Mann Goertz kann wegen einer Mouse in seiner Wohnung nicht schlafen

27. Oktober 2021 um 22:07 Uhr


Die Störenfriede (21)
:
Herr Goertz kann wegen einer Maus in seiner Wohnung nicht schlafen


Mäuse im Käfig. Da wären sie Herrn Goertz lieber als in seiner Küche. (Symbol, Archiv)
Foto: Dackweiler Ulli/Dackweiler, Ulli (ud)

Mönchengladbach Sieben trifft seinen geschätzten Kollegen in einem Moment häuslicher Not an. Goertz jagt eine Maus in seiner Wohnung – natürlich nicht ohne einen wohlbedachten Schlachtplan. Ist der Nager wirklich verloren? Die 21. Folge der Störenfriede.


Einmal in der Woche chatten die Redakteurs-Kollegen Christian Sieben und Wolfram Goertz miteinander, um sich nach dem Befinden des anderen zu erkundigen. Beide verbindet eine satirische Sicht auf die Dinge, ansonsten sind sie streng beim Sie. In ihren Gesprächen geht es oft um Alltägliches, gelegentlich um Grundsätzliches, und manchmal steht am Ende sogar eine Erkenntnis.

Sieben Herr Goertz, mir sind ja Dinge zu Ohren gekommen. Ich ahne, wobei ich störe. Verraten Sie es mir dennoch?

Goertz Herr Sieben, ich gehe alle 30 Minuten durch die Wohnung, öffne die Küchentür mit einem Ruck und sperre die Ohren auf. Höre ich sie rascheln? Dann inspiziere ich die Lebendfallen. Ich habe eine Maus in der Wohnung. Oder auch nicht mehr, ich weiß es nicht.

Sieben Ich hatte Sie mehrmals und eindringlich davor gewarnt, den Grana Padano unverpackt im Küchenunterschrank zu lagern. Wirklich eine Maus? Hatten Sie Sichtkontakt?

Goertz Ja, für ein paar Sekunden sahen wir sie sogar zu zweit, wie sie zur besten Fernsehzeit hinter der Zarge der Küchentür herabkletterte. Wegen des Vorhangs, der Küche und Wohnzimmer trennt, sahen wir nur zwei Beine und den Schwanz. Plötzlich war die Maus weg, aber unsere Unruhe groß. 


Sieben Den Vorschlag, sich eine Katze anzuschaffen, erspare ich Ihnen. Wir wollen nicht albern werden. Denn die Lage ist ernst. Was ist Ihre Strategie? Lebendfalle? Totfalle? Kammerjäger? Giftköder? 

Goertz Es folgte eine strategische Beratung. Mein Vater, der in solchen Dingen sehr konsequent ist, brachte uns fünf Totfallen, die wir auch sogleich aufbauten. Dann aber erschraken wir. Toni –  so nennen wir das Tierchen – vertraute uns. Es näherte sich. Warum sollten wir Toni umbringen? Wir bestellten Lebendfallen, die sind viel besser, auch sie schützen uns vor dem Hanta-Virus. Blöd war nur, dass ich Köttel hinter dem Klavier fand, und das steht nicht in der Küche.

Sieben Ich hätte den neuen Hausfreund ja Basil genannt. Aber Toni ist auch ein schöner Name. Finden Sie denn nachts Ruhe? Ich selbst säße bei jedem Blätterrascheln in der Regenrinne aufrecht im Bett.

Goertz Die Nacht auf Sonntag war gespenstisch. Ich tat kein Auge zu. Und dann die Sorge, dass ich schlaftrunken mit dem dicken Zeh in eine Totfalle gerate, wobei der dort drapierte Käse und mein Zeh ein schönes Gespann ergeben. Seit die Lebendfallen aufgestellt sind (insgesamt vier, alle am Boden und an Wänden der Wohnung verteilt), ist mein Blutdruck wieder halbwegs normal. Die Frage war und ist: Wie kam Toni in die Wohnung? Ich habe da nachgedacht und gehandelt.

Sieben Um Ihre Nachtruhe tut es mir leid. Ich empfehle Menschen ja bei Unbill in der Wohnstätte den kurzzeitigen Umzug in ein Hotel in der eigenen Stadt – wenn die Nachbarn zum Beispiel drei Tage lang ein neues Bad eingebaut bekommen. Da kostet ein Hotel ja nicht die Welt. Und es gibt morgens Rührei. Allerdings werden Afrikanische Zwergmäuse bis zu 2,5 Jahre alt. Was wollen Sie also tun?

Goertz Ich habe die Wand abgesucht und ein kleines Loch neben der Warmwasserleitung gefunden. Das habe ich bis zum Anschlag mit Stahlwolle zugepackt und dann elegant verklebt. Man sieht es nicht. Das dürfte sicher sein. Wenn Toni sich aber noch einmal regt, dann müssen die Küchenmauern inspiziert werden. Von Fachleuten. Wie bei der Darmspiegelung. Übrigens sind ruchbare Nahrungsmittel bei uns derzeit nur noch in den Lebendfallen zugänglich. Darauf bauen wir.

Sieben Aber ist die Stahlwolle nicht letztlich das Henkersbeil für den armen Toni? Wie soll er jemals wieder in Freiheit finden? Über eine Möglichkeit haben wir natürlich gar nicht gesprochen. Sie kaufen einen schönen, großen Käfig, ein wenig Stroh oder Streu und ein Laufrad. Und haben einen neuen Freund! 


Goertz Ich glaube an Tonis feinen Sinn und daran, dass er die Stahlwolle ebenso gut erkennt wie Käse, Bananen oder Schokonüsse in den Lebendfallen, aber die Stahlwolle nicht verkonsumiert. Über die Option, ihm ohne Unterschrift einen Mietvertrag zukommen zu lassen, habe ich noch gar nicht nachgedacht. Ich finde die Idee ausgesprochen reizend. 

Sieben Da sehen Sie mal. Und um das Hanta-Virus machen Sie sich bitte keine Sorgen. Schützen Sie sich wie folgt: Klopapier hamstern, Abstandhalten, Maske tragen, Händewaschen, Kreuzimpfen und alle sechs Monate einmal boostern! Ein Kinderspiel. Wir sprechen uns noch!

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