Hochwasser in Deutschland: Horror – Viele Menschen vor den Trümmern ihrer Existenz – Unterhaltung

Aus der Luft ist zu sehen, dass große Teile der Gemeinde nahezu komplett unter Wasser stehen. Nach dem extremen Starkregen war der Fluss Erft über die Ufer getreten. In der Nähe stürzen Teile der gesperrten Autobahn 1 in den Fluss.

23 Städte und Landkreise sind in NRW von Überschwemmungen betroffen. Die Rurtalsperre hatte gegen Mitternacht begonnen, infolge der immensen Regenmengen überzulaufen. Zumindest hier gibt es etwas Entwarnung. Der Wasserverband Eifel-Rur spricht von einer “geringen Dynamik”. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet sagt: “Die Staudämme der Talsperren in Nordrhein-Westfalen sind, mit Ausnahme der Steinbachtalsperre, stabil und unbeschädigt.” An der Steinbachtalsperre im Kreis Euskirchen droht ein Durchbrechen des Staudamms. Mehrere Ortschaften im Bereich des Sees wurden deshalb evakuiert.

Laschet (CDU) spricht von einer “Flut-Katastrophe von historischem Ausmaß”. Es stehe zu befürchten, dass die Opferzahlen weiter steigen werden. “Die Fluten haben vielen Menschen buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen.”

Die Bilder machen die Kraft der Naturgewalten deutlich: Wo eine Einkaufsstraße war, fließt auf einmal ein Fluss. Wie umhergeworfenes Spielzeug liegen Fahrzeuge in der Landschaft. Manche Häuser sind zur Hälfte weggespült wie Kartenhäuschen – oder verschwunden. Nach wie vor sind viele Haushalte ohne Strom, Orte sind nicht zu erreichen, der Bahnverkehr ist enorm eingeschränkt.

In Rheinland-Pfalz haben vielerorts die Aufräumarbeiten begonnen. Menschen räumten herausgespültes Hab und Gut aus dem Schlamm. Das Entsetzen im Land ist groß. “Das Leid nimmt auch gar kein Ende”, sagt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) beim Besuch der Leitstelle der Berufsfeuerwehr in Trier am Freitagmorgen. Da das Wasser überall zurückgehe, würden nun Menschen gefunden, die bei der Katastrophe ertrunken seien. “Und da könnte man eigentlich nur noch weinen. Das ist ein Horror”, sagt Dreyer. Mehr als 60 Opfer sind zu beklagen. Laut Innenminister Roger Lewentz (SPD) werde von bis zu 100 Vermissten ausgegangen.

In dem von der Hochwasserkatastrophe besonders getroffenen Ahrtal sind noch immer Hubschrauber und Boote unterwegs und retten Menschen. Die Helfer finden in den braunen Fluten auch immer wieder Tote und bergen sie.

In Sinzig etwa können sich zwölf Bewohner einer Einrichtung für behinderte Menschen am Donnerstag nicht mehr retten und sterben. “Das Wasser drang innerhalb einer Minute bis an die Decke des Erdgeschosses”, sagt der Geschäftsführer des Landesverbands der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz, Matthias Mandos. Die Nachtwache habe es noch geschafft, mehrere Bewohner in den ersten Stock des an der Ahr gelegenen Wohnheims zu bringen. “Als er die nächsten holen wollte, kam er schon zu spät.”

Tausende Helfer sind in beiden Ländern unterwegs. In Nordrhein-Westfalen etwa unterstützten Soldaten Rettung und Bergung mit 495 Männern und Frauen in elf Landkreisen und Städten. In Rheinland-Pfalz packen mehr als 200 Soldaten mit an. Das Technische Hilfswerk (THW) hat in beiden Bundesländern insgesamt 2065 Helfer im Einsatz. Sie retten Menschen, evakuieren Gebäude und verteilen Sandsäcke. Immerhin sanken in einigen Orten die Pegelstände. Es deutete sich leichte Entspannung an.

Die Bundesregierung sagte den Betroffenen Hilfe zu. Um sich einen eigenen Eindruck von der Lage zu verschaffen, will Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in die betroffenen Regionen reisen. Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier will in die Gebiete kommen. Die Katastrophe mache ihn fassungslos, sagt er. In Gedanken sei er bei den Hinterbliebenen der Opfer. “Ihr Schicksal trifft mich ins Herz.”

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