Gelsenwasser sieht Wasserstoff qua nächste Technologie

Die Abläufe waren über Jahrzehnte gleich: Wenn eine Gemeinde oder eine Stadt ein neues Baugebiet erschlossen hat, gab es klare Standards. Große Abwasserkanäle wurde verbuddelt, Frischwasserleitungen auch. Dazu kamen Telefonleitungen in Kupfer oder in den letzten Jahren aus Glasfaser. Und selbstverständlich gehörten auch Gasleitungen zum Erschließungsprogramm.

Während es ohne (Ab-)Wasser-Leitungen auch in Zukunft nicht geht, haben Bauherren bei anderen Dingen längst eine (Anschluss-)Wahl. Niemand ist dazu verpflichtet, einen Festnetz-Telefonanschluss zu nehmen. Und auch beim Gas gibt es keine Anschluss-Pflicht. Ein Problem für die Versorger. Ganz besonders aber eine schwierige Rechenaufgabe für die Erschließung.

Gelsenwasser hat nun in Olfen das erste Mal angekündigt, dass es bei der Erschließung der Olfener Heide komplett auf Gasleitungen verzichtet. Natürlich gibt es dazu Alternativen. Eine Pelletheizung beispielsweise, finanziell vom Staat unterstützt. Zuschüsse gibt es auch für die Bauherren, die auf eine Wärmepumpe statt auf Öl und Gas setzen. Soll es aber mehr als 150 Tiefen-Bohrungen (knapp 100 Meter) im Baugebiet geben?

Gelsenwasser kann sich „kalte Nahwärme“ in Olfen vorstellen

Manfred Hochbein, Leiter der Gelsenwasser-Betriebsdirektion Münsterland, räumt im Gespräch ein, dass das große Unternehmen zumindest für den ersten Bauabschnitt der Olfener Heide den Bauherren keine Alternative bieten kann. „Wir hätten am liebsten vor der Erschließung einen Kontakt mit den Häuslebauern gehabt, um das Thema zu besprechen.“ Allerdings habe es kein Zeitfenster zwischen Grundstücksvergabe und Erschließung gegeben. Nach „vehementer Diskussion“ habe sich das Unternehmen deshalb für einen Verzicht auf ein Gasnetz entschieden. Die Aussage gilt für den ersten und auch den zweiten Bauabschnitt.

Aktuell sieht Hochbein für den 2. Bauabschnitt die Chance auf eine Alternative. Gelsenwasser will hier die sogenannte „kalte Nahwärme“ vorschlagen. Dabei handelt es sich um Wärmenetze mit einer zentralen Wärmepumpe, die mit sehr niedrigen Temperaturen nahe der Umgebungswärme betrieben werden (etwa im Bereich von 5 bis 35 Grad). Um derartige Netze wirtschaftlich betreiben zu können, muss es aber genügend Bauherren geben, die sich anschließen lassen. Im Raum stehe aber zudem die Frage, ob derartige Netze politisch gewollt sind. „Technisch sind die Dinge ausgereizt“, sagt Manfred Hochbein.

Nach Einschätzung des Gelsenwasser-Betriebsdirektors wird es zumindest mittelfristig eine weitere Alternative zur Wärmepumpe geben. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran.“ Hochbein ist sich sicher, dass „die nächste Technologie Wasserstoff ist.“ Gelsenwasser habe sich deshalb bereits auf den Weg gemacht, Netze wasserstofftauglich zu machen. Den größten „Flaschenhals“ sieht der Energiefachmann aktuell in der Verfügbarkeit von Wasserstoff. Hochbein geht davon aus, dass Wasserstoff zunächst der Industrie zur Verfügung steht, bevor es auch flächendeckend zum Einsatz kommen kann.

Energiebedarf ist in den vergangenen Jahren drastisch gesunken

Dabei ist eine rasante Entwicklung zu berücksichtigen: Manfred Hochbein rechnet vor, dass der Energiebedarf von Häusern in den vergangenen Jahren drastisch gesunken ist. Ein aktueller Neubau braucht nur noch 10 Prozent von einem beispielsweise 25 oder 30 Jahre alten Haus mit einer herkömmlichen Isolierung und Heizung. In der Bauphase aber ist für viele Familien die vordringliche Frage, wie hoch die Investition sein muss, um umweltschonend und vor allem kostensparend für wohlige Wärme zu sorgen.

Im Internet gibt es verschiedenste Portale, auf denen die Investitionskosten leicht berechnet werden können. Dabei geht es natürlich um die Frage der Hausgröße und die Zahl der Personen, die beispielsweise warmes Wasser benötigt. Als grober Maßstab werden hier meist Investitionskosten von 8000 Euro bis 13.000 Euro angegeben.

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