Japans Wirtschaft schrumpft wieder

Die japanische Wirtschaft ist am Jahresbeginn um 1,3 Prozent geschrumpft, als Folge der dritten Coronaviruswelle. Nach zwei Quartalen kräftigen Wachstums, in denen das Land die Covid-Rezession hinter sich gelassen hatte, droht aktuell mit einem abermaligen Aufflammen der Neuinfektionszahlen eine weitere Verzögerung des wirtschaftlichen Aufschwungs.

Patrick Welter

Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

Als größter Belastungsfaktor für die Wirtschaft erwies sich im Zeitraum von Januar bis März die Pandemie. Nachdem zur Jahreswende die dritte Coronaviruswelle in Japan angeschwollen war, verhängte die Regierung Anfang Januar über die Metropolen des Landes den zweiten Virusnotstand, der im Großraum Tokio fast bis Ende März andauerte. Die Bevölkerung war aufgerufen, weitgehend von zu Hause zu arbeiten und den öffentlichen Raum zu meiden. Restaurants und Bars mussten abends früh schließen. Die Beschränkungen und die Unsicherheit führten dazu, dass der private Konsum nach den vorläufigen Angaben der Statistiker um 1,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal schrumpfte.

Auch die Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück, die um 1,4 Prozent schrumpfen. Einziger Wachstumsfaktor war der Export, der um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zulegte. Ein stark wachsender Import führte freilich dazu, dass der Außenhandel insgesamt das Wachstum bremste.

Japan in der vierten Welle

Die Aussichten für die weitere Entwicklung sind bescheiden. Das Land erlebt derzeit eine vierte Coronaviruswelle. Seit Ende April gilt für die Großräume Tokio und Osaka der dritte Virusnotstand, der mittlerweile auf neun Präfekturen ausgeweitet wurde. Forderungen, die Beschränkungen landesweit einzuführen, werden lauter.

Die Zahl der schwer erkrankten Covid-Patienten erreicht derzeit Rekordstände. Die Impf-Kampagne gegen das Coronavirus läuft nur schleppend. Nur wenige Prozent der Bevölkerung haben bislang eine Impfung erhalten. Mit dem derzeitigen Tempo wird es der Regierung schwerfallen, bis Ende Juli wie versprochen die Japaner im Alter von 65 Jahren und älter durchzuimpfen.

All das wird nach Einschätzung von Ökonomen den Konsum weiter schwächen. Dem steht gegenüber, dass der Export und die Produktion von der sich erholenden Weltwirtschaft profitieren sollten. Ökonomen erwarten in Umfragen mehrheitlich ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent in diesem Quartal. Marcel Thieliant von Capital Economics rechnete mit einer Stagnation und betont zugleich, dass die Risiken für das Wachstum nach unten zeigen.

Im vergangenen Jahr war die Wirtschaft um 4,7 Prozent geschrumpft. Japan gehörte damit wie Deutschland zu den Ländern, die die Pandemie wirtschaftlich nicht besonders gut, aber auch nicht besonders schlecht verkraftet hatten. Japan war dabei zusätzlich geschwächt, weil eine Erhöhung der Konsumsteuer das Land schon vor der Pandemie in die Rezession gestürzt hatte. Die Schrumpfung im ersten Quartal dieses Jahres fiel mit minus 1,3 Prozent weniger schlecht aus als in Deutschland mit minus 1,7 Prozent.

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