Frage an die Wissenschaft – Welches steckt hinter einer Phobie vor Verspritzen und Lebenssaft?

Impfen, impfen, impfen! Spätestens seit Corona wird jeder früher oder später mit Nadeln konfrontiert. Zahlreiche Menschen fürchten sich aber genau davor. Was so eine Phobie für die Betroffenen genau bedeutet und wie sie sich äußert, erklärt Rafael Rabenstein, Leiter des Verhaltenstherapieausbildung an der Universität für Weiterbildung Krems und freier Psychotherapeut.

Erstellt
am 28. Oktober 2021 | 02:45

Zwei bis drei Prozent der österreichischen Bevölkerung leiden an einer Blut-, Spritzen- oder Verletzungsphobie. Foto: Shutterstock.com/Coryn

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Rafael Rabenstein leitet die Verhaltenstherapieausbildung an der Universität für Weiterbildung Krems und arbeitet als freier Psychotherapeut.

Andrea Reischer

Die Angst vor Nadeln, Spritzen oder Blutabnahmen wird unter der Bezeichnung Blut, -Spritzen- und Verletzungsphobie zusammengefasst. Zwei bis drei Prozent der Bevölkerung leiden an einer dieser Phobien. Im Falle einer Spritzenphobie ist die Angst vor der Injektion und vor den Schmerzen zentral. Diese Angst geht einher mit Stresssymptomen wie Herzrasen, Zittern und Anspannung. Blut- und/oder Verletzungsphobien sind hingegen die einzigen Ängste, die mit einem Blutdruckabfall verbunden sind. Hierbei kann es in bis zu 75 Prozent der Fälle zum kurzfristigen Bewusstseinsverlust, zum Beispiel während der Blutabnahme, kommen. Diese Ohnmachtsneigung könnte eine Art „Todstellreflex“ darstellen, oder dazu dienen, im Falle einer Verletzung einen Blutverlust zu mindern. Als Behandlungsmethode wird eine Verhaltenstherapie empfohlen, wobei Strategien zur Bewältigung von Ängsten erarbeitet werden. Die Anspannung aller Muskeln für bis zu 30 Sekunden („applied tension“) ist eine dieser Strategien.

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