Investitionen in Technologie senken die Preis z. Hd. Compliance

Patrick Hinchin ist Vice-President für Financial Crime Compliance bei LexisNexis Risk Solutions. Er hat über 20 Jahre Erfahrung in den Bereichen Produktmanagement und kommerzielle Strategie mit spezifischem Fachwissen über das Spektrum von Governance, Risiko und Compliance.

Zu den spezifischen Änderungen durch die 6. Geldwäscherichtlinie gehört auch mehr persönliche Verantwortung für Compliance Mitarbeiter. Die Vorbereitungen hatten erhebliche Auswirkungen auf Unternehmen, einschließlich der Kosten für zusätzliche Schulungen und für Änderungen von Systemen und Prozessen.

Neben den steigenden regulatorischen Anforderungen und den laufenden Bedrohungen hinsichtlich Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, hat auch Covid-19 die Compliance-Kosten in die Höhe getrieben. Die Pandemie hat zudem die bestehenden Herausforderungen bei der Compliance im Bereich Finanzkriminalität weiter verschärft, indem sie den Arbeitsaufwand für die Durchführung von Due-Diligence-Prüfungen und die Compliance-Kosten bei mittleren und großen Finanzinstituten erhöht hat.

Wie aus einer Studie hervorgeht, stiegen in Deutschland die veranschlagten Gesamtkosten für Compliance im Bereich Finanzkriminalität in Finanzorganisationen um 20,2 Prozent auf 57,1 Mrd. USD im Jahr 2020. Dies entspricht fast der Hälfte der Gesamtkosten der in die Studie einbezogenen EMEA-Ländern. Die Unternehmen in der Region führen zwischen zwölf Prozent und 19 Prozent des Anstiegs der Compliance-Kosten im vergangenen Jahr allein auf Covid-19 zurück. Es wird erwartet, dass die Compliance-Kosten im Bereich Finanzkriminalität im kommenden Jahr weiter steigen werden.

Finanzinstitute haben beim Screening von Finanzkriminalität mit einem erhöhten Warnaufkommen zu kämpfen. Dies führt zu zusätzlichem Arbeitsaufwand, da die Compliance-Mitarbeiter jede Warnmeldung entsprechend untersuchen und kategorisieren müssen, was Zeit und Ressourcen von der Identifizierung und Verfolgung neuer Arten und Methoden von Kriminalität abzweigt.

Die Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte der Finanzinstitute keinen formalen Prozess zur Identifizierung und Nachverfolgung von auftretenden Bedrohungen haben. Das bedeutet, dass der Zeitaufwand für alltägliche Aufgaben wie das Abklären von Warnmeldungen erheblich gestiegen ist. Unternehmen müssen auf diese Herausforderungen mit wirksamen Lösungen reagieren.

Die Umfrageergebnisse legen nahe, dass Finanzinstitute, die in Technologielösungen zur Unterstützung der Compliance gegen Finanzkriminalität investiert haben, geringere Kosten, verbesserte Prozesse und weniger negative Auswirkungen durch Covid-19 verzeichneten. Die Technologie ermöglicht eine schnellere Anpassung an die sich ändernden regulatorischen Anforderungen. Außerdem können sich die Compliance-Teams auf Aufgaben mit höherer Priorität und höherem Wert konzentrieren und besser informierte Risikomanagemententscheidungen treffen.

Dies ermöglicht auch Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und durch Investitionen in Technologie eine höhere Effizienz zu erzielen. Technologie hilft nicht nur dabei, Compliance zu gewährleisten, sondern – wie Experten berichten – ein technologisch ausgerichtetes Compliance Programm im Bereich Finanzkriminalität ermöglicht den Unternehmen ein besseres Verständnis für die Kunden und das Risikomanagement.

Finanzinstitute müssen angesichts der steigenden Risiken durch Finanzkriminalität gut vorbereitet sein. Qualifizierte Compliance-Fachkräfte sind wichtiger denn je, da die Komplexität von Finanzkriminalität zunimmt, Finanzunternehmen sollten aber auch ihre Anstrengungen in Bezug auf Compliance-Technologien intensivieren, um Herausforderungen und Kosten für Compliance-Aktivitäten besser bewältigen zu können. Dies ist besonders wichtig für Compliance-Experten in der EU, die sich mit den Auswirkungen von Covid-19 und den vermehrten regulatorischen Anforderungen in Form der 5. und 6. Geldwäscherichtlinien auseinandersetzen müssen.

Berlin Ernachrichten