Geschwisterliebe unter Elefanten – wissenschaft.de

(Bild: Virpi Lummaa)

Einzelkinder haben es schwerer – das gilt auch bei Asiatischen Elefanten wie diesen rangelnden Jungtieren. Haben die Elefantenkälber ältere Geschwister, steigen ihre Überlebenschancen deutlich, wie eine Studie bestätigt.

Geschwister haben eine prägenden Einfluss auf unser Leben: Ob wir als Einzelkind aufwachsen oder ältere oder jüngere Brüder und Schwestern haben, beeinflusst unsere Persönlichkeit und Psyche, aber auch unsere Gesundheit, wie viele Studien belegen. Dass dies auch bei Tieren nicht anders ist, zeigt nun eine Untersuchung bei Asiatischen Elefanten in Myanmar. Dort haben Forscher um Vérane Berger von der Universität Turku den Werdegang von 2.344 Elefantenkälbern nachverfolgt, die zwischen 1945 und 2018 geborgen wurden.

Die untersuchten Elefanten leben in Myanmar halbwild: Tagsüber werden sie zur Waldarbeit oder als Zug- und Lasttiere eingesetzt, nachts können sie frei im Wald umherstreifen. Dort interagieren sie auch mit wildlebenden Artgenossen und paaren sich mit diesen. Die Elefantenkälber bleiben bis zum Alter von fünf Jahren im Wald bei ihren Müttern, erst dann werden sie eingefangen und zur Arbeit abgerichtet.

„Weil diese Elefanten in ihren natürlichen Habitaten leben, gibt es viele Gemeinsamkeiten mit wilden Elefanten, wie die Nahrungssuche und die freie Fortpflanzung“, erklärt Bergers Kollege Mirkka Lahdenperä. „Weil es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt, gehen wir davon aus, dass einige der Zusammenhänge, die wir in unserer Studie gefunden haben, auch für wilde Elefanten gelten.“

Die Auswertung der Daten zu den Elefantenkälbern ergab, dass es durchaus einen Unterschied bedeutete, ob die Jungelefanten als Einzelkinder oder mit älteren Geschwistern aufwuchsen. Gab es schon ältere Brüder oder Schwestern, steigerte dies die Überlebenschance der Kälber. Für weibliche Jungtiere erwiesen sich dabei vor allem die älteren Schwestern als hilfreich: Gab es diese, produzierten die jungen Elefantenkühe später im Schnitt zwei Jahre früher ihr erstes Kalb und lebten länger. Männliche Elefantenkälber legten schon früh mehr Gewicht zu, wenn sie ältere Schwestern hatten.

„Unsere Forschungen bestätigen, dass Geschwisterbeziehungen das Leben von Individuen formen“, erklärt Berger. „Das gilt vor allem bei sozialen Arten wie den Elefanten, bei denen kooperatives Verhalten essenziell für die Entwicklung, das Überleben und das Fortpflanzungspotenzial der einzelnen Tiere ist.“

Berlin Ernachrichten