Kanti Menzingen: Sex-Gespräch war nicht Trennungsgrund

«Der frühere Klosterfrauen-Geist ist wohl noch nicht ganz besiegt!» kommentiert zentralplus-Leser Lussi Erwin den Artikel über den Fall der Kantonsschule Menzingen (zentralplus berichtete). Eine Lehrerin hat mit ihren volljährigen Schülerinnen den Anfang des Films «Female Pleasure» angeschaut. Daraufhin hat sich eine Diskussion über Themen wie die eigene Sexualität oder Selbstachtung entwickelt. Die Schulleitung fand die Fragen jedoch «zum Teil grenzwertig» und liess den Arbeitsvertrag der Lehrerin auslaufen.

Rollenbild soll Trennung ausgemacht haben

Nun meldet sich der Zuger Bildungsdirektor Stephan Schleiss zu Wort. In einer Antwort an die «Luzerner Zeitung» berichtigt er, dass die Trennung der Kantonsschule von der Lehrerin nicht direkt mit der Diskussion während der Doppellektion zusammenhänge. «Die Nicht-Verlängerung des befristeten Arbeitsvertrags ist im Nachspiel zu verorten und nicht in der Lektion», schreibt er.

Hauptgrund für die Trennung seien die unterschiedlichen Vorstellungen von den Aufgaben und der Funktion einer Lehrperson, erklärt Schleiss. Insbesondere in den Fragen bezüglich «Nähe und Distanz» zu den Schülern seien die Meinungen auseinandergedriftet. Während die Schulleitung die Fragen als zu persönlich empfand, beharrte die Lehrerin auf der Position, dass sie ihre Schülerinnen kenne und die Fragen in Ordnung seien. «Der Versuch, ein gemeinsames Verständnis der Rolle der Lehrperson zu erlangen, ist gescheitert», so Schleiss gegenüber der Zeitung.

Bildungsdirektion sieht keinen Handlungsbedarf

Dass andere Lehrer nun Hemmungen zu Diskussionen über Sexualität entwickeln könnten, sieht Bildungsdirektor Schleiss nicht als Gefahr: «Dass der Arbeitsvertrag mit der betreffenden Lehrperson nicht verlängert wurde, hat nichts damit zu tun, dass die Sexualität im Unterricht zum Thema gemacht wurde. Sexualkunde ist integraler Bestandteil jedes gymnasialen Bildungsganges», wie er der Zeitung auf die Frage antwortet. Deshalb sehe die Bildungsdirektion auch keinen Handlungsbedarf für weiteres Vorgehen.

Berlin Ernachrichten