Frage an die Wissenschaft – Wie steuern Kosmetika unser Wasser?

Priv.-Doz. Dr. Martin J. Kainz ist Ökotoxikologe und aquatischer Nahrungskettenforscher am WasserCluster Lunz.

Weinfranz

Viele Tausende Tonnen von Sonnencremen landen jährlich im Wasser. 2017 haben Wissenschafter beschrieben, dass Korallenriffe mit bis zu 16.000 Tonnen Sonnencremen pro Jahr belastet werden. Sonnencremen enthalten UV-Filter, die die Haut vor der Sonne schützen können. Dabei gibt es UV-Filter, die auf Kohlenstoff, wie etwa die Phenylbenzimidazolsulfonsäure (oder Ensulizol), oder Nanopartikel mit Zink oder Titan aufgebaut sind.

Beide Arten von UV-Filter beeinträchtigen die Lebewesen in Seen, Teichen, Flüssen oder Meeren negativ. Bereits geringe Konzentrationen von Zinkoxid oder Titandioxid verringern das Wachstum von Algen und schädigen die Zellmembranen von Mikroorganismen. Nanopartikel können Schwermetalle aufnehmen und diese an Tiere wie Zooplankton und Fische und schließlich bis zu den Menschen weitergeben. Die toxischen Bestandteile von Sonnencremen beeinflussen auch das Verhalten von Fischen negativ, etwa durch die Verringerung der Schwimmgeschwindigkeit.

Wichtig ist zu erwähnen, dass diese UV-Filter, ob kohlenstoffbasiert oder Nanopartikel, nur sehr langsam abgebaut werden und daher lange Zeit in den Gewässern bleiben können. Und wenn sie in Seen oder Flüsse gelangen, können diese toxischen Substanzen danach oft bis ins Meer transportiert werden und dort die Lebewesen weiterhin negativ beeinflussen. Auch mineralische Sonnencremen enthalten Zink oder Titan und sind nicht besser für die Umwelt.

Der WasserCluster Lunz hat Titanoxyde von Sonnencremen im Lunzer See nachgewiesen, in vielen anderen Badeseen findet man auch diese schwer abbaubaren Rückstände. Die Verwendung von Sonnencremen dient dazu, die Haut zu schützen, soll aber die Gewässer nicht belasten. Es wird empfohlen, Sonnencreme nicht im Überfluss zu verwenden, einwirken zu lassen und sich zu duschen, bevor man ins Wasser geht.