Keine Transparenz – Tinder lässt Mitglieder nachher Konto-Startverbot unentschlossen zurück – News

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Wer sich zu Unrecht von der Dating-Plattform blockiert fühlt, hat kaum Chancen, sich zu wehren.

Dass es auf Tinder nicht nur seriös zu und her geht, ist kein Geheimnis: Kaum ein Mitglied, das nicht auch schon schlüpfrige Nachrichten oder Bilder bekommen hat. In solchen Fällen kann man den Absender beim Kundendienst melden – die Urheberin oder der Urheber wird dann gesperrt. «Wir sperren Konten, wenn wir Aktivitäten bemerken, die gegen unsere Nutzungsbedingungen oder Community-Richtlinien verstossen», heisst es dazu beim Dating-Giganten.

 Unter anderem untersagt Tinder seinen Mitgliedern, ungefragt Nacktfotos oder «sexuelle Inhalte» zu versenden oder seine sexuellen Wünsche in der Biografie aufzulisten («Halten Sie Ihr Profil jugendfrei»). Entsprechende Meldungen würden sehr ernst genommen.

Ich kann nicht nachvollziehen, warum mein Konto gesperrt wurde.

Gesperrt wegen Bikini-Foto?

Nun ist es zwar begrüssenswert, dass Tinder seine Verantwortung wahr nimmt und unseriösen Mitgliedern den Zugang sperrt. Doch da diese Sperren oft automatisiert geschehen über Algorithmen, können Fehler passieren. So melden sich beim SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» immer wieder Nutzerinnen und Nutzer, die sich zu Unrecht blockiert fühlen.

«Ich kann nicht nachvollziehen, warum mein Konto gesperrt wurde», schreibt etwa ein Nutzer aus Zürich. Ein anderes Mitglied ist überzeugt: «Ich habe in keiner Weise gegen die Nutzungsbedingungen verstossen.» Und eine junge Frau schildert, sie habe einzig ein Foto von sich im Bikini hochgeladen. Falls sie deswegen gesperrt worden sei, fände sie es unverschämt. «Alle Jungs dürfen oberkörperfrei posieren.» Das besagte Bikini-Foto liegt «Espresso» vor. Es könnte auch in einem Reiseprospekt abgebildet sein.

Es macht mich wütend, dass ich keine Erklärung bekomme.

Keine Erklärung

Diesen und weiteren Mitgliedern, die sich bei «Espresso» gemeldet haben, geht es allen gleich: Auf ihre zum Teil diversen Anfragen beim Tinder-Kundendienst erhalten sie nichts ausser wenig aufschlussreiche Standardantworten. In diesen heisst es gebetsmühlenartig, sie hätten gegen die Nutzungsbedingungen verstossen.

Worin dieser angebliche Verstoss gelegen haben soll, sagt Tinder den Betroffenen jedoch nicht. «Es macht mich wütend, dass ich keine Erklärung bekomme», schreibt die junge Frau – und ein anderer Nutzer findet es «absolut nicht korrekt», dass er Abo-Kosten bezahle und dann einfach nichts höre.

Tinder äussert sich nicht weiter dazu

«Espresso» berichtete im Frühling 2021 schon über einen ähnlichen Fall. Eine Erklärung für das gesperrte Konto blieb Tinder auch damals schuldig.

Die Plattform verwies lediglich wiederum auf die Nutzungsbedingungen und Tinder-Regeln. Mehr könne man dazu nicht sagen. Und auf die erneute Anfrage von SRF heisst es lapidar, man habe dem nichts mehr hinzuzufügen.

Für zu Unrecht gesperrte Mitglieder ist diese Nicht-Kommunikation ärgerlich. Und derzeit bietet Tinder keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Natürlich kann man versuchen, ein neues Profil zu erstellen, doch mehrere Mitglieder schildern «Espresso», dass dies bei ihnen nicht funktioniert habe. Nach kürzester Zeit seien sie wieder blockiert gewesen.

Berlin Ernachrichten