Gastkommentar zur Corona-Taskforce – Kein Redeverbot zu Händen die Wissenschaft

Die Taskforce zum Schweigen zu bringen, wäre grundfalsch. Doch müssen sich auch die Wissenschafter an Spielregeln halten.

Meinung

Publiziert heute um 15:35 Uhr

Differenzierte Risikobeurteilung: Die Epidemiologin Nicola Low von der Uni Bern ist Mitglied der Corona-Taskforce des Bundes.

Foto: Franziska Rothenbühler

Der Bundesrat hat direkt nach Pandemieausbruch eine wissenschaftliche Taskforce bestellt und sie breit zusammengesetzt. Das war eine weit vorausschauende Entscheidung. Als verantwortlicher Manager der «ausserordentlichen Lage» wollte er sich auf die bestmögliche wissenschaftliche Beratung stützen können, da auch in der Verwaltung kaum einschlägige Erfahrung vorhanden war. Der Bundesrat folgte in dieser kritischen Phase dem Modus rationaler Politik.

Heute, nach einem Jahre Pandemieerfahrung, versucht die Politik, die Kontrolle radikal zurückzugewinnen. Die Forderung, die Taskforce öffentlich zum Schweigen zu bringen, drückte die Frustration der Politiker und Politikerinnen über den Kontrollverlust der gesellschaftlichen Steuerung aus. Beim parteipolitischen Feilschen um Lockerungen wurde die wissenschaftliche Rationalität in den Hintergrund gedrängt. Die schrillsten Töne aus dem rechten Lager, der Taskforce das freie Äusserungsrecht gleich ganz abzusprechen, sind zwar wieder verstummt. Trotzdem lohnt es sich, über das Verhältnis von Politik und Wissenschaft nachzudenken.

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