Hotel St. Niklausen: Ordensbruder ficht Testament an

Das Trauerspiel kennen die Luzerner seit Jahren vom Hotel Gütsch: Ein schwerreicher Ausländer nach dem anderen kauft und verkauft das Schlösschen, das über der Stadt Luzern trohnt.

Dass dem Hotel St. Niklausen das Gleiche droht, will Hans Heer jetzt verhindern. Der Bruder des vormaligen Besitzers der «Perle am Vierwaldstättersee», Markus Heer, hat dessen Testament angefochten. Das zeigen Recherchen von zentralplus.

«Hans Heer möchte, dass die Liegenschaft im Sinne der geltenden Zonenplanung – sprich der Tourismuszone – genutzt wird und der Spekulation entzogen ist», bestätigt dessen Anwalt auf Anfrage. Wie zentralplus bereits vermutete, hat der Bruder beim zuständigen Friedensrichteramt ein Schlichtungsgesuch eingereicht. Das Testament soll für ungültig erklärt werden. Weitere Details verrät er nicht.

Hotelanlage ist seit über 100 Jahren im Familienbesitz

zentralplus ist ins Archiv gestiegen, um mehr über die Hintergründe der Geschichte zu erfahren. Im Staatsarchiv Luzern finden sich einige Akten dazu, die öffentlich zugänglich sind.

Die Geschichte des Hotels St. Niklausen ist bekannterweise eng mit der Familie Heer verbunden. Den im Archiv aufbewahrten Wirtschaftspatenten ist zu entnehmen, dass der Betrieb mindestens seit drei Generationen von ihr geführt wurde. 1933 übernahm Johann (Hans) Heer-Witschi als 27-Jähriger das Zepter. Im Jahr 1946 wurde das Hotel wohl zuletzt von ihm erweitert, wie eine Baubewilligung belegt.

Bei Johann Heer-Witschi handelt es sich um den Vater der beiden Brüder Markus und Hans. Er führte das Hotel sowie die Gartenwirtschaft zusammen mit seiner Frau Lydia. Er muss sein ganzes Berufsleben lang Hotelier gewesen sein. Das belegt beispielsweise eine Busse von 1954, die er erhalten hatte, weil ein Tanzball bis in die frühen Morgenstunden gedauert hatte.

1989 wurde das Wirtschaftspatent auf die Mutter der Brüder ausgestellt – nachdem der Vater gestorben war. Sie war zu diesem Zeitpunkt bereits 80 Jahre alt. Zeitzeugen berichten, dass in jüngeren Jahren beide Söhne zeitweise im Hotel mitgearbeitet haben. Hans in der Küche, Markus am Empfang. In den besten Zeiten sollen dort bis zu sieben Hochzeiten an einem Tag gefeiert worden sein.

Nach dem Tod der Mutter wurde es still

Aus dem Umfeld der Familie ist zu vernehmen, dass zwischen der Mutter und ihrem Sohn Markus eine besonders enge Beziehung bestand. Sie muss um das Jahr 2000 herum gestorben sein und die Liegenschaften ihm allein vermacht haben. Gemäss Grundbuchamt ist Markus Heer noch immer als Besitzer des Hotels, der daneben liegenden Villa Kreuzfluh sowie weiterer Gebäude auf dem grosszügigen Anwesen eingetragen.

Warum sein Bruder Hans nicht eingetragen ist, ist nicht bekannt. Klar ist jedoch: Der Hotel- und Restaurantbetrieb wurde wohl wenige Jahre nach dem Tod der Mutter stillgelegt. Augenscheinlich liess Markus Heer die Gebäude verlottern (zentralplus berichtete). Gerüchten zufolge litt er an Depressionen und lebte zurückgezogen auf dem riesigen Anwesen.

Wer wurde als Erbe eingesetzt?

An wen er das alles vermacht hat, ist deshalb die grosse Frage. Ein Cousin liess im Juli durchblicken, dass die Liegenschaften in den Besitz einer gemeinnützigen Stiftung übergehen könnten (zentralplus berichtete). Von offizieller Seite her bestätigt wird das nicht.

Vonseiten des zuständigen Teilungsamts heisst es nur: «In solchen Verfahren sind in der Regel sensible Personendaten im Spiel, die von Gesetzes wegen geschützt sind. Deshalb erteilt das Teilungsamt keine Auskünfte an Unbeteiligte.» Auch der eingesetzte Erbschaftsverwalter lässt eine entsprechende Anfrage unbeantwortet. Er sagt nur: «Der Erblasser hat seinen Willen detailliert kundgetan und diesen Willen werde ich als Erbschaftsverwalter absolut respektieren.»

Wurde der vereinsamte Markus Heer vielleicht auf seine alten Tage das Opfer von einem Erbschleicher? Oder will sein Bruder verhindern, dass der alte Familienbesitz an eine Stiftung geht? Darüber lässt sich nur spekulieren, bis der Rechtsstreit abgeschlossen ist. Der Fall liegt jetzt beim Friedensrichter. Dieser wird versuchen, eine Einigung zwischen den Parteien zu erzielen. Gelingt dies nicht, kommt der Fall vermutlich ans Bezirksgericht.

Grundmauern stammen aus dem 17. Jahrhundert

Das Hotel St. Niklausen hat eine jahrhundertealte Geschichte. Es handelt sich um einen patrizischen Landsitz aus dem 17. Jahrhundert, der kontinuierlich erweitert wurde. Bereits 1854 hatten die damaligen Hofbesitzer von St. Niklausen ein Schankrecht beantragt.

Ab 1875 wurde die Gartenwirtschaft auf der Horwer Halbinsel gemäss der Gemeindechronik zu einem zunehmend beliebten sonntäglichen Ausflugsziel, das von der Dampfschiffgesellschaft angesteuert wurde. 1907 wurde das Hotel erneuert, 1945 erweitert. Die gesamte Anlage ist im kantonalen Bauinventar als schützenswert eingestuft. Der Bau nehme im «Uferbild der Horwer Halbinsel eine äusserst wichtige Stellung ein», heisst es darin.

Berlin Ernachrichten