„Killermichel“ aus Weingarten begeistert mit Schießeisen-Schlagern seine Fans

Sänger Michael Reiner

Jogging-Hose, T-Shirt und Strandlatschen: Mehr braucht Sänger Michael Reiner aus Weingarten nicht für sein Bühnenoutfit. Als „Killermichel“ bespaßt er seit Jahren Hochzeiten, Dorffeste oder Fußball-Feten – und das mit immer mehr Erfolg

Auf Mallorca und am Goldstrand von Bulgarien bekannt wie ein bunter Hund: Killermichel Michael Reiner macht Party-Mucke, bis der Saal kocht

Foto: Mallorcaparty Baden/Julian Krenn

08. Jan. 2022  |  17:00 Uhr

Jogging-Hose, Motto-T-Shirt und Strandlatschen: Für sein Bühnen-Outfit muss Michael Reiner nicht in der Edel-Boutique einkaufen. Als „Killermichel“ bespaßt der frühere Mobilfunk-Außendienstler seit Jahren Hochzeiten, Dorffeste, Fußball-Feten oder Musik-Open-Airs mit Party-Schlagern. Die Termine führten ihn vor Corona quer durch die Republik.

Alles begann vor elf Jahren mit einem Männer-Ausflug des VfB Grötzingen nach Mallorca: Michael Reiner und die restliche Crew feierten mehrere Tage ausgelassen im berühmten Partylokal „Bierkönig“ an der Schinkenstraße.

„Den Strand haben wir erst nach drei Tagen gesehen“, erzählt der Weingartener schmunzelnd. Spontan entstand die Idee, daheim im Clubhaus auch mal eine Malle-Fete zu organisieren. „Wir buchten den DJ vom ,Bier-König’. Der kam auch tatsächlich. Es wurde ein gigantisches Ding“, erinnert sich Reiner. Ein Festzelt auf dem Parkplatz des VfB Grötzingen, etwa 1.000 Besucher und er als Moderator der Abends.

„Der DJ sagte damals zu mir, ich hätte auch das Zeug, Party-Schlager zu singen. Also hab ich in der Garage mit einem Kumpel die ersten Lieder aufgenommen. Am Anfang waren das Cover-Songs“, erzählt der 47-Jährige. Das Material kam gut an.

Vom Torhüter zum Partyking

Michael Reiner entschied sich, seine Karriere als „Killermichel“ weiter auszubauen. Seit er früher als Grötzinger Torhüter den Kasten sauber hielt, war er im Landkreis unter diesem Namen ohnehin bekannt wie ein bunter Hund.

Der nächste Schritt auf dem Weg in den Ballermann-Olymp war die Teilnahme am Newcomer-Wettbewerb 2011 im „Bierkönig“. „Ich sang beim Saison-Opening am Nachmittag ,Ole Espana’ und war tierisch aufgeregt. Wenn du beim Publikum nicht gut ankommst, werfen die mit Eiswürfeln. Aber da wieder alle vom VfB Grötzingen und ein befreundeter Verein da waren, herrschte super Stimmung.“

Bei der gelungenen Premiere wurde Ikke Hüftgold, einer der bekannten Mallorca-Größen, auf den Badener aufmerksam. Die Performance sei gut, aber die Songs eher schlecht, so die Meinung des Lokalmatadoren. Fortan nahm Hüftgold das junge Talent unter seine Fittiche.

Im Profi-Studio des Musikers entstanden Hits wie „Auswärts sind wir asozial“ oder „Gute Freunde, fünf Tage, vier Nächte“. „Killermichels“ Erfolg schien nicht mehr aufhaltbar.

Die Bierpyramide sorgt für Ärger

Doch dann kamen er und Icke Hüftgold auf die fatale Idee, für das Saison-Opening 2016 eine ganz besondere Aktion zu starten. 4.000 Dosen Freibier sollten am Strand von Fans zu einer Pyramide aufgebaut werden. Die Promille-Sause ging nach hinten los. Die Gäste legten den Verkehr lahm, die Straße verwandelte sich in einen Bierbach. Die Polizei rückte im Mannschaftswagen an. „Dass es so eskalieren würde, hätten wir natürlich nicht gedacht“, bedauert Killermichel. Die Folge: Die zwei mussten eine Geldstrafe bezahlen und sie bekamen Auftrittsverbot im „Bierkönig“.

Letztlich sorgte der Skandal jedoch dafür, dass sich Reiners Kultstatus weiter festigte. Bei Spotify verbucht er mit seinen Songs bislang über 20 Millionen Klicks. Auf Instagram hat er 28.000 Follower.

Auch am Goldstrand von Bulgarien war Michael Reiner bis zur Pandemie ein häufig gebuchter Interpret. Zum Glück hat der „Kumpeltyp des Partyschlagers“ noch ein zweites Standbein: Er verkauft toskanische Produkte aus seiner Lieblings-Urlaubsregion Pisa, wie Olivenöl, Nudeln und Salami. Freitags zum Beispiel auf dem Wochenmarkt von Weingarten. „Ich hoffe, dass wir Musiker bald wieder richtig loslegen können“, sagt Killermichel. Das Party-Feeling, die Fans, der Spaß, das Bier – das alles fehle ihm doch sehr.