Liechtensteiner Laien starten synodalen Prozess ohne Erzbischof Haas

Oberhirte hält Prozess in Erzbistum für nicht nötig

An der Weltsynode möchte sich das Erzbistum Vaduz nicht beteiligen, weil Erzbischof Wolfgang Haas das für nicht nötig hält. Nun startet ein Laienverbund den Prozess ohne den Oberhirten. Man wolle Haas aber nicht vorführen, hieß es.

Vaduz – 20.12.2021

Ein Liechtensteiner Laienverbund will einen synodalen Prozess im Fürstentum ohne den Erzbischof Wolfgang Haas starten. Dieser hatte daran bislang kein Interesse gezeigt. Die Chance, dass Haas noch mitmache, liege bei zehn Prozent, sagte Christel Kaufmann vom “Verein für eine offene Kirche” im Interview des Schweizer Portals “kath.ch”.

Es gehe keineswegs darum, den konservativen Erzbischof von Vaduz vorzuführen, sondern ihn tatsächlich für die “Wir sind Ohr”-Kampagne zu gewinnen, betonte Kaufmann. Der Verein habe vergeblich versucht, telefonisch mit ihm in Kontakt zu kommen; vielleicht hänge das mit seiner mutmaßlichen Erkrankung zusammen, so die 63-Jährige. “Wir haben ihn nun schriftlich informiert und ihn eingeladen, sich am synodalen Prozess zu beteiligen – zum Beispiel an einzelnen Programmpunkten.”

Ergebnisse an Rom und den Erzbischof

Zu ihrer Motivation, einen synodalen Prozess am Bischof vorbei zu organisieren, sagte Kaufmann: “Wir sind alle Getaufte. Und Rom fordert uns ausdrücklich auf, uns zu engagieren.” Die Ergebnisse sollen sowohl an Erzbischof Haas als auch direkt nach Rom gesendet werden.

Haas hatte im Oktober auf der Website des Erzbistums erklärt, dass “die Nahverhältnisse in unseren Pfarreien schnell und unkompliziert den gegenseitigen Kontakt von Seelsorgern und Laien” erlaubten und ein synodaler Prozess wie der von Papst Franziskus weltweit ausgerufene daher nicht nötig sei. Wer auf schriftlichem Wege “Wünsche, Anliegen und Anregungen zur Gestaltung des kirchlichen Lebens in unserer Diözese vorbringen möchte, kann dies nach wie vor tun und sich direkt an den Erzbischof oder an das Generalvikariat wenden”, so der Oberhirte. “Nicht in großen Prozessen und langen Debatten”, sondern im Zuhören liege die Hauptaufgabe des Bischofs, erklärte Haas und bezog sich damit auf das Vademecum, das Handbuch des synodalen Prozesses.

“Ich bin der Auffassung, dass in unserem kleinen Erzbistum von der Durchführung eines solch komplexen und mitunter gar komplizierten Verfahrens, das in unseren Breiten Gefahr läuft, ideologisch verzweckt zu werden, aus guten Gründen abgesehen werden kann”, hieß es seitens des Erzbischofs. Auf Nachfragen von katholisch.de, was mit dieser Gefahr gemeint sei, hatte sich das Erzbistum nicht äußern wollen.

“Lebensfremde Kirche”

Kaufmann kritisierte zu den Äußerungen von Haas: “Wer findet sich wichtig genug, dass er zum Erzbischof geht und um einen Termin bittet?” Sie wünsche sich einen Bischof, der seinerseits “raus zu den Leuten geht und Interesse zeigt”.

Weiter monierte sie, die meisten Hochzeiten in Liechtenstein fänden ohne Eucharistiefeier statt; “weil das Brautpaar bereits ein Kind hat oder schon zusammenwohnt”. Auch gebe es Pfarrer, die ausdrücklich erklärten: Wer nicht gebeichtet hat, soll nicht zur Kommunion kommen. Das sei “eine lebensfremde Kirche und keine Kirche in der Welt von heute”.

Kaufmann kündigte an, der Verein werde alle Haushalte in Liechtenstein anschreiben und für den synodalen Prozess werben. Auf einem Leporello seien zehn Fragen notiert, die die Menschen in Gruppen, Vereinen und Schulklassen diskutieren könnten. Der Startgottesdienst soll am 8. Januar stattfinden. Die Ergebnisse könnten bis 28. Februar per Post an den Verein zurückgeschickt werden. Bis zum voraussichtlichen Abschluss des synodalen Prozesses am 19. März kämen noch fünf öffentlich moderierte Gesprächsrunden hinzu. (mpl/KNA)