Großbritannien: Veganer von Corona-Impfpflicht am Arbeitsstelle befreit – Wirtschaft

„No jab, no job“ – ohne Impfung kein Job. Das gilt ab Oktober nicht nur für britisches Pflegepersonal, auch immer mehr Privatunternehmen setzen auf eine Impfpflicht. Darunter sind auch Tech-Riesen wie Google und Facebook.

Doch es gibt eine kuriose Ausnahme für Arbeitnehmer solcher Unternehmen: Veganer sind bei den Briten von der Impfpflicht ausgenommen!

Das berichtet die Zeitung „The Telegraph“. Grund für die Regel: Im britischen Arbeitsrecht sind bestimmte Überzeugungen besonders geschützt. Dazu zählt laut einem Gerichtsurteil vom letzten Jahr unter anderem der sogenannte ethische Veganismus.

Heißt: Arbeitgeber riskieren Gerichtsprozesse, wenn sie vegan lebende Mitarbeiter aufgrund einer nicht vorhandenen Corona-Impfung feuern. Selbst bei Neueinstellungen dürften Unternehmen wohl nicht ohne Weiteres eine Corona-Impfung von Veganern verlangen.

Ein Sprecher der Anwaltskanzlei Lewis Silkin sagte: „Einige ethische Veganer lehnen Impfungen mit der Begründung ab, dass diese unweigerlich an Tieren getestet wurden.“

Auch andere Personen, die zu geschützten Kategorien gehören, sind demnach wohl von der Impfpflicht ausgenommen – etwa religiöse Gruppen und Menschen mit bestimmten Erkrankungen.

Außenminister Dominic Raab (47) hatte die „Jabs for Jobs“-Regel am Donnerstag noch als „intelligente Politik“ gepriesen.

Deshalb sind die Impfstoffe nicht vegan

Fakt ist: Die Impfdosen enthalten keine tierischen Bestandteile. Allerdings lehnen ethische Veganer Tierversuche ab – und die Corona-Impfstoffe wurden an Tieren erprobt.

Allerdings halten es viele Tierschützer für völligen Unsinn, eine Impfung wegen Tierversuchen zu verweigern.

So schreibt etwa die weltweit größte Tierschutzorganisation Peta auf ihrer Website: „Solange Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben sind, macht es jedoch wenig Sinn, ein Medikament aus ethischen Gründen zu verweigern.“

Damit sei weder Tieren aus früheren Versuchen geholfen noch denen für etwaige zukünftige Versuche. Stattdessen seien Gesetzesänderungen nötig, damit Tierversuche nicht mehr länger vorgeschrieben seien, so die Aktivisten-Gruppe.

Stattdessen lobt Peta sogar expliziert die„erfolgreiche Vorgehensweise“ der Impfstoff-Entwickler: „Aufgrund der Dringlichkeit (…) wurden diesmal bestimmte Tierversuche übersprungen und klinische Studien mit Menschen parallel durchgeführt.“

Jeanette Rowley von der britischen Vegan Society sagte dagegen, sie habe etwa 100 Anfragen von Veganern erhalten, die sich nicht impfen lassen wollen und sich Sorgen um ihre Arbeitsstelle machten.

Rowley: „Sie sind psychologisch sehr betroffen, weil sie sich diesem Dilemma stellen müssen.“

Allerdings berichtete sie auch, dass sich viele der ethischen Veganer letztendlich wegen der „größeren Verantwortung gegenüber den Menschen“ FÜR eine Impfung entschieden hätten.