Heiraten in Corona-Zeiten – Deggendorf

Lieferschwierigkeiten machen Susanne Kuhndörfer zu schaffen. Auf manche Brautkleider wartet sie bis zu sechs Monate. −F.: Augustin

Lockdown, Kontaktbeschränkungen, 3G, 3G+, 2G – seit Corona ist das an der Tagesordnung. Dass es aber auch Dinge gibt, die sich nicht einschränken lassen, wurde bei der Hochzeitsschau am Sonntag in den Deggendorfer Stadthallen deutlich.

“Ein Brautkleid muss man anfassen, einen Ring probieren”, sagte Veranstalterin Tanja Röder. “Online funktioniert das nicht.” Deshalb habe sie eine Online-Variante der Messe gar nicht erst ausprobiert. Umso glücklicher war sie, dass die Veranstaltung mit etwa 60 Ausstellern, 2G-Regel und “sehr guten Besucherzahlen” stattfinden konnte. Hochzeit sei ihr Herzensthema und mit vielen Emotionen verbunden. Die Tage vor der Hochzeitsschau waren jedoch eine Zerreißprobe. “Als Veranstalter hat man vieles nicht mehr in der Hand”, sagte Röder. Umso dankbarer sei sie für das Verständnis und den Zusammenhalt unter den Ausstellern.

Einer davon ist der Österreicher René Schielin, der mit seiner gleichnamigen Firma besondere, handgeschneiderte Herrenmode verkauft. Neben einer Reihe von Anzügen sprach er auch über eine Reihe von Herausforderungen, die die vergangenen fast zwei Jahre mit sich gebracht hatten. Eine Zeit lang waren die Geschäfte komplett geschlossen. Durch die Nähe zur bayerischen Grenze machten ihm die Lockdowns in beiden Ländern zu schaffen. Die Hochzeiten, die stattfinden konnten, hatten meist einen kleinen Rahmen. “Es macht einen Unterschied, ob fünf oder 50 Männer bei einer Hochzeit sind”, sagt Schielin. Zudem griffen viele Paare bei rein standesamtlichen Trauungen zum Beispiel auf Tracht zurück, die häufig schon im Kleiderschrank hing. Mit dem Besuch in Deggendorf sei er zufrieden. Dass trotz 2G so viele Leute gekommen waren, zeige, wie sehr den Menschen Platz für große Emotionen gefehlt habe.

Gleich neben Schielins Herrenmode stellte Susanne Kuhndörfer ihre Brautmode aus. “La novia” heißt ihr Laden für Hochzeitsmode für Braut und Bräutigam in Neuhausen, der in der Pandemie ebenfalls lange Zeit schließen musste. “Immerhin ist das Haus sauber und der Keller aufgeräumt”, sagt Kuhndörfer mit einem Augenzwinkern. Jetzt gehe es langsam wieder los. Ein großes Problem, nicht nur der Brautmode-Branche, seien jedoch die Lieferschwierigkeiten. “Auf manche Kleider warten wir bis zu sechs Monate lang”, so Kuhndörfer.

Ist das passende Outfit gefunden, müssen Haare und Make-up perfekt darauf abgestimmt werden. Diesen Wunsch haben fast alle Bräute, weiß Haar- und Make-up-Artistin Betty Amrhein. Der Liebe wegen sei sie nach Jahren in Berlin wieder nach Straubing zurückgekommen. “Ich habe viele Prominente gestylt, darunter Hannelore Elsner und Orlando Bloom. Jetzt bin ich verstärkt für Hochzeiten buchbar”, sagt sie. Der Tag der Hochzeit sei etwas ganz Besonderes. “Jeder ist herausgeputzt und macht sich schön.”

Weder Promi-Veranstaltungen noch große Hochzeiten haben in den vergangenen fast zwei Jahren stattgefunden. “Ich war quasi arbeitslos”, erklärte Amrhein. Nur manchmal durfte sie mit Maske und Gesichtsschild ihrer Leidenschaft nachgehen und Menschen auf ihren schönsten Tag vorbereiten. “Im Trend ist vor allem der Boho-Look”, weiß sie. Rote Lippen seien nicht mehr gewünscht, warme Töne seien auf dem Vormarsch. Viel wichtiger als das Make-up seien den meisten Bräuten aber die Haare. Frisuren mit Locken im Undone-Look seien besonders beliebt.

Etwas weniger weit verbreitet sind Partnertattoos, die immer wieder im Tattoo- und Piercingstudio “Perfect Needles” nachgefragt werden. “Neben Herzen, dem Hochzeitsdatum und dem Namen des Partners sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt”, sagen Sven und Katrin Drexler. Auch Sektgläser haben sie schon gestochen.

Das klassische Zeichen der gegenseitigen Verbundenheit sind die Eheringe. Handgefertigte Exemplare fertigt und verkauft Goldschmiedin und Diplom-Designerin Kirsten Plank in der “werkstattgalerie ke-schmuck” in Deggendorf. Auch ihr habe die Pandemie schwer zu schaffen gemacht – ein geschlossenes Geschäft, keine Einnahmen, große Ungewissheit. “Der Vorteil an Schmuck ist, dass dieser nicht kaputt geht”, so Plank. Eheringe seien zeitlos und nicht an Trends gebunden. “Bei der Auswahl sollte man sich nach den eigenen Empfindungen richten und nicht auf die aktuelle Mode achten.”

Zum Abschluss der Hochzeitsschau gab’s ein Feuerwerk. Gebucht werde Pyrotechnik gerne auch für den schönsten Tag im Leben, weiß Florian Steinbauer. “Vom Feuerherz bis zum großen Feuerwerk ist alles mit dabei.” Wäre er aber nicht hauptberuflich als Ausbilder für IT-Berufe tätig, hätte sein Pyrotechnik-Unternehmen Corona wohl nicht überstanden. “2020 fand von 15 Aufträgen einer statt”, berichtet er. Silvester sei er auf einem riesigen Berg an Feuerwerkskörpern sitzen geblieben, auch für dieses Jahr sei der Jahreswechsel noch unsicher. Im Hochzeitsbereich merkt der Unternehmer, dass die Brautpaare noch sehr vorsichtig seien mit festen Buchungen. “Und das auch, wenn man ihnen entgegenkommt, mit kostenlosen Umbuchungsoptionen zum Beispiel.”

Für Veranstalterin Tanja Röder ist die Hochzeit ein Herzensthema. Im Hintergrund Goldschmiedin Kirsten Plank.

“Es macht einen Unterschied, ob fünf oder 50 Männer bei einer Hochzeit sind”, sagt René Schielin.

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