NFT-Kunstwerk zu Händen 69 Mio. Dollar verkauft: Dies steckt hinter dieser Hype-Technologie

Kunst oder Geldmacherei?
69 Millionen Dollar für ein Kunstwerk als jpeg-Datei: Das steckt hinter der Hype-Technology NFT

Das Werk “Everydays — The First 5000 Days” wurde bei Christies gerade für 69 Millionen Dollar verkauft 

© Christies / PR

Stern-Redakteur Malte Mansholt

von Malte Mansholt

11.03.2021, 21:36 Uhr

Als echt bestätigte digitale Kunst, Filme oder Musik – das verspricht der Krypto-Standard NFT. Bei Christie’s wurde nun ein Rekordpreis erzielt. Es geht ums große Geld. Was steckt hinter dem aktuellen Hype?

Elon Musks Freundin Grimes hat es schon getan, Twitter-Chef Jack Dorsey auch. Mit dem Verkauf von digitalen Kunstwerken oder Gegenständen werden aktuell Millionensummen umgesetzt. Nun ist ein digitales Bild sogar zu einem der teuersten Kunstwerke aller Zeiten geworden. Möglich ist das dank der Hype-Technologie NFT. Während einige darin die Zukunft der Kunst oder gar der Wirtschaft zu sehen glauben, wittern andere vor allem ein schnelles Geschäft.

Der vorläufige Höhepunkt kam am Donnerstag: Das berühmte Auktionshaus Christie’s beendete eine zweiwöchige Auktion des digitalen Künstlers Mike Winkelmann, besser bekannt unter seinem Pseudonym Beeple, spektakulär. Die jpeg-Datei “Everydays — The First 5000 Days” ist eine Kollage von allen Fotos, die der Künstler seit 2007 online postete. Der Preis ist schlicht atemberaubend: Nach einem Bietergefecht in letzter Minute erreichte das mit einem Startgebot von 100 Dollar angebotene Bild einen Verkaufspreis von 69.346.250 Dollar, also knapp 58 Millionen Euro. Es ist damit das drittteuerste je verkaufte Bild eines noch lebenden Künstlers – nach Werken von Jeff Koons und David Hockney. 

Digitale Zertifikate mit Millionenwerten

Doch was steckt eigentlich dahinter? Vekauft wurde eigentlich nicht die Bilddatei, sondern das Besitzrecht in Form eines NFT. Hinter der Abkürzung verstecken sich sogenannte “Non Fungible Token”. Die basieren – wie Kryptowährungen – auf der Blockchain-Technologie, werden also wie Bitcoin und Co. in dezentralen, öffentlich einsehbaren Datenbanken, den Ledgern, gelistet. Dabei unterscheidet sie ein entscheidendes Detail von den Krypto-Münzen: Während jeder Bitcoin beliebig mit jedem anderen austauschbar ist, ist jedes der NFTs für sich einmalig. 

Das bietet eine Menge Möglichkeiten. Aktuell besonders beliebt ist der Einsatz der NFTs als einer Mischung aus Echtheitszertifikat und Besitznachweis. Wie bei einem physischen Kunstwerk kann ein entsprechendes NFT ein digitales Werk sowohl als echt beglaubigen als ihm auch einem eindeutigen Besitzer zuordnen. Das macht die Tokens so wertvoll.

Digitale Sammlerstücke

Der Preis der aktuellen Auktion ist selbst im Vergleich zu den schon vorher hohen Einnahmen aus NFT-Versteigerungen ein Schock. Als die Sängerin und Künstlerin Grimes, die Lebensgefährtin von Krypto-Fan Elon Musk, vor einer Woche digitale “Drucke” einiger Kunstwerke versteigerte, entstand schnell ein Bieterwettstreit um die in NFT umgesetzten Besitzerrechte. Die 700 Kopien brachten der Künstlerin knapp fünf Millionen Euro ein. Das Einzelwerk mit dem höchsten Verkaufspreis ging für knapp 320.000 Euro über den digitalen Auktionstisch. 

Auch Twitter-Chef Jack Dorsey machte NFT-Schlagzeilen. Zum 15. Jahrestag am 21. März versteigert er den ersten Tweet überhaupt, die Einnahmen will er spenden. Das höchste Gebot liegt aktuell bei 2,5 Millionen Dollar. Die Aktion zeigt zudem eine spannende Eigenheit der digitalen Kunstkäufe: Der Tweet wird nicht von Dorseys Profil verschwinden, trotzdem gehört er aber nur dem Höchstbitenden. So, als würde ein Mäzen ein wertvolles Gemälde einem Museum zur permanenten Ausstellung leihen.

In Pompeji haben sich zahlreiche erotische Darstellungen aus der Antike erhalten.

Vielseitige Nutzung denkbar

Diese Tatsache macht NFTs so spannend, argumentieren die Fürsprecher. Ein Käufer kann sich nun auch bei einem digitalen Gegenstand sicher sein, dass es sich um ein Original handelt. Nach Zeiten der unendlichen Kopierbarkeit von digitalen Objekten verleiht ihnen das Zertifikat wieder einen klaren Wert: Jeder kann sehen, wie oft es den Gegenstand gibt – und wer sein Eigentümer ist.

Das lässt sich nicht nur für Kunst nutzen. Über die NFT-Technologie könnten theoretisch auch Personalausweise, Grundstücksbesitz oder Verträge fälschungssicher mit einem klaren Besitzer verknüpft werden, hoffen die Fürsprecher der Technologie. 

Energie-hungrige Technologie

Zunächst müsste die Technologie aber noch einige Hürden nehmen. Aktuell sind NFTs beispielsweise nicht besonders intuitiv nutzbar. Zum einen sind sie in der Regel an Krypto-Geldbörsen gebunden, die aber in der Masse der Internetnutzer längst noch keine weite Verbreitung haben. Hinzu kommt, dass der Wert der Objekte aktuell noch meist in Krypto-Währungen wie Ether bemessen wird. Im Vergleich zu klassischen Geldwährungen sind die aber hochvolatil, der Wert schwankt teils im Minutentakt erheblich.

Und dann ist da noch der Stromverbrauch: Die aufwendige Echtheits-Prüfung der für die meisten NFTs genutzten Ethereum-Blockchain ist so energiehungrig, dass die Zertifizierung eines einzelnen Kunstwerkes teilweise so viel Strom verbraucht wie eine vierköpfige Familie in vier Wochen. Als Alltagslösung wäre die Technologie in dieser Form alleine deshalb schon untauglich.

Aktuell scheint NFT aber ohnehin vor allem Menschen anzusprechen, die schon Begeisterung für Echtheits-Zertifikate mitbringen: Fans und Sammler. Die erste Anwendung war der Hype um Katzenbilder, die sogenannten Cryptokittens im Jahr 2017, eines der Sammelbilder wurde damals für 600 Ether, heute fast 900.000 Euro, gehandelt. Auch Sport-Sammelkarten und sogar -Videoclips werden auf diese Weise gehandelt. “Manche sagen, dass ich das Video auch umsonst schauen könnte”, erklärt Milliardär Mark Cuban seinen Kauf eines Basketball-Clips. “Aber das ist bei Sammelkarten auch so. Niemand hält dich davon ab, das Bild im Netz zu suchen und selbst auszudrucken.”

Quellen: Christies, New York Times, Jack Dorsey, Vox

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