Görlitz: Museum im Wohnzimmer | Sächsische.de



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Görlitz

Museum im Wohnzimmer

Zumindest die Sektkorken dürfen knallen. Doch was tun bis zum Jahreswechsel? Mit Tieren sprechen. Auch das Neujahrskonzert ist online erlebbar.

Unterhaltsam, so eine Unterhaltung mit Tieren. Unterhaltsam soll trotz allem auch das Neujahrskonzert werden.
© Nikolai Schmidt/screenshot “Mein Objekt”

Von
Susanne Sodan
3 Min. Lesedauer

Das Fischotter-Baby hat gelogen. In der App „Mein Objekt“ hat es ein falsches Profil-Foto eingestellt. Das Bild zeige tatsächlich seinen Vater, räumt es ein. Denn: „Ich will keine Küsschen udn Knuddeleinheiten! Ich bin nicht niedlich.“ Zum Beweis fordert es zum Wettkampf auf: „Luft anhalten? Kunstschwimmen? Fischfang?“

Wenn trauriges Moos sprechen könnte

Das Senckenberg-Museum in Görlitz ist derzeit geschlossen. Erkunden kann man es doch. Über eine neue App „Mein Objekt – Senckenberg“. Wie in einem Messenger-Dienst kann man mit vielen der Tiere und Pflanzen der Ausstellungen chatten. Vom Sonnentau, der sich in der App „Veganer Jäger“ nennt, über das Fischotter-Jungtier – Nutzername „Apnoe-Taucher“ – bis hin zum deprimierten Torfmoos. Über Fragen und Antworten, „Prüfungen“ und Rätsel erfährt man vieles über die Tiere. Beispiel Fischotter: Sein Kot riecht nach Veilchen.

Das Senckenberg-Museum hat dieses Jahr selbst eine App entwickelt, zur Bestimmung von Bodentieren. Auch diese wird in mehreren Einrichtungen und Unis bundesweit inzwischen genutzt, erzählt Willi Xylander, Senckenberg-Leiter in Görlitz. Die App „Mein Objekt“ hat damit aber nichts zu tun, sie ist durch das Verbund-Projekt „museum4punkt0“ entwickelt worden. Regelmäßig kommen die Verbundpartner zusammen, um Ideen auszutauschen, erklärt Xylander. “Mein Objekt” entstand eigentlich für Kunstobjekte in Berliner Museen. In Görlitz hat eine Kommunikationspsychologin den Inhalt angepasst, um Tieren, Pflanzen, Moosen und anderen Ausstellungsobjekten eine „Stimme“ zu geben, Lebensraum und Eigenschaften zu zeigen. „Durch die Fragen lernt man etwas über ihre Biologie“, erklärt Willi Xylander. „Es sind auch freche Dialoge dabei.“

Letzte Chance für Sonderausstellung

Auch andere Museen haben virtuell geöffnet, zum Beispiel das Barockhaus udn der kaisertrutz der Görlitzer Sammlungen. Dafür hat eine Nieskyer Firma die Ausstellung in 3-D-Form gebracht, über Mausklick kann man sich durch die Räume udn zu den Exponaten bewegen. Die Sonderausstellung zu 950 Jahren Görlitz im Kaisertrutz zum Beispiel ist noch bis 2. Januar online zu sehen.

Neujahrskonzert wird live übertragen

Das Weihnachtskonzert am Gerhart-Hauptmann-Theater war dieses Jahr nicht digital zu erleben. Zum einen, erklärte Intendant Daniel Morgenroth, „weil die Herstellung sehr aufwendig ist und dafür zu wenige zuschauen.“ Zum anderen habe er auch das Gefühl, dass viele es leid sind, am Bildschirm zu verfolgen, was sie lieber live besuchen würden. Aber beim Neujahrskonzert macht das GHT eine Ausnahme.

Wegen Corona kann zwar die Neujahrs-Konzertreise durch die Lausitz erneut nicht stattfinden. Aber am 1. Januar ab 17 Uhr spielt die Neue Lausitzer Philharmonie unter Leitung von Dirigentin Ewa Strusińska ein Konzert unter dem Motto „Gerührt und nicht geschüttelt“ – eine Live-Übertragung . Strusińska habe einen „Cocktail“ aus britischer Eleganz und beliebten Melodien von Johann Strauß gemixt, teilt GHT-Sprecherin Jasmin Schröter mit, „ein Posaunenkonzert mit Anklängen an Pop und Jazz, für das wir den ukrainischen Shootingstar Polina Tarasenko gewannen“.