Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick: “Man kann nicht nicht kommunizieren” | Freie Verdichter

Eine der schönsten Geschichten von Paul Watzlawick ist die von dem Mann, der alle zehn Sekunden in die Hände klatscht. Als der Therapeut wissen will, warum er das tue, antwortet der Mann: “Um die Elefanten zu verscheuchen.” Aber hier seien doch gar keine Elefanten, entgegnet der Therapeut. Worauf der Mann nur sagt: “Na also, sehen Sie!”

Eine der schönsten Geschichten von Paul Watzlawick ist die von dem Mann, der alle zehn Sekunden in die Hände klatscht. Als der Therapeut wissen will, warum er das tue, antwortet der Mann: “Um die Elefanten zu verscheuchen.” Aber hier seien doch gar keine Elefanten, entgegnet der Therapeut. Worauf der Mann nur sagt: “Na also, sehen Sie!”

Die Episode aus seinem erfolgreichsten Buch “Anleitung zum Unglücklichsein” (1983) ist typisch für den Philosophen, Psychologen, Psychotherapeuten und Kommunikationswissenschaftler Watzlawick. Wie nur wenige schaffte er es, die komplexesten Sachverhalte für jedermann verständlich mit Bildern zu veranschaulichen und so eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. In seiner “Anleitung” schreibt er auf humoristische Art darüber, dass sich das Leiden dadurch heilen lasse, dass man die Suche nach einer Patentlösung aufgibt. “Die Möglichkeit des Glücks liegt in der Tat in der Aufgabe der Idee, man müsse das Glück erreichen. Man kommt dann möglicherweise zu der Einsicht, dass die Suche allein am Nichtfinden schuld war.”

Geboren wurde Paul Watzlawick vor 100 Jahren am 25. Juli 1921 als Sohn eines Prokuristen im österreichischen Villach. Als Abiturient überklebte er 1938 Naziplakate mit Scherzparolen und wurde wenig später zum Reichsarbeitsdienst und ab Kriegsbeginn dann zur Wehrmacht eingezogen, wo er in der Flak und als Dolmetscher tätig war. Weil er Mitleid mit den Kriegsgefangenen hatte, übersetzte er ihre Geständnisse unvollständig. Und weil er seiner Mutter regimekritische Briefe schrieb, die abgefangen wurden, kam er gegen Kriegsende mehrere Monate in Untersuchungshaft.

Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er in Venedig Philosophie und Philologie und machte am C.-G.-Jung-Institut in Zürich eine Ausbildung zum Psychotherapeuten und Analytiker. Mit der eigenen Praxis in Indien, wie geplant, wurde es zwar nichts, aber er lernte während seiner Reise die fernöstliche Philosophie kennen und ließ sich von ihr inspirieren. Nach einer Zwischenstation beim Goethe-Institut in München nahm er 1957 einen Lehrstuhl für Psychotherapie an der Universität in San Salvador in dem mittelamerikanischen Land El Salvador an, bevor er 1959 in die USA ging, wo er am Institute for Direct Analyses in Philadelphia und ab 1960 am Mental Research Institut in Palo Alto/Kalifornien sowie in Stanford tätig war.

Die analytische Tiefenpsychologie, die sich mit der frühkindlichen Sozialisation und der Vergangenheit des Patienten beschäftigt, war nicht so sein Ding. Viel mehr interessierten Paul Watzlawick, der die Prinzipien der konstruktivistischen Denkschule auch in der therapeutischen Arbeit anwendete, die Funktionen und Störungen der Kommunikation. Seine mit Janet H. Beavin und Don D. Jackson verfasste “Menschliche Kommunikation” (1967) wurde zu einem Standardwerk sozialwissenschaftlichen Denkens. Er untersuchte Körpersprache und Kontext der Verständigung auf Beeinflussung der Kommunikation und wies auf deren pragmatische Wirkung hin. Daraus entwickelte er seine fünf Axiome der Kommunikationstheorie, von denen das bekannteste lautet: “Man kann nicht nicht kommunizieren.” Unmöglich sei es, so lautete seine These, sich der Kommunikation zu entziehen. Sprache schaffe Wirklichkeit. Und Kommunikation beinhalte weit mehr Informationen als allein das gesprochene Wort. In einem anderen seiner Hauptwerke “Wie wirklich ist die Wirklichkeit?” (1976) ging er der Frage nach, auf welche Weise wir aktiv an der Entstehung der eigenen Erfahrung beteiligt sind.

Paul Watzlawick veröffentlichte 18 Bücher, die in 85 Sprachen übersetzt wurden. 2007 starb er in seiner Wahlheimat Palo Alto.