Linz qua Zentrum junger Kunst und Wissenschaft erspähen

Linz, die Landeshauptstadt Oberösterreichs, hat weit mehr zu bieten, als barocke Wallfahrtskirchen und Gittertorte.

Oberösterreich

Linz, die Landeshauptstadt Oberösterreichs, hat weit mehr zu bieten, als barocke Wallfahrtskirchen und Gittertorte.

Von Carsten Heinke

Wenn am Horizont der Pöstlingberg erscheint, ist es nicht mehr weit. Der 539 Meter hohe Stadtberg mit seiner wirklich schrägen Bergbahn und der barocken Wallfahrtskirche oben drauf gehört zu Linz wie seine Gittertorte und der Stahl, von dem bis heute viele Linzer leben. Die Industriestadt sieht man mittlerweile eher auf den zweiten oder dritten Blick. Augenfällig ist dagegen die Stadt der Künste und der Wissenschaft. „Linz hat sich verändert“, sagt Gästeführer Sebastian Frankenberger. Seit es 2009 Kulturhauptstadt Europas war, habe sich sein Image positiv gewandelt – und zwar sowohl nach außen hin als auch im Bewusstsein der Bevölkerung, so der Mathematiker und Theologe.

„Die Attraktivität der Heimatstadt massenweise aus der Sicht von Fremden zu erleben, ließ auch aus vielen Linzern Linz-Fans werden“, weiß der 39-Jährige. Wie liebenswert die Stadt ist, um die die Weltgeschichte einen Bogen machte, beweist er gern mit seinen Touren.

Die Attraktivität der Heimatstadt aus der Sicht von Fremden zu erleben, ließ auch aus vielen Linzern Linz-Fans werden.

Sebastian Frankenberger, Gästeführer

Natürlich geht es dabei auch zum Neuen Dom – mit Platz für 20 000 Menschen größte Kirche Österreichs – und auf dessen 112 Meter hohe Aussichtsplattform, sowie zum Alten Dom, wo Anton Bruckner 13 Jahre lang die Orgel spielte. Gleichfalls auf der Standardroute liegt das Schloss mit seinem tollen Donaublick-Café. Am liebsten jedoch zeigt Sebastian das neue, junge Linz.

Kunst und Wissenschaft

An der Nibelungenbrücke in der City fängt es an. Das Lentos Kunstmuseum, Haus der Avantgarde und selbst ein progressives Kunstwerk, setzt sich mit seiner edlen Schlichtheit selbst in Szene. Formvollendet wird es durch die Donau. Das Spiegelbild des langen schlanken Quaders passt perfekt in sie hinein. Abendliches Farblicht verstärkt die Wirkung vielfach – zumal der Glaspalast am Ufer gegenüber mithält, indem er sich bei Dunkelheit in eine Lichtskulptur verwandelt.

Auch von außen ein echter Hingucker: das Leos Kunstmuseum, das selbst wie ein avantgardistisches Kunstwerk wirkt.

Foto: Carsten Heinke

Es ist das Ars Electronica Center, das Zukunftstechnologien in einer interaktiven Ausstellung unterhaltsam vorstellt und vielmehr kreatives Spiellabor für jede Altersgruppe als ein Museum ist. Hervorgegangen ist das Zentrum aus dem gleichnamigen Kunst-und-Technik-Fest, das wie das Open-Air-Musikfestival „Klangwolke“ alljährlich ausgerichtet wird vom Brucknerhaus. Die Konzerthalle trägt den Namen des Komponisten, der 1824 bei Linz geboren wurde. Aktionsort des Events ist die Donaulände, ein Park direkt am Fluss. Außer zu Festen und Konzerten dient das weitläufige Grünland zwischen zwölf Metallgroßplastiken als sommerliche Liegewiese inklusive Sandstrand, Beach Bar und Essen aus dem Bergbahnwagen. Mehr Badestrände gibt es flussaufwärts in Alt-Urfahr sowie nördlich von der City, flussabwärts hinterm Winterhafen.

Mit diversen Bühnen, Podien und erlebnisreichen Ausstellungen wie „Höhenrausch“, einem jährlich wechselnden Kunstprojekt in alten Klosterräumen und auf einem Parkhausdach, belebt das OÖ Kulturquartier die schöngeistige Szene in der City. Der Duft von frisch Gebackenem wie Linzer Torte weht genauso durch die Altstadtgassen wie der frische Wind trendiger Läden und Lokale. Etwa so wie der des unscheinbaren Atelier-Geschäfts von „Donau Stein Design“.

Schätzchen aus der Donau

Da sind Ketten, Anhänger und Armbänder, Ringe, Broschen, Ohrringe ausgestellt und effektvoll ausgeleuchtet. Auf den ersten Blick gleicht alles einer ganz normalen Modeschmuckboutique. Doch dann fällt auf, dass wenig Glänzendes und Funkelndes darunter ist. Wertvolle Metalle halten sich dezent im Hintergrund, tauchen höchstens mal als Fassung auf, um das Herz des Schmuckstücks würdevoll zu präsentieren. Und das ist jedes Mal – ein einfacher und zugleich einzigartig schöner Stein, manchmal auch mehrere.

Bietet Kunsthandwerk aus der Region an: Fabian Elia Almesberger im Shop „Donau Stein Design“.

Foto: Carsten Heinke

„Sie sind alle aus der Donau“, sagt Fabian Elia Almesberger, der das kleine Unternehmen zusammen mit seiner Mutter Sieglinde führt. „Fanden wir beim Spazierengehen besondere Steine, nahmen wir sie mit nach Hause. Irgendwann begann meine Mutter, daraus Schmuck zu machen“, beschreibt der junge Geschäftsmann das Ladenkonzept. Mittlerweile sammelt er die Steine wöchentlich und sorgt für Rohstoff-Nachschub in der Werkstatt.

Rund um den Seeber See lässt es sich im Sommer herrlich Wandern – Ausblick auf schneebedeckte Gipfel inklusive.

In der Gegend von Meran vereinen sich mediterrane Leichtigkeit und rauer alpenländischer Charme aufs Schönste.

Je nach Größe, Form und Farbe werden die Naturfundstücke durchbohrt und aufgefädelt, eingefasst graviert, bemalt oder belassen, wie sie das Donauwasser seit Millionen Jahren formt, bewegt und irgendwann ans Ufer spült. Die Dinge, die Sieglinde Almesberger daraus durch Liebe und Geschick entstehen lässt, sind bei Linzern und Touristen sehr gefragt. „Naturstein ist zeitlos und eine Erinnerung von bleibendem Wert“, so die Designerin.

Hoffentlich auch von langer Dauer sind die kreativen Werke, die nordöstlich von der Linzer Altstadt an den großen Außenflächen von diversen Lagerhallen oder Industrieruinen wachsen. Seit 2012 entwickelt sich dort ein Kreativrevier von internationalem Rang: Mural Harbour, die Wandgemäldegalerie im Handelshafen. Inzwischen zählt sie weltweit zu den Größten und Bedeutendsten.

Bruderkuss und Hafentango

Das Motorschiffchen MS Eduard tuckert durch das Donauhafenbecken. Am Steuer sitzt der Chef und Gründer des Projekts: Leopold Gruber. „Es begann mit einer nackten Hallenwand, die ich vom Büro aus sah und eigentlich nicht sehen wollte“, erzählt der 44-Jährige. Besprüht sei sie danach erträglicher gewesen. Und weil die Vermieterin, die Linz AG, mit weiteren Fassadenbildern einverstanden war, füllten sich die kahlen Mauern bald mit Gemälden aus der Dose.

Projektgründer Leopold Gruber führt durch den Mural Harbour, die
Wandgemäldegalerie im Handelshafen.

Projektgründer Leopold Gruber führt durch den Mural Harbour, die Wandgemäldegalerie im Handelshafen.

Foto: Carsten Heinke

Von Gebäudewänden schauen riesige Gesichter, springen überdimensionierte Füchse oder Schlangen, wird – mal schwarz-weiß, mal grell gefärbt – im XXL-Format geküsst, gekuschelt und gekämpft. Fast 200 Künstler aus 35 Ländern haben sich bislang in mehr als 300 solcher Werke verewigt. Zu den populärsten gehört der „Bruderkuss“ von Polizist und Sprayer im Stil der berühmten Breschnew-Honecker-Pose, eine Gemeinschaftsproduktion von Karikaturist Gerhard Haderer und Streetartist Erich Willner alias SHED.

Graffiti-Artist küsst Polizist: eine Gemeinschaftsproduktion im Hafengebiet von Karikaturist Gerhard Haderer und Streetartist SHED.

Graffiti-Artist küsst Polizist: eine Gemeinschaftsproduktion im Hafengebiet von Karikaturist Gerhard Haderer und Streetartist SHED.

Foto: Carsten Heinke

Drüben auf der Donau fährt ein Kreuzfahrtschiff vorbei. Ein paar Leute stehen auf dem Oberdeck, um Linz noch einmal zuzuwinken. Einige versuchen, ein paar Fotos aus dem bunten Hafenviertel zu erhaschen. Die meisten Passagiere sind vermutlich längst „auf Landschaft“ programmiert. Nicht weit von hier, südlich von Linz, beginnt ja auch das Alpenvorland und mit dem Strudengau knapp 50 Kilometer östlich das wunderschöne Durchbruchstal der Donau. Das erstreckt sich über Nibelungengau sowie Wachau bis hin zum Tullner Becken kurz vor Wien. Dahin führt vielleicht die nächste Reise.

Reiseinformationen

Anreise: Von Luxemburg nach Linz gelangt man am schnellsten und bequemsten mit Luxair per Direktflug nach Wien. Vom Flughafen Schwechat geht es dann weiter mit dem Zug. Die Fahrt dauert rund 2,5 Stunden. Wer gerne mit der Bahn reist, ist vom Großherzogtum aus rund 9,5 Stunden unterwegs. So lange kann auch die Autofahrt (rund 770 Kilometer) im Falle von Verkehrsbehinderungen dauern.

Unterkunft: Prima in der Altstadt übernachten kann man etwa in den modernen Hotels „Schwarzer Bär“ (DZ ab 80 Euro, linz-hotel.at) oder „Am Domplatz“ (DZ ab 109 Euro, hotelamdomplatz.at). Südlich von Zentrum liegt das nagelneue „Spinnerei-Designhotel“ (DZ ab 59 Euro, spinnerei-designhotel.com).

Kunst und Kultur: Geführte Bootstouren durch Europas größte Streetart-Galerie mit anschließendem Graffiti-Crashkurs bietet Mural Harbour (muralharbor.at). Außerdem: Ars Electronica Center („Museum/Schule der Zukunft“, interakti-ve Führungen, Eintritt 11,50 Euro, ars.electronica.art); Lentos Kunstmuseum (Eintritt 8 Euro, lentos.at); Regionalgeschichtliches Museum im Linzer Schloss (Eintritt 6,50 €, landesmuseum.at); Höhenrausch im ÖO Kulturquartier (multimediales Kunstprojekt, Eintritt 10 Euro, hoehenrausch.at)

Design zum Mitnehmen: Schönes, kreatives Kunsthandwerk aus Donausteinen und anderen Naturmaterialien gibt’s bei „Donau Stein Design“ (Hofgasse 7, donausteindesign.com).

Linzer Torte: Die beste, sagt Sebastian Frankenberger, gibt’s bei Fritz Rath in der k. u. k. Hofbäckerei (kuk-hofbaeckerei.at).

linztourismus.at 

oberoesterreich-tourismus.at 

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