Muffe im Rahmen Schwulen in Nordspanien: Dating-App-Serienmörder unterwegs

Furcht und Unsicherheit machen sich dieser Tage in Bilbao im Norden Spaniens breit.

ARCHIV – Alle Opfer hatten über die bei Schwulen beliebte Dating-App Grindr Kontakt mit dem Mörder. Foto: Christoph Dernbach/dpa – sda – Keystone/dpa/Christoph Dernbach

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Das Wichtigste in Kürze

  • In der baskischen Metropole, die mit ihren hippen Pintxo-Bars, ihrer Spitzengastronomie und einem eindrucksvollen Ableger des New Yorker Guggenheim-Museums Touristen aus aller Welt anlockt, ist nämlich nach Überzeugung der Polizei ein Serienmörder unterwegs.

Einer, der es auf Schwule abgesehen hat, seine Opfer per Dating-App kontaktiert und bereits mindestens vier Männer getötet haben soll.

«Es gibt ein Klima der Angst», zitierte das Digitalblatt «El Confidencial» einen jungen Mann aus der 345 000-Einwohner-Stadt rund 100 Kilometer westlich der Grenze zu Frankreich.

Als dringend Verdächtiger werde ein junger Mann im Alter von etwa 20 bis 30 Jahren gesucht, berichteten spanische Medien unter Berufung auf die Behörden. Der mutmassliche Täter sei von einem Opfer beschrieben worden, das im Dezember entkommen sei, hiess es. Es werde unter anderem ermittelt, ob es in anderen spanischen Regionen ähnliche Verbrechen gegeben habe, die eventuell auch auf das Konto des Mannes gehen könnten.

Indizien dafür gebe es in Madrid und Valencia. Die baskische Polizei veröffentlichte vorerst zwar keine offizielle Mitteilung. Auf Anfrage bestätigte sie aber die Medienberichte und die «seit einiger Zeit» laufenden Ermittlungen.

Der Gesuchte wird des Mordes in mindestens vier Fällen verdächtigt. Es wird derweil nicht ausgeschlossen, dass er mindestens vier weitere Menschenleben auf dem Gewissen hat. Alle Morde, bei denen zunächst teils kein Fremdverschulden vermutet worden war, haben den Berichten zufolge mehr als einen gemeinsamen Nenner:

Die Opfer hätten über die insbesondere bei Schwulen beliebte Dating-App Grindr den mutmasslichen Serienmörder kontaktiert. Sie hätten ihn zu sich nach Hause eingeladen und seien dort mit Drogen zu Tode betäubt worden. In allen Fällen seien die Bankkonten der Opfer geplündert worden. Alle Morde hätten sich in einem bestimmten Viertel im Zentrum Bilbaos ereignet.

Die Morde, die bisher dem Unbekannten zugeschrieben werden, wurden im vergangenen Jahr begangen, und zwar im September und Oktober. Bilbaos Bürgermeister Juan Mari Aburto räumte nun in einem Radio-Interview ein, in seiner Stadt herrsche aufgrund der Medienberichte eine «angespannte Ruhe». Dem Rathaus seien die Ermittlungen bekannt. Man müsse aber alles tun, um die Gesellschaft «nicht zu beunruhigen».

Dass die Behörden sich aber weitgehend in Schweigen hüllen, erhöht nach Meinung einiger «Bilbaínos» nur das Gefühl der Unsicherheit. «Dass es keine Informationen gibt, ist schon ein Problem. Man hat den Eindruck, dass das (von den Behörden) nicht ernst genug genommen wird. Meine Freunde und meine Familie sagen mir, ich soll aufpassen», erzählte der von «El Confidencial» zitierte junge Mann.

Die Zeitung «20Minutos» stellte am Donnerstag fest, die Gay-Community sei «verängstigt». Julio, der eine Kneipe mit Pintxos, den typischen baskischen Tapas, betreibt, kann das bestätigen. «Nicht nur bei den Gays herrscht Unsicherheit. Ich merke das auch an der Besucherzahl hier», sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Der TV-Sender La Sexta berichtete derweil unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Alptraum könne bald vorbei sein. Die Behörden hätten den Verdächtigen identifiziert und würden nun fieberhaft nach ihm suchen. Es handele sich um einen Südamerikaner, der bei seiner letzten Attacke überstürzt geflohen sei, als das Opfer die schlechten Absichten bemerkt, sich gewehrt, geschrien und Nachbarn um Hilfe gebeten habe. Dabei habe der mutmassliche Serienmörder einen Rucksack mit flüssigem Ecstasy und persönlichen Objekten zurückgelassen.

Doch auch wenn der Gesuchte tatsächlich bald dingfest gemacht wird, sind die Probleme für die Minderheiten in Bilbao nicht vorbei, versichert der baskische Verband der Lesben, Schwulen, Transgender, Bi- und Intersexuellen (Observatorio Vasco LGTBI+). Dieser besonders schlimme Fall sei nämlich nur «die Spitze des Eisbergs».

Es gebe immer mehr Attacken gegen Schwule, Lesben und andere Minderheiten. Die Behörden müssten «dringende und wirksame Schutzmassnahmen ergreifen». Die Grundrechte und das Leben vieler Bürger stünden auf dem Spiel, hiess es. Für den 17. Mai wurde eine Protestkundgebung angekündigt. Diese und andere Organisationen warnten unterdessen auch vor der Gefahr, die mit der Benutzung von Dating-Apps verbunden ist.

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