Goertz und Sieben schreiben in Söders Namen eine Weihnachtskarte an Meghan

23. Dezember 2021 um 17:07 Uhr


Die Störenfriede (25)
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Goertz und Sieben schreiben in Söders Namen eine Weihnachtskarte an Meghan


Ein Bild aus besseren Tagen. Aber selbst diese besseren Tage waren nie richtig gut. (Archiv)
Foto: dpa/Matt Dunham

Duisburg Kurz vor Heiligabend sorgt sich Herr Goertz um die Queen und fordert Meghan zur Aussöhnung auf. Sieben berichtet von einer royalen Begegnung, die einseitig verlief. Am Ende schmieden beide einen Plan, der so absurd ist, dass er funktionieren muss. Die 25. Folge der Störenfriede.


Einmal in der Woche chatten die Redakteurs-Kollegen Christian Sieben und Wolfram Goertz miteinander, um sich nach dem Befinden des anderen zu erkundigen. Beide verbindet eine satirische Sicht auf die Dinge, ansonsten sind sie streng beim Sie. In ihren Gesprächen geht es oft um Alltägliches, gelegentlich um Grundsätzliches, und manchmal steht am Ende sogar eine Erkenntnis.

Sieben Herr Goertz, wobei störe ich so kurz vor der Bescherung?

Goertz Bei echter Sorge um Sandringham.

Sieben Sie sorgen sich um das Wohl der Queen?

Goertz Ja, sie ist ja nicht mehr die Jüngste. Es ist das erste Weihnachten ohne Prinz Philip, sie kann nicht auf den Landsitz der königlichen Familie, und überhaupt knirscht es im Gebälk der Royals. Ich sage nur: Meghan. Ich fürchte, die Königin wird Sandringham so bald nicht wiedersehen.

Sieben Habe ich mal berichtet, dass ich die Queen persönlich gesehen habe? Ich besuchte als Tourist Schloss Windsor. Anschließend nahm ich im Pub an der Hauptstraße ein Bier zu mir. Da fuhr sie vorbei. Also ließ sich vorbeifahren. Sie sah mich aber garantiert nicht. Sie schlief nämlich. Ein anderer Gast klärte mich dann auf. Im Auto schläft sie immer. Wirklich immer. Aber Meghan kann ihr doch ohnehin egal sein. Feiert die nicht in Amerika?


Goertz Meghan ist irgendwo in der Welt, statt dem Vereinigten Königreich beizustehen. Sie sollte sich ein Beispiel an Kate nehmen und der Queen dieses ganze unselige Theater ersparen. Die Königin ist ja nun die allerkritischste Infrastruktur, die die Briten haben. Man muss auf sie aufpassen wie aufs „Golden Eye“.

Sieben Wenn die echte Queen auch nur ungefähr so beschaffen ist wie die falsche Queen in „The Crown“, wettert sie alle diese kleinen Dramen ohne Folgeschäden ab. Dafür braucht sie noch nicht mal einen halben Gin. Sie wissen doch: Besuch ist schön, wenn er kommt, aber noch schöner, wenn er wieder geht. Und bei manchen Besucher*innen ist es am allerschönsten, wenn sie gar nicht erst kommen. Das wusste schon Shakespeare. Also nehme ich mal stark an.

Goertz Ja, aber nicht nach Sandringham zu können, ist schon eine schmerzvolle Erfahrung. Aber immerhin bleibt ihr erspart, dass Markus Söder sie in Sandringham besucht und mit Schmonzetten aus dem Landkreis Passau behelligt. Sie wissen, was ich meine?

Sieben Ich tappe im Dunkeln. Ich weiß nur, dass Passau eigentlich der Wahlkreis vom Scheuer Andy ist. Der mit den Flugtaxen.

Goertz Söder würde ihr garantiert in epischer Breite erzählen, dass wie bei Sandringham auch im Landkreis Passau weit über 30 Ortschaften auf „-ham“ enden. Nah beieinander liegen zum Beispiel Altersham, Kelchham, Asenham, Kühnham, Kirchham und Singham. Das hat mit der wechselvollen Besiedlungsgeschichte Europas und etlichen Völkerwanderungen zu tun. Nottingham, Birmingham, Kirchham, Singham. Und halt eben auch Sandringham. Die Queen hätte bei Söders Vortrag ihr Gähnen nur mit Mühe unterdrücken können.

Sieben Für diese Pointe haben Sie garantiert mehrmals den Diercke Weltatlas konsultiert und sich eifrig Notizen gemacht. Aber es sei Ihnen gegönnt. Ich fürchtete schon, Sie stellten auf Privates ab. Ich verspüre ja durchaus einige Erleichterung, dass man vom Franken nicht mehr viel hört oder sieht seit der Wahl. Es sei denn, man öffnet auf dem Handy aus Versehen die Süddeutsche-App. Aber zurück zur Queen. Wie können wir helfen? Wir könnten zum Beispiel eine Postkarte schicken. „Dear Lilibet…“


Goertz Ich verstehe nicht?

Sieben Der Spitzname der Königin? Sie sorgen sich um die Queen, und dies ist Ihnen stets entgangen?

Goertz Meine Ehrfurcht lässt Privates nicht zu. Aber nun habe ich wieder etwas gelernt. Ich hätte besser aufpassen sollten, wenn Rolf Seelmann-Eggebert wieder mal eine königliche Hochzeit im Fernsehen moderierte.

Sieben Der Name ist tatsächlich dem Familienkreis und engen Freunden vorbehalten. Ihr Mann hingegen nannte sie liebevoll „Cabbage“ oder „Sausage“. Aber wir kommen nicht weiter. Haben Sie Postkarten und Briefmarken zur Hand?

Goertz Selbstverständlich. Sie diktieren, ich erledige den Rest. Ah, ich sehe, ich habe noch eine Blanko-Postkarte aus Nürnberg. Sollen wir mit „Söder” unterschreiben?

Sieben Noch besser, wir unterschreiben mit Söder, schicken die Karte aber an Meghan. „Liebe Meghan, ich bitte Sie, fliegen Sie nach Sandringham. Schauen Sie, wir alle sind müde. Aber es geht um die Krone. Mit vorzüglichen Grüßen, Earl Markus I of Nurembergshire.” Wir sprechen uns noch!