Handwerk + Technologie Teil 2

Mockup des Verbindungsknoten Decke-Wandanschluss © Angela Lamprecht Fotografie

Knotenpunkt der Arbeit

Zentraler Dreh- und Angelpunkt von Kings Masterthese ist der Knotenpunkt Decke-Wandanschluss. „Den habe ich natürlich nicht neu erfunden, sondern aus verschiedenen Projekten abgeleitet“, erklärt der Architekt. „Das Cree LifeCycle-System von Rhomberg, Hermann Kaufmann und MKP war sicherlich maßgeblich. Das dort angewandte modulare Holzhochhaus-System mit Pendelstützen habe ich auf einen kleineren Maßstab umgelegt – daraus ist die Holzrippendecke in meinem Entwurf entstanden, der Schallschutz wird über entsprechende Schüttungen und Schallentkoppelungen gelöst. Denn ein Credo des Überholz-Lehrgangs ist es, den Zement- und Stahlanteil einer Konstruktion auf ein notwendiges Minimum zu reduzieren – auch das spiegelt der Knotenpunkt wider.“ Spannend war für King, die brand- und schallschutztechnischen, weiteren bauphysikalischen, statischen, gebäudetechnischen und nicht zuletzt gestalterischen Anforderungen unter einen Hut und in Harmonie zu bringen. Vor allem der Brandschutz bot eine besondere Herausforderung. „Daraus ist dann die profilierte Zwillingsstütze entstanden. Während der hintere Teil brandschutztechnisch wirksam ist, nimmt der vordere Teil die Haustechnik auf und wirkt als raumzonierendes und strukturierendes Element“, führt er aus. Bei der handwerklichen  Ausarbeitung der Konstruktion als 1:2 Mockup habe er selbst am meisten mitgenommen: „Architektur und Handwerk werden oft getrennt, obwohl beide derselben Quelle entspringen. Durch die enge Zusammenarbeit können Detaillösungen entstehen, die Gestaltung und Konstruktion sinnvoll vereinen.“

Ein Anstoß für seine Arbeit war das Buch „Bauen 3.0“ von Hubert Rhomberg. Darin wird eine Loslösung von Gebäudeprototypen und eine Entwicklung hin zu standardisierten Bauteilen gefordert. „Ein Ansatz mit dem sich Architekten vielfach schwer tun, worin für mich aber kein Wiederspruch zur kontextuellen Gestaltung einer Bauaufgabe liegt“, so King. Eine daraus abgeleitete, abschließende Überlegung von King: „Mit dem Baubescheid sollte auch ein Zerlegeplan einhergehen, in dem man sich Gedanken darüber macht, wie ein Gebäude ohne die darin konservierten Ressourcen zu vernichten, wieder abgebaut werden kann.“