Leben nachher jener Schwarm – Wünschen uff die Hilfsgelder – News

Im Haus gegenüber ist der Wiederaufbaufonds ebenfalls Thema: Waltraud und Günter Groten hatten sich extra einen Termin bei der Stadt besorgt, um bei der Beantragung Unterstützung zu bekommen. Doch als sie im Rathaus ankamen, wurden sie enttäuscht: “Wir dachten, man hat alle Unterlagen parat, da sitzt dann jemand, der nimmt das alles auf und dann bekommt man irgendwann eine Nachricht”, erzählt Waltraud Groten. Stattdessen hätte man ihnen gesagt, das sei nicht möglich.

Beratungsstelle der Stadt war den Betroffenen keine Hilfe

“Aus juristischen Gründen dürfen die das nicht selber eingeben, hat man uns gesagt. Darum sollten wir uns an den Computer setzen, wo wir noch nie vorher gesessen haben, und das eingeben.” Die Grotens, 79 und 80 Jahre alt, gehen unverrichteter Dinge nach Hause – frustriert und enttäuscht. Nun kümmert sich ihr Sohn um die Beantragung.

Auch die Familie Groten ist auf finanzielle Hilfe angewiesen. Ihr Erdgeschoss haben sie mit Hilfe vieler Ehrenamtler entkernt, neuer Estrich ist schon drin, seit einigen Tagen ist das Wohnzimmer sogar tapeziert. Die Hilfe vieler Freiwilliger überwältigt Günter Groten noch immer: “Da kamen Helfer aus dem Stuttgarter Raum. Die haben die Wände verputzt, Tapete geklebt, gestrichen.” Ohne diese Hilfe, sagen die beiden, hätten sie schon längst aufgegeben.

Immer neue Schäden werden sichtbar

Denn immer wieder kommen neue unangenehme Überraschungen. In der Küche ist ein Ölschaden in der Wand sichtbar geworden. Vom Nachbarhaus ist mit dem Hochwasser Heizöl in die Wände eingedrungen. Günter Groten hofft, dass er auch diesen Schaden in den Griff bekommt. Doch bis er und seine Frau wieder einziehen können, wird es noch dauern. Beide hoffen, dass sie Weihnachten wieder im Haus sein werden.

Bis dahin liegt noch viel Arbeit vor ihnen. Direkt hinter dem Garten der Grotens liegt die Abbruchkante, an der die Flut die Erde weggerissen hatte. “Unser altes Leben ist weggeschwommen, das liegt da unten in der Grube”, sagt Waltraud Groten. “Wir hatten ein ausgefülltes Leben, wir hatten Ruhe, wollten das genießen. Aber jetzt ist es unruhig.” Noch immer stehe sie nachts mehrmals auf.

Unruhige Nächte, Warten auf Regentropfen

Auch Nachbarin Maria Dunkel hat viele schlaflose Nächte hinter sich. Mit der Rückkehr nach Hause kamen viele Erinnerungen wieder hoch: “Man hört auf jedes Geräusch, man achtet auf Knacken, wartet auf Regentropfen.” Und so sehr ihr Mann sich auch freut, wieder zu Hause zu sein – auch Ulrich Dunkel sagt, er wird nie vergessen, wie er erleben musste, als mehrere Häuser auf der anderen Straßenseite mit der Flut verschwunden waren: “Man braucht nur aus dem Fenster raus gucken. Vor allem wo die Häuser weg waren, das Bild – das nimmt man mit ins Grab, das können Sie nicht wegschalten.”

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