt laut Steffes-Holländer ein narzisstisches Motiv dahinter: „Orbiter halten sich einen Online-Harem, auf den sie immer zurückgreifen können.“ Ganz schön clever, so kann niemals auffliegen, dass man eigentlich nicht so richtig Bock auf den verfolgten Menschen hat, aber ganz geil findet, begehrt zu werden.

Studentin Kami

Studentin Kami hat selber mal Orbiting betrieben

Quelle: Nada Assaad

Obwohl die Gründe für Orbiting meistens nicht guter Natur sind, existieren auch Fälle wie der von Kami (30). Kami konnte online nicht die Finger von einem Menschen lassen, weil sie sichergehen wollte, „…dass es ihm gut geht.“ Kamis Fall verdeutlicht, dass Orbiting nicht immer mit böser Absicht geschieht. Kami und ihr Verflossener sind beide glücklich an andere Menschen vergeben, immer noch befreundet und haben bis heute Kontakt.

Trotzdem: In den meisten Fällen ist Orbiting einfach nur nervig und verletzend. Wenn du weißt, dass dich jemand gut findet, aber du keinen Bock darauf hast, die Person zu daten, lass die Person in Ruhe! Disclaimer: Kommen gedatete Personen von selbst mit klaren platonischen Absichten auf einen zu, ist es okay, Kontakt zu haben. Alles andere ist mies.

Social Media ist nicht hauptverantwortlich für Orbiting

Bei der Häufung bizarrer Dating-Trends könnte man auf die Idee kommen, dass Social Media daran schuld ist. Aber das ist nicht so. Denn Orbiting is laut dem Psychotherapeuten Dr. Christian Rupp „so alt wie die Menschheit.“ Wir erinnern uns. Lediglich die Hemmschwelle zum Betreiben von Orbiting sei in den sozialen Medien niedriger, weil die Scham, ertappt zu werden „in den Weiten des Internets“ wegfalle, meint Rupp. Am schnellsten komme man aus einer Orbiting-Situation heraus, indem man sich abgrenzt oder Person mit ihrem Verhalten konfrontiert. Aber: Konfrontation tut weh und deswegen lassen schätzungsweise 99 % der Menschen das aus diesem Grund sein.

Außerdem: Für manche Menschen stellt die Orbiting-Situation manchmal tatsächlich nur ein harmloses Katz-und-Maus-Spiel dar. Solange das für beide Parteien klar geht, ist dem nichts entgegenzusetzen. Nervige und auf merkwürdigen Ritualen basierende Beziehungen, das haben uns Ozzy und Sharon Osbourne gelehrt, können schließlich auch reizvoll sein. Also: Go for it, Leute! Orbiting wird uns leider noch etwas länger beschäftigen. Es sei denn, man schafft soziale Medien und Dating einfach ab.

Wenn du immer noch keine Ahnung hast, wie man sich beim Daten ordentlich benimmt, bitte hier entlang:

So ist das also!

Young woman exiting taxi cab, London, England

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