Mauerbau in Kunst, Kultur und Wissenschaft: Dies ist geplant

Gedenken

Mauerbau in Kunst, Kultur und Wissenschaft: Das ist geplant

Aktualisiert: 13.08.2021, 06:00

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Ein Blick in die Vergangenheit Deutschlands: Ein Münchner Geschichtskurs an der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Filmfestival im Mauerpark, App zur Geschichte der Mauer, Kassiber von DDR-Grenzposten und ein Forschungsprojekt zur Generation Mauer.

Berlin. Zum 60. Jahrestag wird auf vielfältige Weise in Berlin an den Mauerbau erinnert. Eine Auswahl:

Das Festival im Mauerpark zeigt an drei Tagen rund 75 Filme, Dokumentationen und Archivschnipsel aus Ost und West, darunter auch 20 Animations- und Kurzspielfilme aus jüngerer Zeit. Es gibt Gespräche mit Filmemachern, Zeitzeugen, Mauer-Experten. Eröffnung ist Freitag, 13. August, 17 Uhr, mit Tom Sello, dem Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Moritz van Dülmen, Kulturprojekte Berlin, Regisseur Hans-Dieter Grabe und dem Fluchthelfer Burkhart Veigel. Im Anschluss werden kurze zeitgenössische Dokumentarfilme aus Ost und West gezeigt. 13. bis 15. August, Fr., 17-22 Uhr, Sbd., 12-22 Uhr, So., 12-21.30 Uhr, Amphitheater im Mauerpark (Prenzlauer Berg).

Die Galerie Verein Berliner Künstler eine zeigt in Zusammenarbeit mit DDT – Das freie Dokumentar Film-Team (Ralf Gründer & Klaus-Dieter Grotz) eine dokumentarische Ausstellung zur Arbeit von vier Kameramännern: Sie filmten den Alltag an der Grenze, Menschen, die hinüberschauten, von West nach Ost und von Ost nach West, Menschen, die Opfer der Teilung Berlins wurden. Zur Ausstellung ist auch eine Dokumentation erschienen. 14.-22. August, Verein Berliner Künstler, Schöneberger Ufer 57, 10785 Berlin, vbk-art.de

Auch per Handy-App lässt sich Mauergeschichte entdecken – viele Museen und Gedenkstätten haben Bilder, Daten und Fakten Inhalte zur berlinHistory.app beigetragen, die sich als digitales Museum versteht. Zum Jahrestag wurde das Angebot mit der Stiftung Berliner Mauer und anderen Partnern neu aufgelegt. Im Register kann man nach Orten oder Personen suchen, auf Stadtplänen Ereignisorte aufspüren, Vorher-Nachher-Bilder anschauen, sich thematisch führen lassen und Audiowalks folgen.

Das Internetportal Chronik der Mauer präsentiert seltene Kassiber von DDR-Grenzposten. Die kleinen Papierzettel, die Grenzer von Ost nach West über die Mauer warfen, enthielten handschriftliche Bestellungen von Zigaretten und Damenstrümpfen, aber auch politische Witze. Sie wurden heimlich von DDR-Grenzpolizisten geschrieben und von Menschen aus West-Berlin beantwortet. Die Kassiber zeigen, wie Menschen aus Ost und West der Teilung trotzten und versuchten, in Verbindung zu bleiben. Für DDR-Grenzpolizisten herrschte eigentlich ein striktes Kontaktverbot. Wären sie erwischt worden, hätten ihnen empfindliche Strafen gedroht. Trotzdem nahmen sie das Risiko in Kauf und warfen die kleinen Nachrichten über die Mauer, um begehrte Westwaren zu erhalten, die es im Osten nur schlecht oder in schlechter Qualität gab. Ein West-Berliner Anwohner aus der Bernauer Straße im Bezirk Mitte hat acht Kassiber gesammelt und aufbewahrt. Seine Tochter hat sie nach seinem Tod der Stiftung Berliner Mauer übergeben. Mehr Informationen: www.chronik-der-mauer.de.

Eine wissenschaftliche Studie sucht Menschen, die im Jahr 1961 geboren wurden, für eine Studie. Menschen, die schon die gesellschaftlichen Transformationen nach 1961 und 1989 erlebt haben – wie gehen sie mit den pandemiebedingten Veränderungen der heutigen Zeit um? Dies will Universität Konstanz in Kooperation mit der Stiftung Berliner Mauer und dem Archiv Deutsches Gedächtnis der Fernuniversität Hagen untersuchen. Die Befragung setzt die Interviewstudie der „Generation 1975 – Mit 14 ins neue Deutschland“ fort. Juniorprofessorin Christiane Bertram von der Binational School of Education (BiSE) der Universität Konstanz sucht Menschen des Jahrgangs 1961 mit verschiedenen biografischen Hintergründen, auch Migrationshintergrund, die bis zum Mauerbau in Baden-Württemberg, Sachsen, West- oder Ost-Berlin gelebt haben. Die Interviews werden per Video dokumentiert. Interessierte können sich in eine Online-Datenbank eintragen: uni.kn/bertram/generation-mauerbau.