Junger Haudegen – Fiona Illig ist in welcher nationalen Spitze angekommen – Nachrichtensendung aus Kaufbeuren

Fiona Illig ist unter den Top 20-Degenfechterinnen der U17 in Deutschland gerückt und kann deshalb an internationalen Turnieren teilnehmen – mit ehrgeizigen Zielen.

2019 sorgte Degenfechterin Fiona Illig für den größten Erfolg des TV Kaufbeuren: Sie wurde deutsche Vizemeisterin bei der U14. Inzwischen kämpft die 15-Jährige aus Oberostendorf in der U17 und steht dort dank ihrer Beharrlichkeit auf dem 14. Platz der deutschen Rangliste. Und das bedeutet einen immensen Aufstieg: „In sportlicher Hinsicht ist es auch eine echt gute Leistung, da ich jetzt das erste Mal auf internationalen Turnieren starten darf und so die Möglichkeit habe, mich auch mit den besten Fechterinnen anderer Länder zu messen“, berichtet Illig. Denn an den internationalen Turnieren dürfen immer nur die ersten 20 der deutschen Rangliste teilnehmen.

Fleißig und zielstrebig

„Für mich bedeutet das sehr viel, da ich sehr viel Zeit und Ehrgeiz ins Fechten investiere und man so einfach noch mal merkt, dass es sich wirklich lohnt“, erzählt die Schülerin des Jakob-Brucker-Gymnasiums weiter. Den Aufwand, den Illig betreibt, lobt auch TVK-Abteilungsleiterin Susi Schiller: „Fiona hat sich für die Leistungsschiene entschieden und durch Fleiß und Zielstrebigkeit bereits große und wichtige Stationen ihrer Fechtlaufbahn erreicht.“

Abteilungsleiterin Susi Schiller vom TV Kaufbeuren.

Bild: András Pungor

Wobei die 15-Jährige das relativiert, schließlich mache sie das Ganze gerne: „Trainingsfleiß und Disziplin gehören auf jeden Fall dazu, doch die Wörter klingen härter, als sie wirklich sind. Ich gehe einfach sehr gern ins Training und habe den Ehrgeiz und die Motivation, aber vor allem auch Spaß daran, etwas so lange zu üben, bis es klappt.“ Diese Beharrlichkeit führte dazu, dass sie U14-Vizemeisterin und Mitglied des bayerischen Fechtkaders wurde.

Dafür trainiert sie zwei bis drei Mal mit ihrem Coach Fabian Rieblinger am Landesstützpunkt in Augsburg, der sie jetzt auch auf Turniere begleitet und unterstützt.

Ein Leben ohne Fechten kaum vorstellbar

„Zusätzlich bin ich beim TV Kaufbeuren Übungsleiterin und gestalte für die U14-Fechter ein- bis zweimal die Woche das Training.“ Ohnehin spiele momentan der Sport eine herausragende Rolle in ihrem Leben: „Fechten hat einen sehr großen Stellenwert für mich. Schule, Freunde, Familie und eben Fechten sind die wichtigsten Dinge in meinem Leben. Ich fechte jetzt schon seit fast zehn Jahren und es hat mir immer Spaß gemacht. Ich könnte mir ein Leben ganz ohne Fechten kaum mehr vorstellen“, betont Illig. Motiviert werde sie auch durch andere gute Fechter, wenngleich sie eine eigene Linie habe. „Es viele gute Degenfechterinnen wie Britta Heidemann oder Alexandra Ndolo, die man bewundert. Aber so ein richtiges Vorbild habe ich nicht“, erklärt Illig.

Von der Pandemie verschont

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Die Pandemie habe ihren Sport zumindest heuer kaum beeinträchtigt. Voriges Jahr fielen viele Turniere inklusive der deutschen Meisterschaft aus und gab es Einschränkungen beim Training. Aber heuer sei erst ein Wettbewerb, an dem sie teilnehmen wollte, abgesagt worden. „Diese Saison hatte ich Glück. Bereits ab Oktober, als die Inzidenzen noch niedrig waren, fand fast jedes Wochenende eines meiner wichtigen U17-Turniere statt. Selbst wenn wieder ein Lockdown kommt, kann ich als Mitglied des bayerischen Fechtkaders am Stützpunkt Augsburg weiter trainieren, da Fechten als kontaktfreier Sport eingestuft ist. So lief mein Trainingsalltag auch im letzten Lockdown relativ normal ab“, erzählt Illig.

Homeschooling kommt ihr zupass

Auch mit der Schule sei ihr Sport momentan kompatibel: „Ich muss sagen, die letzten Jahre war es auch wegen Corona und Homeschooling kaum ein Problem, beides unter einen Hut zu bringen.“ Zudem habe sie für ein großes Turnier wegen der langen Anreise eine Befreiung gebraucht: „Das war zum Glück von meiner Schule aus kein Problem“, sagt Illig. Derzeit allerdings stehe sie schon unter etwas Druck: „Ich bin jetzt in der 10. Klasse am Gymnasium und zurzeit ist es schon sehr stressig. Wenn eine Prüfungsphase wie jetzt ist, mache ich eigentlich nichts anderes, als zu lernen und falls Zeit noch bleibt, ins Training zu gehen.“ Aber wenn der Prüfungsstress zu hoch werde, nehme sie sich auch einmal frei vom Training: „Das ist ja auch mal okay, wenn sowieso keine Turniere anstehen“, begründet das Illig – um hinterherzuschieben: „Trotzdem fehlt mir das dann schon irgendwie, und solange es mir so viel Spaß macht wie jetzt, opfere ich auch gerne meine Zeit dafür.“

Vielfältige Unterstützung

Dafür erhält sie auch Hilfe von mehreren Seiten: „In Augsburg werde ich von allen dort anwesenden Trainern, darunter auch vom Landestrainer Sebastian Murch, unterstützt“. Dazu fördern der Fechtverband und vor allem ihre Eltern ihre Aktivitäten – „in dem sie immer, sogar im Winter, bereit sind mich zum Training oder auf Turniere zu fahren und das alles zu organisieren“, berichtet Illig.

Deutsche Vizemeisterin: Fiona Illig.

Deutsche Vizemeisterin: Fiona Illig.

Bild: Siegfried Kerpf

Und auch der Verein leiste seinen Beitrag, erklärt Schiller: „Die Fechtabteilung des TVK ist ein Breitensportverein mit einer soliden Leistungsspitze. Diese gesunde Mischung ist das Geheimnis unserer Arbeit. Jeder Fechter wird nach Möglichkeit seinen Fähigkeiten und Ambitionen entsprechend gefördert.“

Illig hofft nun aber zunächst, dass sie ihren Sport im Januar ausüben kann. „Ich will auf jeden Fall versuche, auf den beiden kommenden CC Turnieren wieder einen guten Platz zu belegen und mein 14. Platz auf der Deutschen Rangliste zu halten oder sogar noch zu verbessern.

Wettbewerbe auf europäischer Ebene und die Ziele von Fiona Illig

  • Kriterien: Mit dem 14. Platz in der deutschen Rangliste der U17 darf Fiona Illig auf europäischen Turnieren starten. Zweimal hat sie das heuer schon gemacht: „Ich war bereits bei zwei sogenannten CC Turnieren in Heidenheim und Grenoble. Bei diesen starteten Teilnehmer aus ganz Europa oder sogar der ganzen Welt, wie es in Grenoble der Fall war.“
  • Aufgaben: In Illigs Altersklasse U17 starteten bisher jedes Mal etwa 200 Teilnehmerinnen aus etwa 17 Nationen. Die nächsten beiden internationalen Turniere sind am 14. Januar 2022 in Bratislava und am 29. Januar 2022 in Bonn. „Ich hoffe sehr, dass diese trotz Corona stattfinden können, da es richtig Spaß macht und ein super Gefühl ist, an so großen Turnieren teilnehmen zu dürfen.“
  • Nahziel: „Natürlich macht man sich vor jedem Turnier seine Gedanken, wie weit man kommen will“, sagt Illig. Bei ihren Teilnahmen in Heidenheim und Grenoble wollte sie einen Platz zwischen 64 und 128 zu belegen – „was mir auch beide Male gelang“.
  • 2022: Die U17 besteht immer aus zwei Jahrgängen, heuer sind es 2005 und 2006. Doch der 2005er rückt nächste Saison bereits in den U20er auf. „Ich bin dann sozusagen der älteste Jahrgang in der U17. Deswegen ist es mein Ziel für die kommende Saison, auf internationalen Turnieren einen Platz zwischen 32 und 64 zu erreichen“.
  • Traumziel: „Das ist natürlich irgendwann, Platz 1 bis 16 auf solchen großen Turnieren zu belegen. Davon bin ich aber noch sehr weit entfernt. Da der Fechtsport in Deutschland eher eine Randsportart ist und deshalb kaum gefördert wird, hat diese Saison keine deutsche U17-Fechterin eine so gute Platzierung auf einem internationalen Turnier geschafft“.
  • Persönliches Ziel: „Das ist tatsächlich trotz Leistungssport in erster Linie, Spaß zu haben – da es auch nicht gut läuft, wenn man mit zu viel Ehrgeiz und zu angespannt fechtet.“

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