Kritischer Dating-Trend: Deswegen hattest du bisher noch kein Hochgefühl in dieser Liebe

Du gibst nicht auf beim Dating, aber findest trotzdem nicht die passende Person für dich? Dein Problem heißt womöglich: Groundhogging. Ein Experte erklärt, was dahinter steckt.

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, ob sich die Menschen die du datest ähneln? Oft haben sie die gleichen Charakterzüge: Solche, die du magst, aber auch solche, auf die du verzichten könntest. Und auch das Aussehen der Menschen, mit denen du deine letzten Dates hattest, hat kaum variiert? Dann steckst du womöglich gerade im Groundhogging. 

Das steckt hinter dem Begriff

Groundhogging bedeutet, dass du dir immer wieder den gleichen Typ Mensch aussuchst. Sei es ein ähnliches Aussehen oder die selben Persönlichkeitsmerkmale. Die Menschen, die du datest, entsprechen alle demselben Muster. So findest du dich schnell in einer Art Teufelskreis wieder. 

Laut Paartherapeut Eric Hegmann ist der Begriff nur eine neue Bezeichnung für das altbekannte Konzept Beuteschema. Der Name des Konzepts Groundhogging geht auf den Film ‘Und täglich grüßt das Murmeltier’, auf englisch ‘Groundhog Day’, zurück. In dem Kult-Film erlebt Hauptfigur Phil, gespielt von Bill Murray, den selben Tag immer und immer wieder. Bis er merkt, dass er grundlegend etwas an seinem Verhalten ändern muss. 

“Ein Beuteschema beschreibt eine auf einen Typ bezogene starke Anziehungskraft. Dazu gehören zahlreiche Faktoren. Da gibt es zunächst Äußerlichkeiten. Hinzu kommen Prägungen in der frühen Kindheit durch Bezugspersonen. Sehr vereinfacht könnte man sagen: Wer uns damals gut getan hat, hat einen Bonus und den erhalten dann auch Menschen, die dieser Person ähneln.”, sagt Hegmann. Auch frühere Beziehungserfahrungen, unser soziales und kulturelles Umfeld, aber auch Bilder die uns in Sozialen Medien vermittelt werden, spielen eine Rolle, wer in unser Beuteschema passt.

Das Beuteschema ist zwar individuell, wird aber trotzdem von Klischees und Rollenbildern in der Gesellschaft geprägt. Auch das direkte Umfeld kann laut Hegmann eine Rolle spielen: “Eine Person, die von vielen Menschen begehrt wird, wirkt dadurch begehrenswerter.” 

Deswegen klappt es einfach nicht mit der Liebe

Groundhogging soll auch die Erklärung dafür sein, wieso sich bei vielen Menschen eine Date-Flaute nach der anderen reiht. Durch die ähnlichen äußerlichen und charakterischen Merkmale deiner Dates, bist du schnell gelangweilt. Kein Date überzeugt dich mehr so wirklich. 

Außerdem führt Groundhogging dazu, dass du zwar weißt, welche äußerlichen Merkmale und Charaktereigenschaft du besonders gerne magst. Aber auch dazu, dass du immer wieder auf die Merkmale stößt, die dir bei deinen früheren Partnerinnen und Partnern nicht gefallen haben. 

Die niederländische Dating-App Inner Circle hat im Jahr 2022 eine User-Umfrage durchgeführt, welche zeigt, dass 3 von 4 Personen einen bestimmt Dating-Typ haben. Trotzdem sagen 4 von 5 Singles, dass es sie beim Dating nicht weiterbringt, immer den gleichen Typ Mensch zu treffen. 

Auch die University of Toronto hat im Jahr 2019 eine Studie durchgeführt, die zeigt, dass die meisten Menschen mit Personen ausgehen, die ihren vorherigen Partnerinnen und Partnern ähneln. Auch Beziehung sind meistens von diesen Ähnlichkeiten geprägt.

Hintergrund.

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So brichst du aus deinem Beuteschema raus

“Die Folge ist eine zunehmende Frustration, denn das, was längere Zeit nicht erfolgreich ist, das wird auch nicht erfolgreich, wenn es immer wieder gemacht wird. Es braucht eine neue Strategie.”, sagt der Paartherapeut. Fehlgeschlagene Dating-Versuche können dabei nicht nur frustrieren, sondern auch das Selbstwertgefühl schwächen. Folgen sind oft eigene Schutzstrategien oder Selbstoptimierung, die aber zu keiner Veränderung führen. 

Um diesem Teufelskreis zu entkommen, sollte das Beuteschema grundlegend überdacht und verändert werden, sagt Hegmann. Wichtig dafür ist, auch frühere Beziehungen zu überdenken: “Betrachten Sie daher einmal Ihre bisherigen Beziehungen, und analysieren Sie, welche Rollen Sie und Ihr Partner darin eingenommen haben. Es ist durchaus sinnvoll, gründlich Bilanz zu ziehen. Welche Ängste und Gefühle haben Sie in der Beziehung begleitet? Welche zentralen Konfliktthemen waren vorrangig?”

Wichtig dabei ist auch, die Streitpunkte und Themen der Beziehung zu reflektieren. Zum Beispiel, ob es einen roten Faden gibt und welche Rolle du dabei einnimmst. Hast du Verständnis und geht dieses über deine persönlichen Grenzen hinaus? Oder suchst du dir eine Partnerin oder einen Partner der oder die dir unterlegen ist? Vermeidest du tiefergehende Beziehungen aus Angst, verletzt zu werden? Oder lässt du dich ausnutzen, ohne selbst etwas einzufordern in der Beziehung?

Auch Trennungsgründe und die genaue Betrachtungen der Eigenschaften der vorherigen Partnerinnen und Partner ist sinnvoll, um das eigene Beuteschema zu verstehen. Hegmann sieht darin die Lösung, um das Groundhogging zu umgehen: “Der Bruch mit einem über Jahre erfolglosen Beuteraster führt zu stabilen, harmonischen Beziehungen.”