Havelland: Weihnachtsmann kommt ans MAZ-Telefon

Weihnachtsfeiern gestrichen, Weihnachtsmann-Auftritte abgesagt. Die Situation für Santa Claus ist auch im Havelland dramatisch. Auftragseinbußen von über 80 Prozent verzeichneten Weihnachtsmann-Agenturen in Berlin, und auch den Solokünstlern mit Bart im roten Kostüm aus dem Havelland fehlen in dieser zweiten Pandemie-Adventszeit die Einnahmen. Immerhin: Am Montag wird der Weihnachtsmann wenigstens per Telefon und Whatsapp erreichbar sein – ab 15 Uhr in der MAZ-Lokalredaktion Falkensee unter 03322/25.47.22.

Der Weihnachtsmann geht nicht nach Elstal

Corona diktiert auch dem Weihnachtsmann die Spielregeln. Dabei hatte sich Thomas Brettschneider wieder so auf die Adventszeit gefreut. Im Outlet-Center in Elstal saß er bis vor zwei Jahren im Schlitten unter dem prächtig geschmückten Weihnachtsbaum und ließ sich geduldig fotografieren, hörte Weihnachtsgedichte und ließ sich an einem 25 Zentimeter langen echten Bart zupfen. Doch sein Auftritt wurde abgesagt, wie auch der in Karls Erlebnisdorf.

Ein Bild aus der Vor-Corona-Zeit: Weihnachtsmann mit Engel
Quelle: Ulrich Hansbuer

„Das Center-Management wollte keine großen Ansammlungen“, erzählt der Weihnachtsmann. Thomas Brettschneider verzichtete in diesem Jahr aber schon freiwillig auf viele Auftritte in Kindergärten und Firmen bei Weihnachtsfeiern sowie auf private Engagements. „Die Ansteckungsgefahr ist doch groß, wenn die Kinder auf dem Schoß im geschlossenen Raum sitzen“, weiß er um Corona-Gefahren.

Auftragsverluste bei Weihnachtsmännern im Havelland

In den Kleinanzeigen-Märkten im Internet sind viele Weihnachtsmänner noch auf der Suche nach Jobs vor Ort. „Weihnachtsmann, noch Termin am 24.12 frei“, annoncierte ein Schauspieler aus Falkensee, der laut Anzeige schon seit 18 Jahren sein Zubrot im Weihnachtsgeschäft sucht. Aber viele Eltern nahmen Abstand von einem Weihnachtsmannbesuch. Und wenn, so erzählt es der 66 Jahre alte Weihnachtsmann Brettschneider, nur am Zaun draußen, mit Abstand und allen Hygieneregeln: „Ein Weihnachtsmann mit Corona-Maske geht aber nicht“, findet er.

Telefonieren mit Santa Claus

Der Weihnachtsmann kommt in die Redaktion der MAZ. Am Montag von 15 bis 19 Uhr können Sie ihn erreichen unter 03322/254722.

Oder Sie schreiben uns eine Mail unter havelland@ MAZ-online.de mit ihrer Telefonnummer, Name, Hobbys, Wünsche und ob das Kind auch brav war. Der Weihnachtsmann ruft dann zurück und über Whatsapp können Sie ihn auch sehen und mit ihm reden.

Viele seiner Weihnachtsmann-Kollegen planen den Besuch corona-konform. „Wir verzichten in der Pandemie schon auf genug, aber nicht noch auf den Weihnachtsmann“, sagte sich Nadim Jovicic, der seit 1992 in dritter Generation Weihnachtsmänner auch für das Havelland vermietet, und hatte im letzten Jahr eine Idee. Der Weihnachtsmann kommt jetzt aus einem Studio in Potsdam-Bornstedt. Er besucht Kinder im Havelland – und weltweit.

Santa Claus geht online

Santa Claus 2.0 fährt mit seinem Rentierschlitten durchs Internet. „Als wir feststellten, dass unsere Weihnachtsmann-Besuche coronabedingt alle abgesagt wurden, und wir so keine Einnahmen hatten, haben wir den Weihnachtsmann 2.0 ins Leben gerufen“, erzählt der Potsdamer Nadim Jovicic. Gebucht werden kann er unter www.weihnachts.site, bezahlt wird per PayPal.

Mittlerweile wird diese Dienstleistung weltweit gebucht. „Letzten Samstag hatten wir eine Familie aus New York, da mussten wir uns um 23 Uhr das Kostüm anziehen und mit drei Kindern einer deutschen Familie in den USA reden“, berichtet der Besitzer der Weihnachtsmann-Agentur. Aber sie hätten auch schon Aufträge für deutsche Aussiedler in Schweden und Südafrika. Nachdem die Umsätze mit den Besuchen vor Ort eingebrochen sind, hat die Agentur ihre Einnahmen durch die Video-Chats und Weihnachtsmann-Zoom-Konferenzen jetzt stabilisiert. „Unser Geschäft läuft“, sagt Jovicic.

Anderen Weihnachtsmännern geht es in dieser Zeit finanziell schlechter. Studenten und Rentner, die sich in den letzten Jahren ihr Weihnachtsgeld als Weihnachtsmann verdienten, gehen dieses Jahr wieder leer aus. „Bei uns hat sich allerdings noch kein Weihnachtsmann arbeitslos gemeldet“, sagte Maria Braune, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit, die für Rathenow, Nauen und Falkensee zuständig ist, gegenüber der MAZ.

Der 66 Jahre alte Weihnachtsmann Brettschneider will sich jetzt auch eine Internetseite bauen und per Zoomkonferenz mit Kindern chatten. Auch wenn er wehmütig erzählt: „Wenn die Kinder an meinem echten Bart zupfen und meinen Bauch sehen, dann ist ihr Traum erst perfekt.“

Von Ulrich Hansbuer