Industrie warnt – Fachkräftemangel bedroht unseren Wohlstand – Wirtschaft

Der Arbeitsmarkt in Deutschland boomt, doch es gibt zu wenige Fachkräfte für die vielen Jobs!

Dieser Fachkräftemangel bedroht Deutschlands Wohlstand, warnt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in seinem am Montag vorgestellten Fachkräftereport.

Mehr als die Hälfte der 23 000 befragten Unternehmen gab demnach an, offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen zu können, weil es keine passenden Arbeitskräfte findet. Die größten Engpässe gibt es laut DIHK in der Gesundheitswirtschaft, also etwa in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Kindertagesstätten. 67 Prozent der Unternehmen in dieser Branche finden zu wenige Arbeitskräfte.

In der Baubranche sagen das genau zwei Drittel der befragten Unternehmen, in der Industrie sind es 53 Prozent.

Abstrakte Zahlen mit konkreten Folgen!

Der stellvertretende DIHK-Geschäftsführer Achim Dercks (54) warnte bei der Vorstellung des Reports: „Der Fachkräftemangel bedroht die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und das Wachstum der deutschen Wirtschaft.“ Für Maßnahmen im Zuge der Digitalisierung oder des Klimaschutzes seien die Betriebe auf ausreichend Fachkräfte angewiesen.

Das Fazit des Berichts: „Viele Bauvorhaben und die Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur können ausgebremst werden.“ Ein Großteil der befragten Unternehmen befürchtet außerdem eine Mehrbelastung der Belegschaft (61 Prozent) sowie steigende Arbeitskosten (58 Prozent). 43 Prozent rechnen damit, künftig Aufträge ablehnen zu müssen.

Vor allem fehle es an jungen Menschen mit Berufsausbildung, unter Akademikern mangele es vorrangig im Bereich der Informatik und Naturwissenschaften.

► Um dem Fachkräftemangel entgegenzutreten, wollen mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (53 Prozent) selbst attraktiver werden, etwa durch höhere Gehälter oder die Möglichkeit zum flexiblen und mobilen Arbeiten. 46 Prozent der Unternehmen wollen außerdem in ihre eigene Ausbildung investieren.

Von der Politik fordert der DIHK unter anderem, in Gymnasien schon früh über Berufsausbildungen aufzuklären, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern und qualifizierte Zuwanderung zu erleichtern.

Das sagen betroffene Unternehmer

► Unternehmer Hans Hund (71), Inhaber von Hans Hund Gebäudetechnik, bekommt den Fachkräftemangel deutlich zu spüren.


Foto: marco stepniak

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Hans Hund (71), Inhaber von Hans Hund GebäudetechnikFoto: marco stepniak

Hund zu BILD: „Wir suchen ständig Mitarbeiter, finden aber zu wenige. Besonders bei Spezialisten für Elektro- oder Kältetechnik ist das ein großes Problem, da ist der Markt leer gefegt. Wir müssen den jungen Leuten zeigen, wie spannend das Handwerk ist, damit nicht mehr 70 Prozent von ihnen anfangen zu studieren. Vielleicht würde dabei auch Werkstatt-Unterricht in der Schule helfen. Eine Handwerksausbildung sollte gesellschaftlich genauso anerkannt sein wie ein Studium. Dann können wir vielleicht auch noch mehr Frauen für das Handwerk gewinnen.“

► Unter einem Mangel an qualifizierten Bewerbern leidet auch Martin Brandt (40), Inhaber des Heizungs- und Sanitärbetriebs Wolfgang Grube.


Martin Brandt (40), Inhaber des Heizungs- und Sanitärbetriebs „Wolfgang Grube“Foto: Frank Tunnat

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Martin Brandt (40), Inhaber des Heizungs- und Sanitärbetriebs Wolfgang GrubeFoto: Frank Tunnat

Brandt zu BILD: „Bei der Suche nach Lehrlingen hakt es im Betrieb jedes Jahr. Viele, die bei uns eine Ausbildung anfangen wollten, waren nicht tragbar, kamen mit Jogginghose oder hatten Hunderte unentschuldigte Fehltage in der Schule. Es gibt kaum motivierten, qualifizierten Nachwuchs. Die meisten wissen viel zu wenig von Handwerksberufen: Man müsste Jugendliche im Elternhaus und in der Schule viel eher darauf stoßen.“

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