Fisch-Bestände vor Kollaps – Wie die VR China-Flotte unsrige Meere zerstört – Wirtschaft

Riesige Fangflotten sind auf den Weltmeeren unterwegs, und das hat verheerende Folgen: In manchen Meeres-Regionen stehen die Fischbestände vor dem Kollaps! Bedeutet: Es werden mehr Fische entnommen als überhaupt nachwachsen können.

Gut ein Drittel der Fischbestände ist nach Angaben der Welternährungsorganisation schon überfischt. Schuld daran sind unter anderem staatliche Subventionen, vor allem für Treibstoff, die viele sonst unrentable Fischfang-Expeditionen in ferne Meere erst lukrativ machen.

Im Kampf gegen schädliche staatliche Fischerei-Hilfen drückt die Welthandelsorganisation (WTO) aufs Tempo. WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala ist zuversichtlich, dass die kürzlich begonnenen Verhandlungen nach 20 Jahren zügig zu Ende gebracht werden können.

„20 Jahre ist sehr lang, und wenn wir 20 Jahre weiterverhandeln, gibt es keinen Fisch mehr“, sagte Verhandlungsführer Santiago Wills, der Botschafter Kolumbiens, nach Abschluss des Online-Ministertreffens Mitte Juli in Genf.

Ein Drittel der Arten bereits überfischt

Die Rettung der Fischbestände ist Ziel der Verhandlungen. Ein Drittel der Arten ist bereits überfischt. Milliarden Menschen weltweit sind auf Fisch als wichtige Proteinquelle angewiesen. Umweltschützer verlangen auch, dass Menschen in reichen Ländern weniger Fisch essen, weil sie andere, etwa pflanzliche Proteinquellen haben, wie WWF-Fischerei-Expertin Anna Holl sagte.

„Fischerei muss nach klaren, verlässlichen Regeln funktionieren, sonst sind Überfischungen die Folge“, sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU).

„Wir fischen viel zu viele Fische aus dem Meer und zerstören durch nicht umweltschonende Fanggeräte die Lebensräume unserer Meere. Doch dieses Problem kann schnell behoben werden! Wir brauchen nur politische Führung“, erklärt Dr. Katja Hockun von der Deutschen Umwelthilfe gegenüber BILD.


Foto: —/dpa

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Es werden zu viele Jungtiere entnommen, sodass sich Bestände nicht erholen könnenFoto: —/dpa

Arbeit für 60 Millionen Menschen

Der Fischfang in Zahlen:

► Die Gesamtmenge der Fischfänge weltweit ist nach FAO-Angaben bei rund 85 Millionen Tonnen im Jahr seit den 90er-Jahren stabil.

► 60 Millionen Menschen arbeiten in der Fischerei.

► Für drei Milliarden Menschen ist Fisch die wichtigste Proteinquelle, meldet der WWF.

Schleppnetz-Horror

Unter anderem, weil viele Fischarten schon so knapp sind, wird heute dieselbe Fischmenge von viel mehr Schiffen gefangen, und viel öfter von großen kommerziellen Flotten.

Diese Boote setzen oft schädliche Schleppnetze ein, in denen Schildkröten, Wale und Delfine verenden. Fremde Boote fischen in den Wirtschaftszonen von Küstenländern, die keine Mittel für Patrouillen haben.

Es werden zudem zu viele Jungtiere entnommen, sodass sich Bestände nicht erholen können. Auf der Strecke bleiben auch kleine Fischer, oft in Entwicklungsländern, die in Küstennähe weniger Fisch finden und kein Geld haben, um weiter hinauszufahren.

Flotten-Betreiber halten sich nicht an die Regeln

Eigentlich wird die Fischerei in fast allen Ozeanregionen von 17 regionalen Organisationen für das Fischereimanagement (RFMO) organisiert und kontrolliert. Sie überwachen die Bestände und erteilen Lizenzen für Fangkontingente.

Allerdings halten sich nicht alle Fischer und Flottenbetreiber an die Regeln.

Illegale Fischer schalten Ortungsgeräte aus

Illegale, nicht gemeldete und unregulierte Fischerei ist ein großes Problem. Boote fischen in den Hoheitsgewässern anderer Länder, schalten ihre Ortungsgeräte aus, um nicht entdeckt zu werden, fischen Arten, die unter Schutz stehen.

Im Index der „Globalen Initiative gegen transnationale organisierte Kriminalität“ kommt China am schlechtesten weg, gefolgt von Taiwan, Kambodscha und Russland.

Gigantische China-Flotte

Problematisch ist das Fischen in Gewässern fernab der heimischen Küsten. Hier sind die EU-Länder mit rund 250 und die USA mit rund 300 Booten Zwerge.

China stellt alles in den Schatten: Offiziell gab es 2019 rund 2700 registrierte Fernfischerboote. Aber nach Analysen von 2020 sind rund 17 000 chinesische Boote fernab der Heimat auf Fang.


Auch die Hering-Bestände sind in GefahrFoto: picture alliance / ZB

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Auch die Hering-Bestände sind in GefahrFoto: picture alliance / ZB

Fatale Subventionen

Einer kanadischen Studie zufolge betrugen die Fischerei-Subventionen weltweit 2018 rund 35,4 Milliarden Dollar (knapp 30 Milliarden Euro). Mit einigen Milliarden werden zwar gutes Fischereimanagement und nachhaltiger Fischfang gestärkt, aber 63 Prozent der Gelder fließen laut Studie in schädliche Subventionen, vor allem für Treibstoff.

„Für die Verbraucher bedeuten die Subventionen, die es für die zerstörerischen Industrie-Fischereien gibt, dass sie für ihren Fisch bereits das Doppelte zahlen – erstens, wenn sie Steuern zahlen, und zweitens, wenn sie den Fisch kaufen“, erklärt Hockun.

Und weiter: „Schlimmer noch, die Verbraucher finanzieren durch ihre Steuern die weiten unwirtschaftlichen Fangreisen von zerstörerischen Fischereiflotten und tragen damit noch zu mehr CO2-Verschmutzung bei.“


Gefährdete Fischarten – welche Arten sie vermeiden sollen

Wer subventioniert den Raubbau an den Meeren?

Mit Abstand größter Zahler schädlicher Subventionen ist nach der kanadischen Studie China. Dort wurden 5,9 Milliarden Dollar gezahlt, von Japan 2,1 Milliarden Dollar und von der EU zwei Milliarden Dollar.

„Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die EU in diesen abschließenden WTO-Verhandlungen eine konstruktive Rolle spielt und auf die Abschaffung aller schädlichen Subventionen, insbesondere der Subventionen für Kraftstoff, drängt“, so Hockun.

Etwas Hoffnung

Es sollen nun Subventionen für Boote verboten werden, die bei illegalem Fang erwischt wurden, sowie für Boote, die nach bereits überfischten Arten suchen und für solche, die fern der heimischen Gewässer fischen.

Vertreter von 128 Ländern äußerten sich bei dem Treffen am 15. Juli in Genf. Das finale Abkommen soll im Dezember unterzeichnet werden. Es soll Subventionen für illegale Fischerei stoppen sowie für Aktivitäten, die zur Überfischung oder weiteren Dezimierung der Bestände führen. „Wir hätten uns kein besseres Ergebnis wünschen können“, sagte Ngozi.

Sie habe die politische Unterstützung bekommen, die sie gesucht habe. Aber es müssten noch eine Reihe von Differenzen überbrückt werden. Viele Delegationen verlangten Änderungen am Vertragsentwurf. Von einem Durchbruch kann noch keine Rede sein!


WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala aus NigeriaFoto: DENIS BALIBOUSE/REUTERS

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WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala aus Nigeria am 15. Juli in GenfFoto: DENIS BALIBOUSE/REUTERS

Wie verhält sich China?

Unklar ist, wer wie feststellt, ob ein Boot an illegaler Fischerei beteiligt war und wie lange Subventionen dann eingestellt werden, oder welche Bestände überfischt und welche Managementmethoden angemessen sind, um Überfischung zu vermeiden.

Einer der größten Knackpunkte aus EU-Sicht ist die Tatsache, dass China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, in der WTO den Status als Entwicklungsland beansprucht, für die „Sonder- und Vorzugsbehandlung“ gilt. Das können Ausnahmen von Verpflichtungen sein oder längere Übergangsfristen zur Umsetzung von Maßnahmen.

Es gehe aber nicht an, dass Ausnahmen für selbst deklarierte Entwicklungsländer gälten, die zu den größten Fischproduzenten und Subventionsgebern gehörten, sagte die US-Handelsbeauftragte Katherine Tai, welche auch Maßnahmen gegen Zwangsarbeit auf Fischerbooten verlangt.

Europäer und Amerikaner bestehen darauf, dass China mit der größten Fischfang-Flotte der Welt von solcher Vorzugsbehandlung explizit ausgenommen wird.

Was kann das Abkommen erreichen?

Die amerikanische Umweltorganisation „Pew Charitable Trusts“ schätzt, dass die Fisch-Gesamtmenge in den Weltmeeren bei Abschaffung sämtlicher schädlicher Fischerei-Subventionen bis 2050 um 12,5 Prozent steigen würde.

Das wären 35 Millionen Tonnen mehr Fisch – dreimal so viel Fisch, wie in Afrika in einem ganzen Jahr gegessen wird.