Grams’ Sprechstunde: – Spektrum dieser Wissenschaft

Bleibt am Ende das Risiko der Spritze selbst. Ist vielleicht die Nadel bei Gerinnungsstörungen oder bei der Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten kontraindiziert? Nein: Wie auch bei jeder anderen Impfung reicht es, darauf zu achten, einfach etwas länger die Einstichstelle abzudrücken, eine feinere Nadel zu verwenden und strikt direkt in den Muskel zu impfen. Ein Absetzen der Gerinnungsmedikamente ist nicht notwendig oder empfohlen.

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Ernst nehmen sollte man allerdings, dass manche Menschen generell Angst vor dem Impfen oder speziell vor Spritzen haben. Behandelnde Ärzte sind Spritzenangst gewohnt, und gemeinsam haben behandelnder Arzt und Ärztin, Geimpfte und Geimpfter einige Möglichkeiten, mit den Ängsten fertigzuwerden – man muss sie nur vorher ansprechen! Es kann auch helfen, eine vertraute Person mit zum Impftermin zu nehmen. Am Ende ist es allemal besser, die Furcht zusammen zu besiegen, als auf den Impfschutz zu verzichten – auch wenn der Gang schwerfällt.

Was bleibt übrig von den Gründen gegen die Impfung?

Gibt es also echte, absolute Kontraindikationen? Nein. Klar, es gibt noch keinen Impfstoff für Kinder unter zwölf Jahren – aber da laufen die Studien gerade auf Hochtouren, und vielleicht schon im September ist mit Ergebnissen zu rechnen. Natürlich sollte man sich nicht gerade mit einem akuten Infekt oder Fieber über 38,5 Grad Celsius impfen lassen, doch das gilt für jede andere Impfung auch. In den Fachinformationen – quasi den Beipackzetteln der Impfungen – und auf den Aufklärungsbögen findet man jedenfalls keine weiteren Kontraindikationen – außer dem sehr seltenen Kapillarlecksyndrom (CLS).

Beim CLS handelt es sich um eine selbst in Fachkreisen kaum bekannte Erkrankung. Seit der ersten klinischen Beschreibung im Jahr 1960 sind weltweit nur wenige Dutzend Fälle registriert worden. Wenn also diese extrem seltene Störung als Vorerkrankung bekannt ist: Finger weg vom Vektorimpfstoff AstraZeneca/Vaxzevria (und eben einen mRNA-Impfstoff wählen). Und bei wem die besondere Gerinnungsstörung mit Blutgerinnseln und Blutplättchenmangel nach der ersten Impfung mit Vaxzevria aufgetreten ist, der sollte besser einen mRNA-Impfstoff als Zweites erhalten. Das wird nach dem heterologen Impfschema nun ja ohnehin empfohlen.

So weit, nach bestem Wissen und Gewissen, der gerade aktuelle Stand der Dinge zu Kontraindikationen, Erkenntnisfortschritt – klar – nicht ausgeschlossen! Wie immer gilt, dass jede Impfentscheidung zusammen mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung getroffen werden sollte und bei der Aufklärung vorher alle offenen Fragen beantwortet wurden. Ach, und: Nein, »keine Zeit« oder »keine Lust« sind keine wissenschaftlich anerkannten Kontraindikationen.