Ökumenischer Kirchentag: Kirchentag sendet Zeichen welcher Maßeinheit – Kritik aus Rom – Unterhaltung

Die Äußerungen unterstreichen einmal mehr den Balanceakt, den der DBK-Vorsitzende Bätzing vollführen muss: Die große Mehrheit der Katholiken in Deutschland drängt auf schnelle Reformen, doch die römische Zentralverwaltung blockt ab. Sie legt großen Wert darauf, das eigene Profil zu erhalten – auch im bewussten Gegensatz zur Kirche Martin Luthers.

Was Segnungen homosexueller Paare betrifft, hofft Bätzing, den Vatikan aber von der Notwendigkeit einer Liberalisierung überzeugen zu können: “Ich möchte, dass wir ihnen den Segen Gottes schenken”, stellte der Limburger Bischof in Frankfurt klar. “Dann würden Menschen von außen merken: Aha, es bewegt sich etwas in der Kirche.”

Wie brisant das Thema für die katholische Amtskirche ist, musste auch die evangelische Diakonin Eva Burgdorf feststellen, die beim Kirchentag das Podium “Schau hin, die trauen sich!” moderierte. “Wir haben ursprünglich geplant, auch Bischöfe einzuladen”, antwortete sie auf eine Publikumsfrage. “Ich weiß jetzt nicht, wie viele wir angefragt haben – es hat sich keiner bereiterklärt, aufs Podium zu gehen.”

An der Basis ist man da schon weiter: Jens Ehebrecht-Zumsande, der zu den Initiatoren der Aktion #Liebegewinnt mit Segnungen für homosexuelle Paare gehörte, berichtete auf dem Podium, dass es mehrheitlich die örtlichen Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte, vereinzelt auch Geistliche waren, die die Aktion unterstützt hätten. Viele heterosexuelle Gläubige seien “wirklich berührt” von den Segnungsfeiern gewesen, sagte er über die bisherige Resonanz. “Bei den queeren Paaren war viel die Rede von einer Erfahrung von Angenommensein und von Heilung.”

Doch auch die evangelische Kirche übt sich derzeit in Krisenbewältigung. Defizite bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs rücken auch hier verstärkt in den Vordergrund. Aktueller Anlass ist die Aussetzung des Betroffenbeirats für sexualisierte Gewalt nach innerkirchlichen Querelen. “Ich finde das wirklich ganz furchtbar schrecklich, dass das jetzt so erstmal gescheitert ist im ersten Anlauf”, beteuerte der Braunschweiger Landesbischof Christoph Meyns. Die Moderatorin Claudia Keller hielt ihm daraufhin vor: “Sie sind der Mächtige, Sie sind der Repräsentant der Kirche, Sie haben das Gremium aufgelöst!”

Corona war schuld daran, dass in Frankfurt vieles fehlte, was einen Kirchentag normalerweise ausmacht. Es war in den Worten von Kirchentagspräsident Thomas Sternberg ein Treffen “ohne gemeinsames Singen, ohne die vollen Busse, ohne gemeinsames Beten, Feiern, Diskutieren, Streiten, Sich Befreunden, Menschen kennenlernen – das macht doch eigentlich einen Kirchentag aus”. Beim Katholikentag nächstes Jahr in Stuttgart soll das alles wieder so sein.

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