Frauen in dieser Wissenschaft …

Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März hat APA-Science Forscherinnen aus unterschiedlichen Bereichen sowie einen Genderbeauftragten um ein kurzes Statement gebeten.

Margarethe Hochleitner, MedUni Innsbruck

Margarethe Hochleitner, MedUni Innsbruck

Frauen in der Wissenschaft …

“… haben uns gerade im Bereich der Medizin gezeigt, dass wir auf die Verschiedenheit der Menschen eingehen müssen, wenn wir maßgeschneiderte Medizinangebote und die bestmögliche Behandlung für jede Person anbieten wollen. Die durchgängige Integration von Diversität – dazu gehören neben Geschlechtsunterschieden auch Aspekte wie Alter, Bildung, religiöse und sexuelle Orientierung, Ethnie, soziale Situation, Migration, Krankheit oder Behinderung – muss in Forschung, Lehre und Behandlung forciert werden.”

Margarethe Hochleitner, Professorin für Medizin und Diversität an der Medizinischen Universität Innsbruck und Leiterin der Koordinationsstelle für Gleichstellung, Frauenförderung und Diversität

“… werden dringend gebraucht, ihre Teilhabe ist grundlegend für wissenschaftliche Exzellenz und Innovationskraft. Das AIT unterstützt Frauen auf ihrem Karriereweg, setzt sich dafür ein, junge Frauen für eine Karriere in den Naturwissenschaften zu begeistern und fokussiert auf das individuelle Potenzial und die notwendigen Rahmenbedingungen. Wir sehen unsere gesellschaftliche Verantwortung auch darin, die Sichtweise tradierter Rollenbilder zu verändern, indem wir die beeindruckenden Karrieren von Frauen kommunizieren.”

Helmut Leopold, Genderbeauftragter am Austrian Institute of Technology (AIT)

“… bekommen noch immer Steine in den Weg gelegt. Das verhindert das volle Ausschöpfen des Potenzials und verlangsamt daher auch den Fortschritt. Denn Ideen und Entwicklungen sollten Raum zum Entfalten haben, unabhängig davon, von wem sie kommen. Nehmen wir doch einfach unsere Kräfte zusammen und räumen die ‘sozialen’ Steine beiseite, um gemeinsam an den wissenschaftlichen Brocken zu arbeiten. Damit wir zukünftig gemeinsam, gestärkt und auf Augenhöhe zu Lösungen beitragen können.”

Elisabeth Mertl, Biotechnologin am OFI und ACR Woman Award-Preisträgerin

“… sollten durch sichtbare Vorbilder lernen, an sich zu glauben und ihren Fähigkeiten zu vertrauen. So wächst der Mut, an Verantwortung und Träume selbstsicher und spielerischer heranzugehen. Mit einer höheren Frauenquote ist die Geschlechterverteilung an unserem Institut gut balanciert. Für eine Chancengleichheit von Frauen in Toppositionen ist noch ein weiterer Faktor entscheidend: eine ausgewogene Bereitschaft von Männern und Frauen, auch nicht bezahlte Arbeit zu übernehmen.”

Barbara Petschacher, Institut für Biotechnologie und Bioprozesstechnik, Technische Universität Graz

“… sind in der Forschung der Ludwig Boltzmann Gesellschaft keine Seltenheit mehr. Auch in meinem Team im Bereich der Thoraxchirurgie sind Frauen gleich stark vertreten wie männliche Kollegen und werden von diesen voll akzeptiert. Die Zufriedenheit des ‘ganzen Menschen’ erfordert aber auch ein intaktes privates Umfeld. Innerbetriebliche, an die Arbeitszeiten adaptierte Kinderbetreuung ist hier ein wichtiger Angelpunkt, der an der MedUni Graz sehr gut verwirklicht wird.”

Freyja-Maria Smolle-Jüttner, Präsidentin der Ludwig Boltzmann Gesellschaft und Leiterin der Klinischen Abteilung für Thorax- und hyperbare Chirurgie an der Medizinischen Universität Graz

“… gehören zu den besten Köpfen. Leider sind sie nach wie vor unterrepräsentiert, gerade in höheren Positionen. Im Laufe meiner eigenen Karriere habe ich die Vorteile der Vielfalt in der Forschung und im wissenschaftlichen Diskurs immer wieder erlebt. Es lohnt sich daher für Frauen und Männer für einen Strukturwandel im Wissenschaftsbetrieb zu kämpfen, damit diese Vielfalt gedeihen kann und keine talentierten Frauen verloren gehen.”

Ulrike Tappeiner, Präsidentin der Freien Universität Bozen und Professorin für Ökosysteme und Landschaftsökologie an der Universität Innsbruck

“… sollen ihre Potenziale frei entwickeln und kreativ entfalten können, unbeeindruckt von ihrem Geschlecht.”

Astrid Veronig, Astrophysikerin an der Universität Graz und Leiterin des Observatoriums Kanzelhöhe

“… sind zunehmend erfolgreich, aber tatsächlich häufig noch kulturell und strukturell benachteiligt. Das zeigen z.B. Studien zu Publikationen, bei denen dieselben Arbeiten von Männern eher als von Frauen akzeptiert wurden – wenn die Namen sichtbar waren. Wurde anonym eingereicht, fielen diese Unterschiede weg. In meinem sehr interdisziplinär aufgestellten Bereich gibt es viele spannende und innovative Frauen. Hauptbaustelle ist die Emanzipation der Männer, die sich noch in die vielen neuen Rollen einfinden müssen, um selbstbewusst und zufrieden Zeit mit Kindern, pflegebedürftigen Eltern oder anderen sogenannten ‘Care-Aufgaben’ zu verbringen.”

Katrin Vohland, Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführerin des Naturhistorischen Museums Wien

“… sind wie Löwinnen: Sie jagen kleine Beute und sorgen für Stabilität. Wenn es aber um große Beute geht, greift ein Löwe ein und sichert sich den sprichwörtlichen Löwenanteil. Obwohl mit 58 Prozent der Frauenanteil am acib sehr hoch ist, sind Frauen generell auf dem Gebiet der industriellen Biotechnologie in der obersten Führungsebene immer noch eine Seltenheit. Wir sollten daher unser Selbstbewusstsein kultivieren und – mindestens genauso laut – brüllen wie die Löwen.”

Margit Winkler, Senior Scientist am Austrian Centre of Industrial Biotechnology (acib)

(APA/red, Foto: APA/MUI/C.Lackner)

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