Historische Messerschleiferei in Solingen: Dieser Wipperkotten hat ein neues Wasserrad

Solingen –

Die historische Schleiferei Wipperkotten in Solingen, nah an der Leichlinger Stadtgrenze an der Wupper gelegen, hat ein neues Wasserrad. In einer aufwändigen Aktion wurde das handgefertigte neue Rad in dieser Woche zumindest schon einmal mit einem Schwerlastkran der Leverkusener Firma Schwientek an seinen neuen Arbeitsort verfrachtet.

Durchmesser von 4,60 Meter

4,60 Meter beträgt der Durchmesser des neuen Rads, das so wichtig ist für den Betrieb des Wipperkotten: „Das Wasserrad versorgt den ganzen Kotten mit Energie“, sagt Reinhard Schrage, Vorsitzender des Fördervereins Schleiferei Wipperkotten. Bis es die Schleifsteine der historischen Anlage tatsächlich antreiben wird, dauert es noch eine Weile. Denn auch die Welle – 5,70 Meter lang, wird derzeit erneuert.

Ein Schwerlastkran der Leverkusener Firma Schwientek hob das neue Rad in Position.

21 Jahre lang lief das letzte Rad des Wipperkotten mit der Wasserkraft der Wupper und ermöglichte erst das alte Handwerk des Messerschleifens, das hier noch immer praktiziert wird. „Wir mussten es jetzt sowieso austauschen“, sagt Schrage, „und die Flut hat ihr Übriges getan. Die Schaufeln wurden rausgehauen und das Rad weiter beschädigt“.

Das Holz trocknet im Sommer schnell aus

Dass es bloß 21 Jahre lief und nicht länger, liege auch daran, dass es nicht ständig in Bewegung sei. Statt wie zu Hochzeiten des Messerschleifens per Wasserkraft laufe das Rad nicht mehr zwölf Stunden am Stück und schon gar nicht jeden Tag, erzählt Schrage.

Erst wenn auch die Welle erneuert wurde, kann die historische Schleiferei Wipperkotten wieder mit Wasserkraft betrieben werden.

Dadurch trockne das Holz an den freiliegenden Stellen gerade in heißen Sommern schnell aus. Heute laufe das Rad immerhin noch an vier bis fünf Tagen pro Woche, sagt der Experte, der zwar keine Messer schleift – „Ich bin Sozialpädagoge“ –, sie aber in seiner Werkstatt am Wipperkotten zusammenbaut.

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„Ohne Corona und Flut mache ich hier 50 Führungen im Jahr“, sagt Schrage. Aber Corona und Flut – das gab und gibt es nun mal. Beides hat den Wipperkotten in finanzielle Not versetzt. Die Flutschäden im Erdgeschoss zu beseitigen, das neue Wasserrad, Verwüstungen am Wehr hinter dem Fachwerkhaus – das sorge für Kosten in Höhe von 250 000 Euro. Die Finanzierung sei noch nicht gesichert, sagt Schrage. Der Wipperkotten sei weiter auf Spenden angewiesen: „Wir freuen uns über jeden Euro, der uns erreicht.“

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