Günther Knerr möchte Wissenschaft verständlicherweise zeugen

  • VonFriedbert Holz

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Hohenlinden – Den Menschen spielerisch Wissen zu vermitteln war schon immer das Ziel von Günther Knerr. Egal ob bei der Arbeit im Deutschen Museum oder beim Waldspaziergang, daheim in Hohenlinden.

Museen und ihre manchmal hochwissenschaftlichen Inhalte leicht verständlich zu präsentieren, sie vor allem auch Kindern nahe zu bringen, dafür hat sich Günter Knerr sein Leben lang eingesetzt. Selbst in seinem heutigen Wohnort half er, die Geschehnisse der berühmten Schlacht anschaulich aufzuarbeiten, entwickelte mit einem engagierten Team einen Radwanderweg zu Stationen der Schlacht und hat auf 1600 Seiten eine Biografie der ganz besonderen Art verfasst.

Eigentlich stammt der hoch gewachsene Mann aus der Saarpfalz, wurde 1938 in einem kleinen Dorf bei Homburg geboren. Doch nach der Grundschule, „einem Schnell-Durchgang in Kriegszeiten“, und dem Abitur im Realgymnasium zog es ihn im Alter von 20 Jahren ins ferne München. Er wollte dort Chemie studieren, brauchte aber zum Leben mehrere Jobs. „So landete ich eher zufällig beim Deutschen Museum, verdingte mich dort als Hilfsarbeiter in den Werkstätten. Denn handwerklich war ich schon immer begabt, und Spaß machte mir diese Tätigkeit obendrein“, erinnert sich Knerr.

Dem Nachwuchs Wissen vermitteln: Kinder-Kochbuch ganz ohne Text

Tatsächlich animierte ihn bald der damalige Museumsleiter Josef Maierhofer, eine Chemie-Sparte aufzubauen. Und er konnte sich für Knerrs Idee erwärmen, mehr Kinder ins Museum zu locken. „Damals war es von vielen wissenschaftlichen Mitarbeitern und Ressortchefs verpönt, eigens für Kinder Ausstellungen zu kreieren oder kindgerechte Texte zu formulieren. Wer nach ihrer Meinung Wissenschaft und Technik nicht verstand, der sollte auch nicht in ein Museum gehen“, skizziert Knerr die einstige Stimmung. Er aber setzte sich sehr dafür ein, Kinder ihre Umwelt entdecken zu lassen, „denn gerade nach der ersten Mondlandung 1969 war ein unwahrscheinliches Interesse an Wissenschaft ausgebrochen“.

So entwickelte er mit einem kleinen Team nicht nur eine Art Baukasten, um damit in Schulen und Kindergärten für Wissenschaft und Museum zu werben. Er schrieb auch Bücher, in denen Kindern leicht verständlich Wissen vermittelt wurde, hatte sogar schon ein Kochbuch speziell für sie fertig, ganz ohne Text, aber mit Fotos und Skizzen selbsterklärend. „Leider scheiterte dieses spannende Projekt, weil sich zwei Verlage daran zerstritten“, bedauert der rüstige Rentner noch heute und zeigt stolz seine Arbeitsmappe von damals mit den bislang unveröffentlichten Arbeiten zum Buch.

Eine Seite aus Günther Knerrs selbsterklärendem Kinder-Kochbuch.

© J.Dziemballa

Zukünftige Ehefrau bei der Arbeit im Deutschen Museum kennengelernt

Dafür gelangen ihm aber von 1972 an erste Wanderausstellungen, die erst im Deutschen Museum zu sehen waren, später aber als Duplikate nach Berlin, Wien, ja sogar nach Haifa/Israel gingen. Als sein Chef Maierhofer das Museum Mitte der 1970er-Jahre verlassen hatte und Günter Knerr ohne eine bestimmte Aufgabe war, entschied er sich mit 37, in Freiburg noch Pädagogik zu studieren. Er schloss mit Diplom ab, wandte sich 1978 einer neuen Aufgabe unter einem neuen Museumsleiter zu: Erst baute er eine Sonderausstellung mit dem Titel „Spielen, Bauen, Experimentieren“ auf, danach als Dauerausstellung die Serie „Bauklötze staunen“.

Immerhin seien damals 120 Presse-Vertreter zur Eröffnung ins Deutsche Museum gekommen, so Knerr, der sich aber auch kritischen Themen widmen musste. Denn es herrschte bei einigen Museums-Besuchern die Meinung vor, dass speziell in der Flugzeug-Abteilung die Begleittexte „zu verharmlosend“ seien. Immerhin handele es sich doch auch um Bomber aus dem Weltkrieg und andere zerstörerische Exemplare. Zusammen mit Museums-Kollegen aus Washington gelang es schließlich Knerr, für das Museum eine neue Textstruktur zu entwickeln – ehrlicher, erklärender, eindeutiger. „Damit ging es für mich beruflich steil bergauf“, freut sich Knerr noch heute im Rückblick auf seine Karriere, hatte er doch ein so genanntes Fund-Raising-System entwickelt. Je nach Themenbereich konnte er so auch auf Mittel aus der beteiligten Industrie zurückgreifen, baute damit Spezialschauen etwa zu Glas-, Textil- oder Papiertechnik auf.

Nach Waldspaziergang: Knerr baut für Hohenlinden berühmte Schlacht von 1800 nach

Die Arbeit im Museum brachte ihm aber auch privates Glück: 1970 lernte er dort seine heutige Frau Elisabeth kennen. Mit ihr und ihren beiden Kindern zog er 1978 zuerst nach Birkach und kurz darauf in jenes Reihenhaus in Hohenlinden, wo er noch heute mit ihr lebt, umgeben von einem wild wachsenden Garten. Mit ihr hat er noch einen Sohn, und aus einer früheren Ehe zwei weitere Kinder, alle bereits erwachsen. Und so kam ihm die Idee, für diese insgesamt fünf Kinder und mittlerweile ebenfalls fünf Enkel eine Biografie besonderer Art zu verfassen. „Auf rund 1600 Seiten habe ich mein ganzes Leben niedergeschrieben. Aber nicht nur aus meiner persönlichen Sicht, sondern so, dass ich später einmal allen meinen Nachkommen deren Fragen beantworten kann.

Auch für Hohenlinden hat er viel geleistet. Als er zufällig, „beim Waldspaziergang“, Alfons Nagl, den Vorsitzenden des Vereins „Hohenlinden 2000“ getroffen hatte, animierte ihn dieser, für das heimische Museum die berühmte Schlacht von 1800 während der Napoleonischen Kriege nachzubauen. Da Günter Knerr im Deutschen Museum, wo er 2003 ausgeschieden war, viel Erfahrung mit Multimedia gesammelt hatte, konnte er auch hier einen spannenden Aufbau leisten. Er schuf sogar, zusammen mit einem engagierten Team, einen immerhin 55 Kilometer langen Rad-Wanderweg zu den Orten dieser einstigen Schlacht. Nun können Interessierte, einer App folgend, hier Geschichte buchstäblich nachradeln.

Günter Knerr indes macht es sich mittlerweile lieber auf seiner Terrasse gemütlich, schreibt weiter über sein Leben und züchtet nebenher Tomaten. Unser Ebersberg-Newsletter informiert Sie rund um die anstehende Bundestagswahl über alle Entwicklungen und Ergebnisse aus Ihrer Region – und natürlich auch über alle anderen wichtigen Geschichten aus der Region Ebersberg.