Mächtigkeit zu viel Sex impotent?

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16. November 2021 – 15:21 Uhr

Tabu-Thema in einer aufgeklärten Gesellschaft

Erektionsprobleme – ein Wort, bei dem viele Männer gerne weghören. In Deutschland ist Impotenz immer noch ein Tabuthema – trotz aller medizinischer Aufgeklärtheit. Und die meisten Menschen denken, es treffe nur ältere Männer. Dabei trifft es auch die Jungen. Über die Ursachen gibt es eine Menge Mythen. Welche stimmen und welche nicht? Eine Ärztin klärt auf.

Bis zum Jahr 2025 bis zu 322 Millionen Männer mit Erektionsproblemen

Jeder fünfte Mann in Deutschland hat Erektionsprobleme. Je älter ein Mann wird, umso eher leidet er darunter. Aber auch die jungen Männer sind betroffen. Aus einer Studie von 2004 geht hervor, dass die Häufigkeit bei Männern in den 20ern bei acht Prozent liegt. Jüngste Forschungen geben das Vorkommen einer Erektionsstörung bei den 18- bis 25-Jährigen mit 6,5 Prozent an. Experten vermuten deswegen, dass bis zum Jahr 2025 bis zu 322 Millionen Männer weltweit an erektiler Dysfunktion leiden werden.

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Wichtig zu wissen: Es handelt sich dabei um eine Krankheit. Und hat nichts mit sexueller Unlust zu tun. An letzterem ist eine mangelnde Libido schuld. An ersterer die Potenz. Es geht also um das Können. Eine behandlungsfähige erektile Dysfunktion liegt vor, wenn es dem Mann länger als sechs Monate trotz Begehren nicht gelingt, eine Erektion zu erreichen oder lange genug aufrechtzuerhalten, um den Geschlechtsakt zu vollziehen.

Zu 75 Prozent sind es organische Gründe

Die Ursachen dafür können unterschiedlichen Ursprungs sein, so die Zava-Ärzte in ihrem Online-Magazin: Unter Umständen seien sie organisch, psychisch bedingt, durch Erkrankungen oder deren Behandlung bedingt. Zu den häufigsten Ursachen zählen mit 75 Prozent organische Gründe. Bei 15 Prozent der Betroffenen sind psychische Gründe ausschlaggebend, bei 10 Prozent gibt es medikamentöse Gründe. Dennoch gibt es im Netz eine Menge Mythen zu Impotenz und Erektionsproblemen. Die Neurologin Dr. med. Ulrike Thieme, stellvertretende ärztliche Leiterin bei der Online-Praxis Zava, klärt über die gängigsten auf.

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11 Mythen rund um die Ursachen von Erektionsproblemen

  • Zu viel Zeit bei Facebook, Instagram & Co.: Mythos! Ärztin Thieme sagt: “Natürlich haben soziale Medien keinen direkten Einfluss auf die Potenz des Mannes. Allerdings können soziale Medien helfen, über die Thematik aufzuklären und zu sensibilisieren. Infolgedessen können Plattformen den Anstoß geben, über das Problem zu sprechen und den Patienten zu einem Gang zum Arzt motivieren.”
  • Zu häufig Sex: Mythos! Eine bundesweite Studie der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit belegt laut Zava im Gegenteil, dass Männer, die mindestens einmal pro Woche Sex haben, deutlich weniger von Erektionsstörungen betroffen seien. Auch gebe es keine begrenzte Menge des männlichen Ejakulats, da es stetig nachproduziert werde.
  • Zu viel Selbstbefriedigung macht impotent: Mythos! Nur wenn sich ein Mann zu sehr an ganz bestimmte sexuelle Stimuli gewöhne, könne es zu Erektionsstörungen kommen, sobald diese Reize fehlten, so die Online-Praxis auf ihrer Webseite.
  • Fleischesser werden schneller impotent: Wahrheit! Die Expertin sagt dazu: “Eine ausgewogene Ernährung und ein gesunder Lebensstil wirken sich förderlich auf die gesamte Gesundheit und das Wohlbefinden aus. So auch bei den erektilen Funktionen des Mannes. Da durch gesunde Ernährung viele essenzielle Nährstoffe und Vitamine aufgenommen werden, fördert dies die Durchblutung und wirkt sich somit positiv auf die Potenz des Mannes aus.”
  • Zu enge Unterhosen sind schuld: Mythos! “Dem kann allerdings klar widersprochen werden, da solche Druckverhältnisse nicht ausreichen, um Schäden an den Gefäßen und Nerven auszulösen – es handelt sich hierbei also um einen Irrglauben”, so Thieme.
  • Radfahren schadet der Libido: Mythos! “Da Radfahren einen positiven Einfluss auf die körperliche Gesundheit hat, könnten dem eher positive Auswirkungen auf erektile Funktionen zugesprochen werden”, erklärt die Zava-Medizinerin. “Insgesamt ist es jedoch nicht möglich, einen kausalen Zusammenhang zwischen erektiler Dysfunktion und Radfahren herzustellen.”
  • Sitzheizungen schaden dem Hoden und dem Penis: Mythos! Die Zava-Ärztin sagt dazu: “Zwar ist Hitze dauerhaft nicht gesund für die Spermienproduktion, jedoch ist die Einwirkung durch eine Sitzheizung so gering, dass diese weder der Spermienproduktion noch der Potenz eines Mannes gefährlich werden könnte.”
  • Plastik sorgt für Impotenz: Wahrheit! Der Grundstoff für Plastik, Bisphenol A, könne der männlichen Potenz schaden. Dieser Plastikgrundstoff ist in beinah allen alltäglichen Gegenständen enthalten, warnen die Ärzte der Online-Praxis.
  • Handy in der Hosentasche: Mythos! Bisher konnte in der Forschung kein Zusammenhang zwischen Handystrahlung und männlicher Fruchtbarkeit hergestellt werden, so die Ärzte von Zava.
  • Es hat mit dem Alter zu tun: Wahrheit! “Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an Erektionsproblemen zu leiden”, erklärt die Ärztin. “Dies liegt an der zunehmenden Verschlechterung des Blutflusses und der Nervenversorgung durch Schäden kleiner Gefäße und Nerven, die mit steigendem biologischem Alter auftreten.”
  • Zu viele Pornos gucken schadet der Erektionsfähigkeit: Mythos! Es gebe bisher keine offizielle Studie, die einen Zusammenhang zwischen Pornografiekonsum und erektiler Dysfunktion belegt, so die Ärzte. Jedoch sei es möglich, dass der regelmäßige Konsum unnatürliche und überhöhte Erwartungen an das eigene Sexualleben wecke, was sich wiederum negativ auf die Potenz des Mannes auswirken könne.

GUT ZU WISSEN: Welche Potenzmittel laut Stiftung Warentest wirklich helfen – und welche nicht

Glücklicherweise kann dem, der heutzutage unter gelegentlicher oder dauerhafter Impotenz leidet, mit Medikamenten zu mehr Standhaftigkeit verholfen werden. Doch die sind keine Lifestyle-Produkte für eine bessere Performance im Bett, warnt Warentest. (ija)

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