Kein Würge-Sex, es war Mord

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    Sie liebten sich leidenschaftlich und wild: die britische Millionenerbin Anna R. (†22) und ihr angeklagter deutscher Lover, Dirk W. (32). Brachte er sie nach einem Streit um? Oder war die Erdrosselung ein Unfall beim Würge-Intercourse?

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    Auch zweieinhalb Jahre nach dem Tod der Engländerin Anna R. (†22) in einem Hotel in Locarno-Muralto gibt die Tat Rätsel auf. Jetzt muss ein Richter entscheiden, ob der Deutsche Dirk W. seine Geliebte absichtlich erdrosselt hat.

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    Im kantonalen Strafgericht in Lugano TI steht Dirk W. (32) vor dem Richter – zweieinhalb Jahre nach der Erdrosselung seiner Geliebten.

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    Wenige Wochen bevor das Paar ins Tessin fuhr, waren die beiden nach Dubai gereist. Ein Luxusleben, das die schöne, reiche Britin ihrem deutschen Lover finanzierte.

Alles sei gelogen. Von vorn bis hinten. In ihrem Plädoyer am zweiten Prozesstag demontiert Petra Canonica Alexakis die Edition des Angeklagten. Dirk W. * (32) hatte am Montag auch im Gerichtssaal wiederholt, der Tod seiner Geliebten Anna R.** (†22) sei aus Versehen beim erotischen Würge-Spiel eingetreten. Doch die Indizien der Staatsanwaltschaft weisen auf einen heftigen Streit hin. «In jener Nacht gab es keinen Sex. Nur einen Femizid», so Canonica Alexakis. Sie fordert darum 19 Jahre und 6 Monate Haft für den Deutschen.

Am 9. April, gegen 2.30 Uhr, hören Zimmernachbarn Schreie. Mit schweren Schritten sei Dirk W. auf den Balkon getreten, habe das Tischchen umgeworfen. Tassen gehen zu Bruch. Dann habe er geweint. Die Spurensicherung fand ein verwüstetes Hotelzimmer vor. Es lagen Scherben einer Wasserflasche herum. Fotos mit Anna und ihrer Familie waren zerknüllt unters Bett geworfen worden. Der Ring, den Dirk W. Anna R. geschenkt hatte, lag achtlos auf dem Boden. Auch der Ohrring des Deutschen findet die Spurensicherung dort. Zudem war das Telefonkabel aus der Wand gerissen. Da habe kein wilder Intercourse stattgefunden, so die Anklägerin, sondern ein heftiger Streit.

Verletztes Zahnfleisch, Hautabschürfungen, Zungenbeinbruch

Dafür sprechen auch Beobachtungen des Rechtsmediziners. Der Deutsche hatte eine blutende Verletzung an der Hand. Während der Autopsie wurden an der Leiche der Millionenerbin Wunden am Zahnfleisch gefunden. Das spreche dafür, dass Dirk W. seiner Geliebten beim Erdrosseln den Mund zuhielt, damit sie nicht schreit, erklärt die Staatsanwältin weiter im Plädoyer. Zudem habe die junge Frau Hautabschürfungen gehabt.

Anna R. wurde bei der Erdrosselung das Zungenbein gebrochen. Gesicht und Oberkörper liefen blauviolett an. Dirk W. hatte am Montag dem Richter gegenüber behauptet, die Färbung nicht gesehen zu haben, und widersprach damit den Zeugenaussagen der Hotelangestellten, bei der er gegen 6.30 Uhr das Unwohlsein und eben die blaue Gesichtsfarbe seiner Freundin meldete. Seit seiner Verhaftung habe Dirk W. der Realität und eigenen Verantwortung zu entfliehen versucht. Er habe in einem Lügengebilde die Geschichte des verunglückten Würge-Spiels erfunden.

Kein genauer Todeszeitpunkt

Um wie viel Uhr starb Anna R. tatsächlich? Wurde die Britin kurz nach 6 Uhr getötet, wie Dirk W. beteuert? Oder trat der Tod weit früher ein? Also beim heftigen Streit gegen drei Uhr? Der genaue Todeszeitpunkt bleibt ein Rätsel. Grund ist eine Schlamperei der Tessiner Rechtsmedizin. Während der Obduktion seien drei wichtige Untersuchungen am Körper der Leiche versäumt worden, so der Richter. Die Schätzung des Pathologen, Anna R. sei zwischen 4 und 6 Uhr getötet worden, sei daher nicht stichhaltig. Ein zweites, in Lausanne erstelltes Gutachten kommt zum Schluss: Der Tod ist zwischen 2 und 6 Uhr eingetreten.

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