Martin Brenner kandidiert zu Händen den Stadtrat von Weinfelden



Weinfelden

Martin Brenner: Im Ausschlussverfahren zur FDP

Martin Brenner ist der einzige offizielle Kandidat für die Stadtratsersatzwahl vom 15. Mai in Weinfelden. Er will den Sitz seines zurücktretenden Parteikollegen Thomas Bornhauser übernehmen.

Martin Brenner auf dem Balkon seines Büros am Marktplatz in Weinfelden.

Bild: Ralph Ribi

Von wem lassen Sie sich eigentlich ihre «Igelifrisur» schneiden?

Martin Brenner: Mein Coiffeur ist Angelo Mancuso in Kreuzlingen, ein 80-jähriger Mann. Das hat bei uns in der Familie Tradition, schon mein Grossvater liess sich von ihm die Haare schneiden. Mancuso hat viele Kunden aus dem Bereich der Politik und weiss immer Interessantes aus dem Alltag zu berichten.

Sie kandidieren für den frei werdenden Sitz im Stadtrat. Was hat Sie dazu motiviert?

Ich will mich für ein lebenswertes Weinfelden einsetzen. Mir geht es darum, dass ich zur Weiterentwicklung von Weinfelden beitragen kann, gleichzeitig ist mir ein haushälterischer Umgang mit den Finanzen wichtig.

Das könnten Sie doch auch in ihrer jetzigen Funktion als Stadtparlamentarier?

In der Legislative kann man noch relativ einfach fordern. Aber als Stadtrat muss man dann auch Verantwortung tragen innerhalb des Siebnergremiums. Und ich will diese Verantwortung übernehmen.

Sie wollen Weinfelden weiterentwickeln. Sind Sie ein Gestalter?

Verwalten alleine reicht nicht, das ist ein Drehen am Ort. Aber eine Stadtregierung ist auch kein Wunschkonzert. So etwas kann vielleicht ein Samih Sawiris mit seiner Insel im Vierwaldstättersee, aber nicht der Stadtrat von. Wir können kein Schlaraffenland aufbauen, das man langfristig nicht finanzieren kann. Durchaus zu haben bin ich aber, um Rahmenbedingungen zu schaffen und zu unterstützen, wenn Ideen zur Weiterentwicklung bestehen. Ich denke, es gibt bereits einige gestalterische Elemente und Ansätze in Weinfelden.

Sie sind gelernter Vermessungszeichner. Arbeiten Sie noch heute auf dem Beruf?

Nein. Ich bin in der Personal- und Organisationsentwicklung als Unternehmensberater tätig. 2014 habe ich mich in einem kleinen Pensum selbstständig gemacht und es wurde immer mehr, nun ist es meine Haupttätigkeit. Meine Kunden sind Firmen und Einzelpersonen, die ich begleite und berate in organisatorischen Themen. Mir gefällt es dabei, mit Menschen und unterschiedlichen Themen zu tun zu haben. Dazu bin ich seit drei Jahren auch Dozent für Projekt- und Prozessmanagement an unterschiedlichen Weiterbildungszentren. Ich arbeite da mit jungen Erwachsenen zusammen, was ich sehr bereichernd finde.

Lässt sich Ihr Beruf mit den Aufgaben als Stadtrat vereinbaren?

Mich reizt am Amt des Stadtrats, dass es eben kein 100-Prozent-Mandat ist und ich nebenher weiterhin meine beruflichen Aktivitäten wahrnehmen kann.

Beim ersten Versuch scheiterete er noch: Martin Brenner gratuliert 2010 seinem Mitstreiter Hans Eschenmoser zur Wahl in den Gemeinderat.

Bild: Stefan Schaufelberger

Dann wäre eine Kandidatur für das Stadtpräsidium für Sie also nichts?

Das ist nicht mein Ziel in diesem Herbst. Wie es in der Zukunft aussehen wird, weiss ich nicht. Aber im Moment passt es nicht, auch wenn ich schon ein paarmal darauf angesprochen worden bin.

Sie haben auch schon so ein intensives Wahlkampfjahr vor sich …

… ja absolut. Ich habe mich im Vorfeld auf bis zu vier Wahlgänge eingestellt. Eventuell zwei jetzt im Frühling und nochmals zwei im Herbst. Der zeitliche Aufwand ist das eine, das andere ist es, in der Öffentlichkeit zu stehen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass ich im Herbst bei den Erneuerungswahlen nicht wiedergewählt werde und mich nach einem Jahr schon wieder aus dem Stadtrat verabschieden müsste. Ich bin mir diesen Risikos bewusst, gehe es aber ein, da ich meine Chancen als realistisch beurteile.

Für die Ersatzwahl am 15. Mai sind sie der einzige Kandidat. Hätten Sie sich nicht etwas mehr Wahlkampf gewünscht?

Ich hatte bei all meinen Wahlen in der Vergangenheit Gegenkandidierende, das gibt den Bürgern eine Auswahl. Dass es diesmal nicht so ist, kann ich nicht ändern. Aber es ist klar, wenn mehrere antreten, verliert auch jemand – und das ist nicht schön.

Am 22. Juni wurde Martin Brenner zum Präsident des Weinfelder Gemeindeparlaments gewählt, an seiner Seite Vizepräsidentin Elsi Bärlocher.

Am 22. Juni wurde Martin Brenner zum Präsident des Weinfelder Gemeindeparlaments gewählt, an seiner Seite Vizepräsidentin Elsi Bärlocher.

Bild: Mario Testa

Gesetzt der Fall, Sie werden nun gewählt, verpassen im Herbst aber die Wiederwahl. Würden Sie nochmals fürs Parlament kandidieren?

Ich bin gerne im Stadtparlament und mag die Arbeit in der Legislative. Aus heutiger Sicht würde ich mir bei einer solchen Konstellation eine Kandidatur sicher gut überlegen. Grundsätzlich lebe ich aber nach dem Motto: Gehe nicht an einen Ort zurück, an dem du schon warst.

Welches Ressort im Stadtrat würde Ihnen zusagen?

Grundsätzlich muss ich mich für alle Ressorts interessieren. Man wird als Stadtrat bei den Entscheidungen ja auch mit allen Themen konfrontiert. Aber wenn ich wählen könnte, wären «Soziales» oder «Gesellschaft» nicht meine Favoriten. Das frei werdende Ressort Hochbau kann ich mir aber gut vorstellen, auch wenn es eines ist, in dem man dem Parlament häufig Auskunft geben muss. Entscheiden über die Ressortverteilung werden aber die amtierenden Stadträtinnen und Stadträte.

Ihrer Website ist zu entnehmen, dass Sie sich für Legasthenie interessieren. Sind Sie selbst davon betroffen?

Ja, ich bin Legastheniker. So wie etwa jede zehnte Person in diesem Land auch.

Wie äussert sich das bei Ihnen?

Wenn ich ein E-Mail schreibe, schleichen sich einige Fehler ein. Deshalb weiss ich, dass ich diese immer nochmals durchlesen und überarbeiten muss, sonst fehlen Wörter oder Sätze sind verdreht. Chatten kann ich beispielsweise nur langsam und verzögert. Viele Legastheniker weichen dem Schreiben einfach aus, das ist aber auch nicht die Lösung. Dafür haben sie immer andere Fähigkeiten, in denen sie ausserordentlich gut sind.

Welche sind das bei Ihnen?

Bei mir sind es vor allem konzeptionelle Dinge. Etwas zu strukturieren, darzustellen und aufs Papier zu bringen. Um Legastheniker mit meinen Erfahrungen begleiten und unterstützen zu können, habe ich für einen einfachen Erstkontakt die Website www.legasthenie-als-chance.ch eingerichtet.

Wie sind Sie eigentlich zur FDP gekommen?

Martin Brenners Mutter Vreni Brenner war 2004 Präsidentin des Gemeindeparlaments. Martin Brenners Vater Rolf ebenso, nochmals rund ein Jahrzehnt früher.

Martin Brenners Mutter Vreni Brenner war 2004 Präsidentin des Gemeindeparlaments. Martin Brenners Vater Rolf ebenso, nochmals rund ein Jahrzehnt früher.

Bild: Nana do Carmo

Die naheliegende Erklärung wäre, dass mein Vater und meine Mutter schon sehr FDP-treu und aktiv sind. Aber dem ist nicht so, ich habe nicht von Anfang an auf die FDP gesetzt. Aber ein Ausschlussverfahren hat mich dann doch zur FDP geführt.

Weshalb sind Sie überhaupt politisch aktiv geworden?

Wir haben zu Hause oft diskutiert. Aber den Ausschlag gegeben haben meine Erfahrungen als Bundesleiter der Pfadi. Da habe ich beim Weibeln für das Projekt Jugend&Sport 2000 erfahren, was politische Unterstützung bewirken kann und wollte danach selber in dieses spannende Feld eintauchen und etwas bewirken.

Zur Person

Martin Brenner ist 48 Jahre alt, verheiratet mit Susanne Brenner und arbeitet als selbstständiger Berater im Bereich der Personal- und Organisationsentwicklung. Dazu unterrichtet er unter anderem am Weiterbildungszentrum Rorschach-Rheintal Projekt- und Prozessmanagement. Seit 2009 sitzt er für die FDP im Weinfelder Parlament, welches er 2017/2018 als Präsident leitete. Während zehn Jahren war er auch Mitglied der Primarschulbehörde Weinfelden. Er engagiert sich seit seiner Jugend für die Pfadi, ist Mitglied der St.Nikolausgesellschaft Weinfelden und der Bürgergemeinde Weinfelden.