Markt Express – Ukraine-Schlagschatten nachher Corona-Notlage: Unglücksbotschaft zum Besten von die Wirtschaft

NÜRNBERG (dpa-AFX) – Der Ukraine-Krieg als zweite große Schockwelle
nach der Pandemie wird nach Auffassung von Experten die deutsche
Konjunktur bremsen, zunächst aber kaum Spuren auf dem Arbeitsmarkt
hinterlassen. Die Arbeitslosigkeit habe sich zuletzt kontinuierlich
nach unten entwickelt. “Die Arbeitslosenquote bewegt sich momentan
auf ein Allzeittief zu”, sagt Deutsche-Bank-Volkswirt Marc
Schattenberg.

Es sei zu erwarten, dass der Fachkräftemangel etwaige Effekte der
Krise aufsauge. Schattenberg erwartet aber auch wegen der
Wirtschaftssanktionen eine leichte Wachstumsdelle. “Das
Bruttoinlandsprodukt könnte um 0,5 Punkte geringer ausfallen,
schlimmstenfalls um einen Prozentpunkt.” Katharina Utermöhl von der
Allianz-Gruppe erwartet bei einem moderaten Szenario einen
Negativeffekt von 0,3 Punkten für Deutschland.

Allerdings: Im schlimmsten Szenario, das eine vollständige Aufgabe
der Wirtschaftsbeziehungen zu Russland und damit auch ein Ende der
Energielieferungen beinhaltet, würde Deutschland nach ihrer Ansicht
in eine tiefe Rezession rutschen. “Die Russland-Krise wirft zu einem
denkbar ungünstigen Zeitpunkt einen Schatten auf Deutschland”,
erklärt die Volkswirtin. Auch KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib
sagt: “Noch ist die deutsche Wirtschaft belastet durch
Arbeitsausfälle durch Omikron, hohe Energie- und Rohstoffpreise und
weiter andauernde Lieferkettenprobleme.”

Schattenberg erwartet wie auch Köhler-Geib kurzfristig eine
Verbesserung der Wirtschaftslage. In Handel und Gastgewerbe würden
das Nachlassen des Pandemiegeschehens und die damit verbundenen
Lockerungen der Gegenmaßnahmen spürbar, sagt Schattenberg. Dies
mache sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar.

Köhler-Geib gibt jedoch zu bedenken, dass viele Unternehmen durch
die Corona-Krise wirtschaftlich geschwächt sind, was sich auch an
der Lohnentwicklung zeigt. “Obwohl die Inflationsraten im
vergangenen Jahr deutlich angezogen haben und die Marktteilnehmenden
auch für 2022 keinen schnellen Rückgang der Inflation erwarten, sind
die Tarifabschlüsse bis in den Januar hinein zurückhaltend
geblieben.”

Bereits im Februar dürfte es nach Schattenbergs Prognose wegen der
Belebung bei den Dienstleistungen erneut einen Rückgang der
Arbeitslosigkeit gegeben haben. Die Effekte könnten aber bei einem
weiteren Anstieg der Inflation wegen krisenbedingt galoppierender
Energiepreise gedämpft werden. “Bemerkbar würde das überall dort, wo
Verbraucher die Möglichkeit haben auszuweichen oder zu
verzichten.”/dm/DP/stk

AXC0026 2022-02-26/10:04

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