Köln: Katholischer Priester soll seine kleinen Nichten missbraucht nach sich ziehen | Regional

Köln – Ein katholischer Priester steht seit Dienstag wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor dem Kölner Landgericht. Angeklagt in 31 Fällen, drei davon stuft die Staatsanwaltschaft als schwer ein.

Laut Anklage soll Hans U. (70) zwischen 1993 und 1999 in Gummersbach seine drei damals minderjährigen Nichten (7-13) teils schwer missbraucht haben. Zudem soll sich der Geistliche im Jahr 2011 in Wuppertal an einem Mädchen (damals 11) vergangen haben, als es mit einer Freundin bei ihm zu Besuch war.

Auf Antrag der Verteidigung wurde die Öffentlichkeit nach der Anklageverlesung von dem Prozess ausgeschlossen. Der Verteidiger sagte, die Vorwürfe gegen seinen Mandanten bezögen sich auf dessen privaten Bereich, nicht auf den kirchlichen.

Hans U. (r.) versteckt sein Gesicht hinter einer Mappe

Foto: Mario Jüngling

Im Prozess will das Gericht als Zeugen auch den jetzigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße hören, der früher Personalchef im Erzbistum Köln war. Er soll Kenntnis über die mutmaßlichen Fälle gehabt und dem Papst seinen Rücktritt angeboten haben, den Franziskus aber nicht annahm.

Die Staatsanwaltschaft stellte 2011 ihre Ermittlungen ein, nachdem eine der Nichten – offenbar auf Druck der Familie – ihre Anzeige zurückzog. Danach wurde Hans U. im Erzbistum Köln wieder als Krankenhaus-Seelsorger eingesetzt. Erst 2018 wurden die Ermittlungen erneut aufgenommen.

Nach BILD-Informationen soll der Priester versucht haben, sich vor dem Prozess in eine Psychiatrie einweisen zu lassen. Aber die Ärzte erklärten ihn für zurechnungsfähig. Der Prozess wird fortgesetzt.

Anonyme und kostenlose Beratungsangebote

Sie haben den Verdacht, dass in Ihrem Umfeld ein Kind misshandelt oder missbraucht wird? Sie haben etwas gesehen, das Ihnen Sorgen bereitet? Dann können Sie sich (anonym) ans „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“ wenden: 0800 22 55 530.

Kinder und Jugendliche, die Missbrauch erlebt haben, bekommen montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der „Nummer gegen Kummer“ 116 111 Unterstützung. Auf der Internetseite gibt es auch die Möglichkeit, mit den Beratern zu chatten.

Wer das Gefühl hat, pädophile Neigungen zu besitzen, findet Ansprechpartner beim Projekt „Kein Täter werden“ von der Berliner Charité. Auf der Website und unter 030 450 529 450 gibt es kostenlose Informationen. Es gilt die ärztliche Schweigepflicht.

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