Mario Party Superstars Review – Nintendo-Online.de

Kaum eine Nintendo-Reihe durchlebte eine derart kontroverse Wandlung wie „Mario Party“. Einst als eines der besten Party-Spiele aller Zeiten bekannt, entwickelte sich die Reihe in Richtungen, die viele Fans verärgerte. Sei es das gemeinsame Bewegen durch die Spielwelt, geringer Umfang oder fehlende Online-Modi, es ist schon viele Jahre her, dass ein „Mario Party“ ohne Kontroverse erschien. Den Verkaufszahlen hat das aber nur selten geschadet, insbesondere mit Blick auf „Super Mario Party“. Dennoch wirkte „Mario Party Superstars“ in den Trailern bislang wie ein Versöhnungsangebot. Reicht das aber, um der Reihe zu neuem Ruhm zu verhelfen?

Alles alt, alles neu

In „Mario Party Superstars“ soll die langlebige Reihe gefeiert werden, weshalb hier nicht etwa brandneue Inhalte auf dem Tagesplan stehen, sondern eben die Minispiele und Spielbretter aus den vorherigen Ablegern. Das klingt ein wenig wie „Mario Party: Top 100“, beim neuesten Teil handelt es sich aber um einen im Grunde sehr konventionellen Ableger, der die besten Spiele zusammenbringt und diese dank vollständig überarbeiteter Optik in eine neue Zeit bringt.

Bereits vor dem eigentlichen Spielstart und der kurzen Erklärung, dass hier ein Superstar entdeckt werden soll, geht es aber schon mit den wichtigen Neuerungen los. Vor dem Titelbildschirm müssen Spielende nämlich auswählen, ob sie offline an einer Konsole, lokal mit mehreren Konsolen oder online über das Internet spielen wollen. Es ist vielleicht nicht die eleganteste Lösung, dass dies nicht im Spiel selber dynamisch angepasst werden kann, doch da die Ladezeiten extrem kurz sind, stört es nicht, schnell zurück in das passende Menü zu navigieren.

Das Party-Paradies

Das eigentliche Hauptmenü ist ebenso kompakt gehalten. Spielende wählen hier ein Gebäude aus, um die Optionen zu ändern, die eigenen Statistiken aufzurufen oder die verschiedenen Modi zu betreten. Die Aufmachung ist dabei durchaus charmant geraten und beweist Liebe zum Detail, auch wenn es etwas unverständlich ist, wieso die Optionen nicht einfach per Knopfdruck aufgerufen werden können.

Dafür lässt sich jederzeit das Party-Level einsehen, und auch die entsprechende Spieler-Karte lässt sich zusammenstellen. Hier findet die Progression statt, denn in Toads Laden lassen sich, sind bestimmte Level-Meilensteine erreicht, neue Kartenhintergründe oder andere Extras erwerben. Somit gibt es durchaus einiges zum Freischalten, auch wenn es sich dabei nur um kleine Boni handelt.

Die Rückkehr der glorreichen Zeit

Der Superstar der Runde ist natürlich das klassische Mario Party, in dem vier von zehn auswählbaren Charakteren gegeneinander antreten, um die meisten Sterne zu erlangen. Wer das nicht kennt: Auf einem Spielbrett bewegen sich die Helden um die gewürfelte Anzahl an Feldern, um mit etwas Glück einen Stern gegen 20 Münzen einzutauschen. Dabei gibt es aber zahlreiche Sonderfelder, die Boni oder negative Effekte mitbringen, sowie zusätzliche Items, besondere Würfel und auf jedem Spielbrett besondere Elemente, die für Abwechslung sorgen. Nach jeder Runde wird ein Mini-Spiel zufällig ausgewählt, in dem Spielende entweder gegeneinander kämpfen oder kooperieren müssen, um Münzen zu erlangen.

Das Spielprinzip funktioniert glücklicherweise genau so, wie man es sich wünscht. Die Aktionen lassen sich schnell ausführen, und auch die Bretter sind unterschiedlich genug, um immer neue Herausforderungen zu bieten. Häufig erlebt man einige Elemente gar nicht in einer Runde, sodass es auch nicht langweilig wird, dieselben Umgebungen häufiger zu besuchen. Natürlich spielt der Zufall eine große Rolle, doch genau das macht den Charme aus.

Ein Spaß für jeden

Neben der Auswahl der Bretter sowie dem Schwierigkeitsgrad für CPU-Gegner lassen sich auch die Regeln anpassen. Somit lässt sich die Anzahl der Runden von zehn bis 30 in Fünfer-Schritten bestimmen, was dazu führt, dass sowohl kürzere Runden als auch solche möglich sind, die satte 90 Minuten dauern. Auf Wunsch lassen sich auch Bonus-Sterne ausstellen, die ansonsten am Ende für zufällige Statistiken ausgeteilte werden, zum Beispiel wer die meisten Mini-Spiele gewonnen hat. Wer mit erfahrenen Kontrahenten spielt darf sogar die Erklärung der Regeln für Mini-Spiele ausstellen, wobei das nur in den wenigsten Runden Sinn macht. Wer derweil mit unerfahrenen Mitspielern loszieht, darf denen sogar vor Spielbeginn Sterne schenken, sodass wirklich jeder die Möglichkeit hat, einen Sieg zu erzielen.

Diese Anpassungsmöglichkeiten sind zwar nicht allzu zahlreich, dafür aber überaus effektiv. Genau in diesen Punkten besticht das Spiel, auch während des eigentlichen Verlaufes. Die Menüs sind übersichtlich, die Effekte der Felder bleiben klar und bevor ein Mini-Spiel startet, lässt es sich erneut in einem kleinen Fenster neben der Erklärung der Steuerung ausprobieren, ohne in ein gesondertes Menü zu gehen. Da die Ladezeiten sehr kurz ausgefallen sind, bleibt somit der Spielfluss immer vorhanden und wird nicht künstlich ausgebremst, auch weil sich das Tempo der Computergegner, die die Spielerzahl auffüllen, beschleunigen lässt.

Wäre mehr möglich gewesen?

Die Anzahl der Spielbretter enttäuscht vielleicht, schließlich handelt es sich nur um fünf Stück aus den ersten drei Teilen der Reihe, die Qualität ist dafür bewährt. Die Spielmechaniken funktionieren wunderbar, und hat man die Klassiker nie gespielt, würde man nicht erahnen, dass es sich hierbei um alte Bretter handelt. Die zahlreichen Details, die knalligen Farben, die wunderbaren Animationen und die passenden Effekte zeigen einmal mehr, dass die „Super Mario Party“-Engine hier bestens geeignet ist.

Dasselbe gilt auch für die Mini-Spiele, deren optische Überarbeitung keine Meckerei zulässt. Sie sind so spaßig wie eh und je, steuern sich bestens und sind kurzweilig genug, um dem Würfelspaß genau die aufregende Note zu verleihen, die es benötigt. Etwas merkwürdig ist lediglich die Warnung bei jedem Spiel, das von den Spielern verlangt, den Stick schnell zu drehen. Wenn hier wirklich Sorgen bestehen, dass Controller zerstört werden könnten oder gar Verletzungen im Bereich des Möglichen liegen, wäre eine alternative Steuerung die bessere Lösung gewesen.

Das kleinere Paradies

Neben der eigentlichen Party gibt es auch noch den Minispiel-Berg, bei dem zahlreiche Modi warten. Unter anderem ist es hier möglich, alle 100 Minispiele zu genießen und frei zwischen ihnen zu wählen. Ist eines vorbei, lässt sich das nächste sogar zufällig auswählen. Wer möchte, kann auch bestimmte Modi auswählen, in denen zum Beispiel nur Team- oder Puzzlespiele vorkommen. In der Superserie muss derweil online eine möglichst lange Siegesserie aufgebaut werden, während die Tagesherausforderungen immer unter einem anderen Thema stehen.

All diese Optionen sorgen dafür, dass die Minispiele auch abseits der Party glänzen können. Besonders für kurze Runden eignet es sich bestens, einfach ein paar Spiele einzeln auszuwählen und somit das Tempo hoch zu halten. Da die Auswahl der Spiele aus den zehn Hauptteilen durchweg gelungen ist, wird hier einmal mehr deutlich, wie kreativ die Reihe eigentlich ist.

Die Party mit der ganzen Welt

Alle Modi lassen sich auch online genießen, wobei einige Minispiel-Berg-Kategorien ausbleiben, wenn man mit fremden Herausforderern spielt. Und so unspektakulär es auch klingen mag: Alles funktioniert bestens. In Wartelobbys lassen sich Minispiele ausprobieren, während der Party ist die Kommunikation über Sticker möglich und das Tempo ist exakt so, wie man es vom lokalen Modus gewohnt ist. Egal ob das Spiel mit Fremden oder in einer privaten Lobby, alles funktioniert exakt so, wie man es sich von einem Spiel mit Online-Anbindung wünscht. Das ist für die meisten Titel normal, für „Mario Party“ aber bemerkenswert.

Auch im Spiel läuft alles so flüssig, als ob man eine lokale Runde genießen würde – zumindest im Testzeitraum. Ob das Finden von Mitspielern auch nach der Veröffentlichung gut funktioniert, und ob die Server stabil bleiben oder es hier zu Problemen kommt, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt schlichtweg nicht sagen.

Historische Reise

Auch in Sachen Extras und Aufmachung wird ein rundes Paket abgeliefert. Das beginnt schon damit, dass bei jedem Minispiel vorher angezeigt wird, aus welchem Teil der Reihe es kommt. Noch spannender ist die Enzyklopädie, wo Historiker auf ihre Kosten kommen. Zwar sind die Beschreibungen der Charaktere kurz, dafür wird angezeigt, in welchen Teilen der Hauptreihe sie vorkamen, inklusive Originalcover der Titel. Dasselbe gilt auch für die Spiele-Seite, die gerne etwas mehr Informationen hätte bieten können, dafür eine wunderbare Zeitreise darstellt. Weniger hilfreich sind da schon die Tipps zu den Minispielen, die selten über ein „Pass genau auf und besiege deine Gegner“ hinausgehen.

Die entsprechenden Seiten der Enzyklopädie, ebenso wie ein großer Haufen an Musik aus allen Titeln und andere Extras, lassen sich in Toads Laden gegen Münzen erwerben. Diese gibt es für das Spielen aller Modi, und obwohl das nur einen kleinen Anreiz bietet, motiviert es überraschend stark, immer wieder kleine Belohnungen zu erhalten.

Eine Super Mario Party

Auf der technischen Seite wird das gewohnt gute Paket abgeliefert. „Mario Party Superstars“ erstrahlt sowohl am PC, als auch im Handheld-Modus dank der knalligen Farben, während die liebevollen Animationen den klassischen Charme versprühen. Die Ladezeiten fallen derweil besonders positiv auf, besonders zwischen den Minispielen.

Die Musikkulisse ist ebenfalls bestens geraten. Die große Auswahl an Stücken der gesamten Reihe versprüht Nostalgie, und für die Spielbretter lassen sich sogar die klassischen Versionen der Stücke aktivieren. Probleme gibt es keine, denn die Bildrate bleibt stabil, und sollte das Spiel doch einmal abstürzen oder die Online-Verbindung verloren gehen, lässt sich die aktuelle Runde abspeichern und später fortsetzen.

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