Mann bringt Silikon-Arme zum Impfen mit

Geradezu bizarr sind manche Ideen, auf die Menschen im vergangenen Jahr kamen, um bestehende Corona-Regeln zu umgehen oder sich eine Impfung zu erschleichen. In Bayern brauchte die Polizei einen Motorschlitten, um eine illegale Party aufzulösen.

Im Januar waren Zusammenkünfte und Partys nicht erlaubt – was rund 20 Menschen nicht davon abhielt, sich im Allgäu zu einer illegalen Hütten-Gaudi zu treffen. Nachbarn hätten sich angesichts der Abgelegenheit nicht beschweren können, mögen sich die Partywütigen gedacht haben. Allerdings ist Spaziergängern in Nesselwang im Landkreis Ostallgäu die laute Musik mit wummernden Bässen aufgefallen. Als die Beamten die Party auflösen wollten, stießen sie auf ein Hindernis: Die Partygäste blockierten die einzige Zufahrtsstraße zur Hütte mit einem Auto.

Mit einem Motorschlitten fuhr die zu einer illegalen Hütten-Gaudi in Bayern. © picture alliance / dpa-tmn

Die Beamten hätten sich daraufhin einen Motorschlitten organisiert, sagte ein Polizeisprecher. „So etwas gehört eigentlich nicht zu unserem Fuhrpark.“ Als die Polizisten endlich die Hütte erreichten, versteckten sich die Feierwütigen im nahe gelegenen Wald. Gefunden wurden sie trotzdem. Als Erinnerung zur Party gab’s dann ein Bußgeld.

Hochzeitsfeier im Flugzeug

Im Mai wütete das Corona-Virus besonders stark in Indien. Strenge Maßnahmen waren die Folge, so konnten zum Beispiel keine Hochzeiten gefeiert werden. Doch ein indisches Paar glaubte, die Vorgabe umgehen zu können – indem es sich in der Luft das Ja-Wort gab. Zuvor hatte ein Reisebüro einen Flieger gechartert und dabei angegeben, dass es sich um einen Trip nach einer Hochzeit handle. Doch dann hätten die Gäste einfach während des Flugs eine Hochzeitszeremonie abgehalten.

Über den Wolken: Ein Hochzeitspaar in Indien feierte die Vermählung während des Lockdowns mit mehr als 100 Gästen in einem Flugzeug. So wollten die Heiratenden die Maßnahmen umgehen - Ärger gab es trotzdem.Über den Wolken: Ein Hochzeitspaar in Indien feierte die Vermählung während des Lockdowns mit mehr als 100 Gästen in einem Flugzeug. So wollten die Heiratenden die Maßnahmen umgehen – Ärger gab es trotzdem. © picture alliance/dpa

In einem Video, das indische Medien verbreiteten, sah man ein Paar und eine Hochzeitsgesellschaft, die im Flieger eng beieinander und ohne Masken feierten, angeblich waren es mehr als 100 Gäste – zu einer Zeit als im indischen Bundesstaat Tamil Nadu, von wo der Flieger gestartet war, ein strikter Lockdown herrschte. Die frisch Getrauten starteten jedenfalls mit jeder Menge Ärger in die Ehe. Zum einen leitete die Zivilluftfahrtbehörde Ermittlungen ein, zum anderen wollte auch das Reisebüro eine Klage wegen der Feier einreichen.

Arme aus Silikon

Der Krankenschwester im Impfzentrum der norditalienischen Stadt Biella kamen die Arme des Mannes recht merkwürdig vor. Irgendwie gummiartig, Besorgnis erregend kalt und die Farbe war auch nicht ganz in Ordnung. Kein Wunder – der Mann hatte sich Silikon-Attrappen um die Arme gelegt, damit der Impfstoff nicht seinen Körper erreicht. Durch den Täuschungsversuch hatte sich der Patient erhofft, an das in Italien begehrte Corona-Zertifikat zu kommen. Denn ohne diese Bescheinigung haben Menschen oft Schwierigkeiten, Zutritt in Gebäude zu erhalten.

Der Mann mit den Silikon-Armen, ein Zahnarzt, sagte, er glaube nicht an den Impfstoff, aber er brauche aber Corona-Zertifikat zum Arbeiten. Nun ist man durchaus geneigt, über den kuriosen Fall zu lachen – doch danach war dem Regionalpräsidenten von Piemont, Alberto Cirio, ganz und gar nicht. Dazu sei die Corona-Lage zu ernst. Cirio bezeichnete das Vorhaben des etwa 50-jährigen Italieners als „inakzeptabel angesichts des Opfers, das unsere gesamte Gemeinschaft in Form von Menschenleben, sozialen und wirtschaftlichen Kosten erbracht hat“.

Doppelt erfolglose Bestechung gegen die Impfung

Zahlreiche Menschen wollten in Griechenland Ärzte bestechen, damit diese ihnen keinen Impfstoff gegen Corona spritzen. Allerdings ziemlich erfolglos, und das sogar in doppelter Hinsicht. Wie der TV-Sender Mega Anfang Oktober berichtete, überreichten offenbar mehrere Menschen während ihres Impftermins den Ärzten ein „Fakelaki“.

So wird in Griechenland ein mit Geldscheinen gefüllter Briefumschlag genannt – eine übliche Art der Bestechung in dem Land, vor allem bei Behörden oder bei Ärzten, um bevorzugt behandelt zu werden oder um Gehör zu erhalten.

400 Euro für Kochsalzlösung

Im Durchschnitt rund 400 Euro Bestechungsgeld sollte die Ärzte dazu bringen, Kochsalzlösung statt Serum in die Spritze zu füllen. Die Ärzte nahmen das „Fakelaki“ zwar entgegen und stimmten der Kochsalzlösung-Variante zu, spritzen den Überreichenden aber doch heimlich das richtige Serum. Sie wollten keinen Ärger bekommen, erklärten einige Ärzte ihr Verhalten, nachdem die Bestechung aufgeflogen war.

Das Fakelaki brachte nichts: Statt einer Kochsalzlösung bekamen die Impfverweigerer in Griechenland doch einen Impfstoff gegen das Coronavirus gespritzt.Das Fakelaki brachte nichts: Statt einer Kochsalzlösung bekamen die Impfverweigerer in Griechenland doch einen Impfstoff gegen das Coronavirus gespritzt. © picture alliance / dpa

Es waren offenbar keine Einzelfälle. Wie die Zeitung „To Vima“ berichtete, waren bis zu 200 der insgesamt 2000 griechischen Impfzentren betroffen, bis zu 300 Ärzte und Krankenschwestern waren involviert. Das Ausmaß wurde deutlich, nachdem die Behörden groß angelegte Untersuchungen eingeleitet hatten.

Dem Ärger konnten die bestechlichen Ärzte also nicht aus dem Weg gehen. Theoretisch könnten sie auch von Patienten belangt werden, denen die Ärzte das Spritzen von Kochsalzlösung zugesagt, letztlich aber doch das richtige Serum verimpft haben. Dafür müssten die Patienten allerdings öffentlich zugeben, dass sie Bestechungsgeld übergeben haben.

Unterwäsche für Frankreichs Premier

Slip in der Post: Aus Protest gegen die Schließung ihrer Läden wegen der Covid-19-Pandemie haben Besitzerinnen von Unterwäscheläden im April Höschen an Regierungschef Jean Castex geschickt. „Action Culottée“ hieß die symbolische Aktion. In sozialen Netzwerken teilten die Ladenbesitzerinnen Fotos der Unterhöschen, die sie per Post an das Hôtel Matignon in Paris schickten. Das ist der Amtssitz des Premierministers.

„Wir möchten auf die sehr kritische Situation aufmerksam machen, die Hunderte von Wäschegeschäften in ganz Frankreich durchleben“, hieß es auf der Facebook-Seite. Denn zu diesem Zeitpunkt galten in Frankreich aufgrund der steigenden Infektionszahlen wieder strengere Corona-Maßnahmen. Die Unterwäscheläden standen dabei in Frankreich auf der Liste der nicht lebensnotwendigen Geschäfte – und mussten daher geschlossen bleiben.

Wäsche-Geschäfte schickten dem französischen Premierminister Jean Castex Höschen als Protest gegen die Zwangsschließungen in der Pandemie.Wäsche-Geschäfte schickten dem französischen Premierminister Jean Castex Höschen als Protest gegen die Zwangsschließungen in der Pandemie. © picture alliance / dpa

Unterwäsche sei zwar auch Verführung, sagte etwa die Besitzerin eines Ladens in Grenoble, Sylvie Rey, dem Sender France 3. Es gebe aber auch Frauen, die ohne Anprobieren keinen passenden BH fänden oder Still-BHs benötigten.