Luftfahrt: Neue Himmelsschreiber grüßen aus 3000 Metern Höhe – Unterhaltung

“Wir nutzen heute die digitalen Möglichkeiten”, erzählt Tibo (44), der im oberbayerischen Unterwössen wohnt. Bevor die fünf Flugzeuge abheben, ist programmiert, welche Maschine zu welchem Zeitpunkt eine Wolke absetzen muss. In der Luft fliegen die Flugzeuge in einem Abstand von 20 bis 30 Metern in einer Linie nebeneinander her, meist in einer V-Formation. Das sei “sehr anspruchsvoll”.

Und dann? Die Maschinen sind über WLAN miteinander verbunden und bekommen das Signal zum Einsatz von einer Hauptsteuerungseinheit. Tibo fliegt das Leader-Flugzeug in der Mitte der Formation. So sind bereits Grüße entstanden wie “Moin Hamburg”, “Guude Frankfurt” oder “Moien Letzebuerg”. Die Reaktion eines Zuschauers: “Ich war völlig verblüfft, als ich sah, wie Buchstaben und Wörter am blauen Himmel erschienen … Ein echter Blickfang!”

Die Buchstaben entstehen durch den Ausstoß von Paraffinöl. “Das wird im Auspuff erhitzt und verdampft dabei”, erklärt der Pilot. Es sei weder umwelt- noch gesundheitsschädlich. Wenn es windstill ist, könnten die Buchstaben fünf bis zehn Minuten am Himmel bleiben. “Wenn es windig ist, fängt es nach zwei Minuten an zu verwischen”, sagt Tibo, Geschäftsführer von Skytexter.

Inzwischen haben viele Firmen Wind von der Luftwerbung bekommen. “Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden”, sagt Tibo. Für Unternehmen sind die begeisterten Kunstflieger schon über München, Hamburg, Lübeck, Berlin und Frankfurt geflogen. Demnächst kommen Köln, Bonn und Düsseldorf hinzu. Als Linienpiloten spiele ihnen gerade Corona in die Hände, da sie durch Kurzarbeit oder weniger Dienste viel Zeit hätten. “Mein Traumberuf würde ich aber nie an den Nagel hängen.”

Zum Skytexter-Team gehören insgesamt acht Piloten, die meisten stammten aus Rheinland-Pfalz – von der Mosel und aus Mainz. Die anderen kämen aus Bayern und Baden-Württemberg. “Viele von uns sind segelfliegerisch aufgewachsen”, sagt Tibo. Er und sein Kollege Manuel Lange zum Beispiel hätten Fliegen auf dem Flugplatz Mont Royal in Traben-Trarbach gelernt. Noch heute sind sie Mitglied im dortigen Deutsch-Amerikanischen Segelflug-Club. “Segelfliegen ist für junge Leute, die sich für die Fliegerei interessieren, eine super Schule.”

Lange und Tibo sind auch an der Mosel auf den Segelkunstflug gekommen. Die Idee zum Skytexten bekam Tibo bei einer Kunstflugshow in Melbourne in Florida in 2017. “Da habe ich es zum ersten Mal gesehen und gedacht, das kann doch nicht sein.” Danach habe er es in China bei einer Flugshow ausprobiert und anschließend mit seinem Team nach Deutschland geholt. Lange war es “learning by doing”.

Es habe sich gelohnt. In letzter Zeit bekomme er auch oft Anfragen, ob die Skytexter auch Heiratsanträge in den Himmel schreiben könnten. Technisch kein Problem. Aber: “Wenn wir dann sagen müssen, dass das einen fünfstelligen Betrag kostet, ist das Gespräch schnell beendet.”

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