Nachdem Sex mit 15-Jähriger: Drei Männern drohen Landesverweise



Kreisgericht St.Gallen

Nach Sex mit 15-Jähriger: Drei jungen Männern drohen mehrjährige Landesverweise

Sieben Männer werden von einem 15-jährigen Mädchen belastet, teils einvernehmlich, teils ungewollt Sex mit ihm gehabt zu haben. Drei der Beschuldigten standen am Montag vor Gericht.

Einer der drei Beschuldigten soll das Mädchen gezielt in einen Aufenthaltsraum gelockt haben, damit mehrere Männer mit ihm Sex haben konnten.

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Gemeinsamer Anklagepunkt in der Verhandlung am Kreisgericht St.Gallen war der Vorwurf der sexuellen Handlungen mit einem Kind. Bei zwei der Beschuldigten kamen weitere Anklagepunkte hinzu. Alle drei sind in St.Gallen geboren, haben aber keinen Schweizer Pass. Die Staatsanwaltschaft beantragte deshalb nicht nur bedingte oder teilbedingte Freiheitsstrafen, Geldstrafen und Bussen, sondern auch Landesverweisungen zwischen fünf und sieben Jahren.

Beschuldigte bestreiten die meisten Vorwürfe

In der Befragung durch den Vorsitzenden Richter bestritten die drei Beschuldigten die meisten der ihnen vorgeworfenen Straftaten. Der erste – ein 21-jähriger Nordmazedonier – gestand den Geschlechtsverkehr mit der 15-Jährigen, die er laut Staatsanwaltschaft im Sommer 2019 kennen lernte. Er habe sie geliebt, betonte er. Ihr wahres Alter aber habe er nicht gewusst. Sie habe ihm gesagt, sie sei 16 Jahre alt.

Vorgeworfen wurde ihm neben der sexuellen Handlungen mit einem Kind auch, dass er das Opfer in Hotels vergewaltigte und ihm gesundheitsgefährdende Stoffe wie Alkohol und Drogen verabreichte. Weitere Anklagepunkte betrafen Pornografie, gewerbsmässiger Betrug sowie Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz und das Waffengesetz. Die Staatsanwältin beantragte für ihn eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 36 Monaten, eine bedingte Geldstrafe und eine Landesverweisung von sieben Jahren. Der Beschuldigte habe die psychisch labile Situation des Mädchens ausgenutzt, erklärte sie. Ein Chataustausch beweise, dass die Minderjährige ihm das wahre Alter preisgegeben habe.

Die Rechtsvertreterin des Opfers betonte in ihrem Vortrag, der Beschuldigte habe das Mädchen gezielt in einen von einigen Männern gemeinsam gemieteten Aufenthaltsraum gelockt, damit mehrere von ihnen mit ihm Sex haben könnten. Sie forderte Genugtuungssummen für ihre Mandantin und die Kostenübernahme von Therapien.

Freisprüche von den Hauptanklagepunkten beantragt

Die Verteidigerin verlangte für ihren Mandanten mehrere Freisprüche. Der Beschuldigte sei lediglich wegen Führens eines Motorfahrzeuges ohne Berechtigung und Widerhandlung gegen das Waffengesetz zu einer bedingten Geldstrafe von 35 Tagessätzen à 10 Franken zu verurteilen. Auf eine Landesverweisung sei zu verzichten. Zwischen ihrem Mandanten und der 15-Jährigen sei es zunächst zu einer innigen Freundschaft gekommen, erklärte sie.

Bevor es später zum Geschlechtsverkehr gekommen sei, habe das Mädchen überzeugend versichert, es sei unterdessen 16 Jahre alt. Es habe ausgesagt, bereits vor der Freundschaft mit dem Beschuldigten regen sexuellen Kontakt gehabt zu haben. Zudem habe die Privatklägerin erklärt, sie sei mit einem «Dreier» und Gruppensex einverstanden gewesen. Die Verteidigerin vermutete Gekränktheit oder enttäuschte Liebe als Grund für die belastenden Vorwürfe des Mädchens.

Sexuellen Kontakt mit der Privatklägerin bestritten

Der zweite Beschuldigte – ein 22-jähriger Kosovare – bestritt, am fraglichen Zeitpunkt überhaupt im gemieteten Raum gewesen zu sein. Es sei nie zum sexuellen Kontakt zwischen ihm und dem Mädchen gekommen. Er war zusätzlich wegen mehrfacher Pornografie und Gewaltdarstellungen sowie Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz angeklagt. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten, eine Geldstrafe, eine Busse und eine Landesverweisung von fünf Jahren.

Der Verteidiger verlangte, sein Mandant sei lediglich wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln und der Nichtabgabe von Verkehrsschildern trotz Aufforderung schuldig zu erklären. Dafür sei er zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen à 30 Franken und einer Busse von 100 Franken zu verurteilen. Auf eine Landesverweisung sei zu verzichten.

Geschehen als abstossend empfunden

Für den dritten Beschuldigten beantragte die Staatsanwältin wegen sexueller Handlungen mit einem Kind eine bedingte Freiheitsstrafe von neun Monaten und eine Landesverweisung von fünf Jahren. Der 21-jährige Nordmazedonier bestritt jede Schuld. Er gab an, im Mietraum gewesen zu sein, als das Mädchen im Nebenzimmer mit anderen Männern Sex hatte. Ihn habe dies aber eher abgestossen und er sei bald darauf wieder gegangen. Er war der einzige von den Dreien, der keine Vorstrafen aufwies und sich nicht mit weiteren Anklagepunkten konfrontiert sah.

Sein Verteidiger forderte einen Freispruch von Schuld und Strafe. Ausser der Privatklägerin belaste niemand seinen Mandanten. Auch habe sie seinen Namen in der Erstbefragung nicht genannt. Damals habe sie gesagt, es sei einer dagewesen, der nicht mitgemacht habe.

Das Urteil des Kreisgerichtes St.Gallen steht noch aus. Es wird in den nächsten Tagen erwartet. Gegen vier weitere Männer, die von der Privatklägerin belastet worden sind, wurden separate Verfahren eröffnet.