Im Pokal empfängt dieser BBSC Gegnerinnen aus einer anderen Dimension

BerlinAntonia Heinze kann Kinder in Feen verwandeln, sie mit in die Drachenwelt nehmen, mit ihnen Agentenpartys feiern oder „Feuer, Wasser, Sturm“ spielen. Sie kann mit ihrer Größe von 1,87 Metern aber auch am Volleyballnetz die Arme weit nach oben strecken und für die Schmetterbälle der Gegnerinnen eine unüberwindbare Mauer bilden. Oder Pässe von Zuspielerin Kathi Kummer in raketenartige Schnellangriffe verwandeln, um für den Berlin Brandenburger SC zu punkten.

Als Mittelblockerin der Köpenicker Zweitliga-Volleyballerinnen freut sich Heinze auf eine besondere Herausforderung an diesem Sonntag. Im Achtelfinale des deutschen Volleyball-Pokals empfängt der BBSC die Erstliga-Tabellenführerinnen des MTV Stuttgart ab 15 Uhr in der Hämmerlinghalle. „Wir haben Bock auf ein Kräftemessen mit den ganz Großen. Wir werden Spaß haben und nicht verkrampfen“, meint die 31-Jährige.

Ein Zeichen für den Berliner Frauenvolleyball

Nach einem eindrucksvollen Sieg in der Qualifikation gegen Zweitliga-Meister Leverkusen ist die Pokalpartie gegen die Profis aus Stuttgart für den BBSC eine große Chance, Aufmerksamkeit zu gewinnen. „Jede Spielerin hat alles dafür gegeben, dass wir jetzt auf dem Feld gegen eine Spitzenmannschaft stehen dürfen. Gerade auch für den Berliner Volleyball sollte es ein Zeichen sein, dass auch Damenvolleyball nach dem Aus anderer Berliner Vereine in den vergangenen Jahren hier weiter einen Namen hat“, sagt BBSC-Trainer Ole Schröter.

Bei den Stuttgarterinnen stehen neun Nationalspielerinnen aus sieben Nationen im Aufgebot, darunter in US-Angreiferin Krystal Rivers die Erstliga-Topscorerin der vergangenen Saison. Zu den Heimspielen des Champions-League-Klubs kamen vor Corona mehr als 2000 Zuschauer, das Budget der Schwaben liegt knapp unter zwei Millionen Euro.

Beim BBSC dagegen, „versuchen wir das Volleyballspielen mit unserem Arbeitsleben hinzubekommen. Wir sind nicht zum Trainieren verpflichtet. Wir bekommen kein Geld, sondern machen alles aus unser eigenen Motivation“, sagt Antonia Heinze, „es heißt über Berlin ja so schön: arm, aber sexy.“ Für das Pokalspiel sind 280 Zuschauer erlaubt (2G-Regel).

Antonia Heinze bietet Kinderanimation bei Hochzeiten an

Die zweite Volleyball-Bundesliga gilt als semiprofessionelle Liga. „Aber wir betreiben hier alle Leistungssport, auch wenn wir nicht für Geld spielen. Der Leistungsgedanke ist da“, betont Heinze. Vor wenigen Jahren stand die Potsdamerin, die in Berlin-Weißensee wohnt, eine Saison lang im Kader der Potsdamer Erstliga-Volleyballerinnen. Aber dort habe sie eher mit trainiert als wirklich gespielt, sagt sie. Statt zehnmal in der Woche zu trainieren, ist sie froh, wenn sie derzeit zwei von drei Einheiten beim BBSC schafft. Ihr Athletiktraining organisiert sie allein.

Für die Berufe, mit denen sie Geld verdient, muss Heinze flexibel sein. Einerseits arbeitet sie nach ihrem Studium in Potsdam als angestellte Sporttherapeutin, andererseits hat sie vor acht Jahren das Unternehmen „Sportie-Toons“ gegründet. Zusammen mit anderen Sporttherapeuten und Sportpädagogen bietet Heinze Kinderanimation bei Hochzeiten, Firmenevents und Familienfeiern an. 

BBSC will Stuttgarts Volleyballerinnen zumindest ärgern

„Wir machen Bewegungsspiele, Kinderschminken, Luftballonmodellage, große Seifenblasen oder Tauziehen als Teamwork, damit Kinder gerade bei Hochzeiten eine Beschäftigung, einen Anlaufpunkt haben“, erzählt Heinze. Und da die Hochzeitsmonate August und September genau in die Vorbereitungszeit der Volleyballsaison fallen, ist es für die Mittelblockerin, die um die 50, 60 Stunden pro Woche arbeitet, oft schwierig gewesen, in die Saison zu finden.

Mittlerweile ist sie im Rhythmus. Der BBSC liegt nach sieben Spielen auf Rang vier der Zweitliga-Tabelle. „Das Pokalspiel gegen Stuttgart wird ein großes Highlight für die Zuschauer und für uns“, sagt Heinze. „Wir werden schauen, dass wir Stuttgart zumindest ein wenig ärgern können und an solch einem Gegner wachsen“, kündigt Trainer Schröter an. Antonia Heinze, die sich in Feen-, Ritter- und Drachenwelten auskennt, können Gegnerinnen aus einer anderen Dimension ohnehin nicht schocken.

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