“Fiasko” um AstraZeneca: Hat Politik nicht uff Wissenschaft gehört?

Oft werden Menschen, die sich mit AstraZeneca haben impfen lassen, mit Mitleid betrachtet – besonders von denen, die einen mRNA-Impfstoff von BioNTech oder Moderna bekommen haben. Das schreibt der Schriftsteller Douglas Coupland, der in Kanada lebt und sich mit AstraZeneca hat impfen lassen. Der Autor von “Mc Job” und “Generation X” meint, dass die Verantwortlichen in Kanada bei ihren Entscheidungen gegen AstraZeneca “eher von Politik und Ungeschicklichkeit als von Wissenschaft angetrieben wurden”.

Es sei auch typisch, dass seine Generation X nur die Restbestände der Impfstoffe bekomme. Dabei sei er mit AstraZeneca sehr zufrieden, denn das sei ein hervorragendes Vakzin.

Andere in Kanada fordern, dass das Land die über das Programm COVAX erhaltenen Dosen von AstraZeneca an andere Länder abgeben sollte, statt diese ungenutzt herumliegen zu lassen. Dr. Irfan Dhalla, ein Facharzt für Innere Medizin in Toronto, sagte laut CBC, dass Kanada die Dosen sofort weterleiten solle. “Wir sollten definitiv keine Dosen des AstraZeneca-Impfstoff in Kühlschränken lagern, während Tausende von Menschen jeden Tag in Indien, und andere Länder auf der ganzen Welt sterben und verzweifelt um einen hochwirksamen Impfstoff bitten,” sagte er.

In Kanada wie in Deutschland sollten jüngere Geimpfte, die eine erste Dosis von AstraZeneca bekommen haben, als zweite Dosis einen mRNA-Impfstoff erhalten.

Bei wem treten die Nebenwirkungen auf?

Die sehr seltene schlimme Nebenwirkung des Impfstoffs von AstraZeneca wird auf Deutsch jetzt TTS – Thrombose mit Thrombozytopenie Syndrom – genannt. Das Ärzteblatt berichtet, dass die Wissenschaft von einer Inzidenz von 2,2 pro 100.000 bei Frauen unter 60 Jahren und 2,0 pro 100.000 bei Männern unter 60 Jahren ausgeht.

Die Gefährdung durch die Nebenwirkung ist also vor allem bei älteren Patientinnen und Patienten extrem gering im Vergleich zu dem Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken.

Professor Dr. Andreas Greinacher, Leiter der Abteilung Transfusionsmedizin am Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin in Greifswald, ist DER Experte in Deutschland bei der Erforschung der Nebenwirklungen des AstraZeneca-Vakzins. Greinacher führt den inzwischnen widerlegten Ansatz, dass vor allem Frauen von den schweren Thrombosen betroffen sein sollen, darauf zurück, dass am Anfang vor allem im Gesundheitswesen Beschäftigte geimpft wurden.

Er bestätigt zudem, dass in Großbritannien und in Kanada, wo auch viele ältere Menschen mit Vaxzevria von AstraZeneca geimpft wurden, auch in den höheren Altersstufen TTS aufgetreten sei. Das besagt auch eine Studie von Neurolog:innen aus Deutschland, auf die dieser Artikel weiter unten zurückkommt.

Professor Greinacher geht davon aus, dass das Risiko schwerer Komplikationen bei der zweiten Impfung geringer ist – aber nicht gleich Null: “Eine gut überstandene erste Impfung schließt Komplikationen bei der zweiten Impfung nicht sicher aus.”

André Karch, stellvertretender Direktor des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin am Universitätsklinikum Münster, kritisierte die Aufhebung der Priorisierung von Risikogruppen für die beiden Vektorimpfstoffe von AstraZeneca sowie Johnson & Johnson in Deutschland. Der Epidemiologe hält es für dringend notwendig, zuerst all die Menschen zu impfen, denen ein schwerer Verlauf von Covid-19 droht.

Wie wenn man den schlafenden Drachen ärgert

Professor Greinacher erklärte bei einer Pressekonferenz des Science Media Center: “Durch diese Impfung wird ein evolutionär ziemlich altes Immunsystem zum Arbeiten angeregt. Ich habe schon manchmal das Vergleichsbild genommen, es ist so, als wenn Sie sich einen Drachen in irgendeiner Höhle vorstellen, den man möglichst tunlichst ruhen lässt. Und durch die Impfung wird dieser geärgert und beginnt dann langsam aufzuwachen und nach einer Woche irgendwo ärgerlich zu werden. Und dann ist es völlig egal, was ihn aufgeweckt hat. Der Impfstoff ist zu dem Zeitpunkt bestimmt nicht mehr im Blut zirkulierend, sondern dann läuft eine Immunreaktion quasi auf Autopilot, die dann diese starken Gerinnungsaktivierungen durchführt. Wir wissen mittlerweile auch, dass Patienten, die diese Immunreaktion zeigen, auch weitere andere starke Antikörper-Reaktionen zeigen, so dass eine insgesamt überschießende Immunreaktion bei diesen Menschen auftritt. Warum das jetzt bei einem von 40.000 oder 50.000 Menschen nach der Impfung auftritt und bei den anderen 49.999 nicht, das ist im Moment noch unklar.”

Die Uniklinik Greifswald, die an der Aufarbeitung des Falles der Krankenschwester aus Zwettl in Österreich mitgearbeitet hatte, die nach der Impfung mit AstraZeneca verstorben war, meldete schon am 19. März 2021 auf ihrer Internetseite: “Therapie für seltene Hirnvenenthrombosen gefunden.” Danach hat das Forscherteam um Professor Andreas Greinacher die Erkenntnisse im “New England Journal of Medecine” veröffentlicht. Die Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass Antikörper an Blutplättchen andocken und sie so aktivieren. Die Blutplättchen können dann verklumpen und die Zahl der Plättchen insgesamt reduzieren.

Vergleichbare Probleme gibt es als Nebenwirkung von Heparin. Dieses Medikament verhindert die Blutgerinnung.

Mitte März hatte in Norwegen Professor Pål André Holme von der Uniklinik Oslo eine ähnliche Theorie wie die Kollegen von der Uniklinik Greifswald aufgestellt. Er hatte drei Beschäftigte des Gesundheitswesens, die nach der Impfung an Blutgerinnseln litten, behandelt. Holme sagte, dass die Blutgerinnsel durch eine starke Immunantwort produzierte Antikörper, die an die Blutplättchen andocken, ausgelöst werden könnten. Doch laut norwegischen Medien – wie VG – unterstrich Holme, dass dies bisher nur eine Hypothese sei. In Norwegen wird AstraZeneca inzwischen nicht mehr verimpft.

“Unsere Theorie ist, dass es sich hierbei um eine heftige Immunreaktion handelt, die sehr wahrscheinlich auf die Impfung folgt. Zusammen mit der Sektion für fortgeschrittene Thrombozytenimmunologie am Universitätskrankenhaus von Nordnorwegen (UNN) haben wir spezifische Antikörper gegen Thrombozyten nachgewiesen, die ein Bild ergeben können, das wir auch aus anderen Bereichen der Medizin kennen, dort aber von Medikamenten ausgelöst”, erklärte der Chefarzt in Oslo.

Vergleichbare Probleme gibt es als Nebenwirkung von Heparin. Dieses Medikament verhindert die Blutgerinnung und soll eigentlich vor Blutgerinnseln schützen.

AstraZeneca in Brasilien teilweise – in der Slowakei ganz ausgesetzt

In Brasilien hat die nationale Gesundheitsbehörde am 10. Mai 2021 empfohlen, Schwangere nicht mehr mit dem Vakzin von AstraZeneca gegen das Coronavirus zu impfen. Zuvor hatten bereits die Regionalregierungen von Sao Paulo und Rio de Janeiro die Impfungen von Schwangeren mit AstraZeneca gestoppt. Es war von einem “Zwischenfall” in Rio de Janeiro die Rede, dieser wurde aber nicht offiziell bestätigt.

An diesem Dienstag hat die Slowakei angekündigt, dass keine Erstimpfungen mit Vaxzevria von AstraZeneca mehr vorgenommen werden. Menschen, die eine erste Dosis des Vakzins bekommen haben, erhalten aber wie geplant ihre Zweitimpfung mit AstraZeneca, teilte das slowakische Gesundheitsministerium mit.

Ansturm auf freigegebene Impfungen in Deutschland

Am zweiten Mai-Wochenende hat es in vielen deutschen Städten lange Schlangen vor Impfzentren gegeben, in denen AstraZeneca für alle angeboten wurde. Auf Fotos im Internet war zu sehen, dass in Stuttgart so viele gekommen waren, dass Menschenmassen ohne Abstand auf eine Impfung warteten.

Auch in Hamburg und in Köln wollten sich vor allem Jüngere mit dem fur alle freigegebenen Vakzin gegen Covid-19 impfen lassen. An diesem Montag hat Gesundheitsminister Jens Spahn auch die Beschränkungen für den Impfstoff von Johnson & Johnson – bei dem nur eine Dosis notwendig ist – aufgehoben.

Frühere 2. Impfung in der Kritik

Jens Spahn hatte zuvor angekündigt, dass die eigentlich nach 12 Wochen vorgesehene Zweitimpfung mit dem Vakzin von AstraZeneca vorgezogen werden könnte. Dem WDR sagte er am 6. Mai: “Die Zweitimpfung haben jetzt viele lieber früher, auch mit Blick auf den Sommer – das geht mit Astrazeneca auch innerhalb der Zulassung.”

Allerdings verweisen Expert:innen und auch die StiKo,die Ständige Impfkommission, darauf, dass der Impfstoff weniger wirksam ist, wenn die Zweitimpfung schon vorher stattfindet.

Die Wirksamkeit der Zweitimpfung – des sogenannten Boostens – beträgt nach vier bis acht Wochen laut der europäischen Arzneimittelbehörde EMA 50,4 Prozent. Bei zwölf und mehr Wochen liegt sie bei 72,1 Prozent bis 82,4 Prozent.

Der Virologe Karl Lauterbach antwortet auf Twitter der Userin MissMilchKaffee, die fragt: “Hab ich richtig verstanden, statt den Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung zu strecken, damit möglichst viele einen Erstschutz erhalten, ziehen wir die Zweitimpfung vor, damit die, die schon geimpft sind, schnell in den Urlaub können?” Die Antwort des SPD-Gesundheitsexperten lautet: “Das ist leider nicht ganz falsch verstanden. Epidemiologisch wäre ein anderes Vorgehen sinnvoller gewesen. Durch frühe AstraZeneca Zweitimpfung fehlen nötige Erstimpfungen und der endgültige AstraZeneca Impfschutz sinkt ab, was für Mutationen im Herbst kein Vorteil ist.”

Auch in anderen europäischen Staaten ist der zweite Impftermin inzwischen ein Argument gegen AstraZeneca, denn wer Ende Mai eine Erstimpfung bekommt, erhält die Zweitimpfung im Prinzip erst im Juli – und dann gilt es nochmals mindestens eine Woche zu warten, bevor das Vakzin die volle Wirksamkeit entfaltet.

AstraZeneca in Deutschland für alle freigegeben

In Deutschland ist der Impfstoff von AstraZeneca gegen das Coronavirus für alle freigegeben. Das hat Gesundheitsminister Jens Spahn am 6. Mai 2021 nach Beratungen mit Vertretern der Bundesländer erklärt.

In Pforzheim hat eine Ärztin schon zuvor 250 Dosen, die ihre Patientinnen und Patienten nicht wollten, einfach auf dem Parkplatz eines Supermarkts verimpft. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth konnte sich über den Erfolg ihrer Aktion freuen. Sie sagte: “Die heute hierher kommen, haben ihre persönliche Risiko-Abwägung getroffen. AstraZeneca ist ein zugelassener sicherer Impfstoff – gerade für Ältere. Die EMA hat ihn auch für jüngere Patienten in der EU zugelassen und geprüft. Er ist so ein bisschen zu Unrecht in Verruf geraten – denk ich.”

Risiko laut Studie auch für über 60-Jährige

Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) von Anfang Mai 2021, die im Preprint veröffentlicht wurde – also noch nicht von wissenschaftlichen Kolleg:innen geprüft ist – zeigt allerdings, dass auch bei über 60-jährigen Frauen nach einer Impfung mit AstraZeneca ein sehr geringes Risiko einer Hirnvenenthrombose besteht.

Der Anteil von Sinusvenenthrombosen war nach einer AstraZeneca-Impfung mehr als neunmal höher als nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff von BioNTech oder Moderna. Und die Rate war bei Frauen im Vergleich zu der von Männern mehr als dreimal so hoch.

Laut SPIEGEL ONLINE wollen die Autoren der Studie aber keineswegs Angst vor AstraZeneca verbreiten. “Wir stellen damit nicht die Impfung infrage, auch nicht das AstraZeneca-Vakzin, denken aber, dass alle Personen, vor allem Frauen, vor der Impfung über dieses Risiko aufgeklärt werden sollten, gerade auch im Hinblick darauf, auf welche Symptome sie im Nachgang zu achten haben”, sagt DGN-Präsident Christian Gerloff. “Außerdem sollte sehr zeitnah eine neue Risiko-Nutzen-Bewertung durch die zuständigen Behörden erfolgen.”

Laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) gab es in Deutschland bis zum 15. April 2021 insgesamt 59 Fälle von Hirnvenenthrombosen – davon 45 Frauen und 14 Män­ner – bei mehr als 4 Millionen mit dem Vakzin von AstraZeneca Geimpften.

Auf Deutsch werden die seltenen Komplikationen auch Vakzin-induzierte thrombotische Thrombozytopenie oder VITT, die nach Impfungen mit Astrazeneca oder Johnson & Johnson auftreten können.

Zu den seltenen Thrombosen gehörten venöse Thrombosen an den großen Hirnvenen (Sinusvenenthrombosen), an Bauchvenen (Splanchnikusvenen) sowie arterielle Thrombosen. Das Paul-Ehrlich Institut berichtet, die meisten der bisher aufgetretenen Fälle betrafen Personen unter 60 Jahren innerhalb von zwei Wochen nach Erhalt der ersten Dosis.

Einige vergleichen das Risiko zur Veranschaulichung mit einem Lotto-Gewinn.

Wenn Ältere nicht mit AstraZeneca geimpft werden wollen, ist das unsolidarisch

In vielen Ländern gibt es Vorbehalte gegen den Impfstoff von AstraZeneca – auch bei über 60-Jährigen, obwohl das Vakzin laut Studien für ältere Menschen besonders sinnvoll ist.

In Europa können sich die Menschen den Impfstoff eigentlich nicht aussuchen, aber nicht nur in Deutschland lehnen einige AstraZeneca ab, weil sie lieber später mit einem anderen Vakzin geimpft werden wollen. LIBERATION berichtet aus einem Impfzentrum in Lille, wo die 62-jährige Nadia erklärt: “Für mich ist es Pfizer oder gar nichts.” Sie wolle nur mit BioNTech/Pfizer geimpft werden, AstraZeneca hätte sie schon vor einem Monat bei ihrem Hausarzt bekommen können. Durch dieses Verhalten wird die Impf-Kampagne verzögert.

In Frankreich erlaubt die Priorisierung eigentlich, dass inzwischen auch über 50-Jährige geimpft werden können. In der Realität gibt es aber bisher nicht genug Impfstoff, um die zuletzt zugelassenen Gruppen tatsächlich zu impfen.

Der Virologe Christian Drosten hatte im NDR-Podcast erklärt: “Die jüngeren Leute im ganzen Land haben sich jetzt in ihrem Leben seit über einem Jahr eingeschränkt, mit Rücksicht auf die Älteren. (…) Wenn über 60-Jährige jetzt sagen: Och, ich nehme doch lieber später Biontech als jetzt eine Astra-Dosis, da muss man wirklich sagen: Dann nimmt man im Juni einem Jüngeren die Impfung weg! Das ist nicht in Ordnung!”

In Berlin können sich seit dem 3. Mai 2021 Menschen über 60 Jahren, Lehrer:innen weiterführender Schulen und Supermarkt-Beschäftigte impfen lassen, allerdings gibt es laut Senat keine zeitnahen Termine. Mitte April hatte die Berliner Ärztekammer einen Aufruf gestartet: “Wir möchten alle Berlinerinnen und Berliner über 60 Jahren dringend darum bitten, sich mit dem Impfstoff AstraZeneca impfen zu lassen.”

Behörden in Kanada setzen nicht mehr auf AstraZeneca

In Kanada sind viele geschockt, die bereits eine erste Dosis des Vakzins von AstraZeneca bekommen haben. Seit dieser Woche empfiehlt die für Impfungen zuständige Gesundheitsbehörde CCNI vor allem die mRNA-Impfstoffe von BioNTech und Pfizer. Vaxzevria des britisch-schwedischen Herstellers soll gar nicht mehr bestellt werden.

Wie La Presse berichtet, halten das viele, die bereits eine erste Dosis AstraZeneca bekommen haben, für die falsche Strategie. Sie meinen, die Gesundheitsbehörden sollten alles tun, um die Menschen dazu zu bewegen, sich impfen zu lassen. Der 57-jährige Gilber Paquette sagt: “Ich bin schockiert und enttäuscht. Sie sollten die Risiken abwägen: das der Thrombose im Vergleich zu dem einer Covid-19-Erkrankung.”

Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau (49) und seine Frau Sophie Grégoire Trudeau (45) waren mit dem Impfstoff von AstraZeneca gegen Covid-19 geimpft worden. Auf Twitter veröffentlichte der Regierungschef die Fotos der Impfung – und rief die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich für einen Impftermin anzumelden. “Wir sind dran, uns impfen zu lassen, das haben Sophie und ich getan”, schrieb Trudeau. “Und wir sind sehr zufrieden.”

AstraZeneca und BioNTech schon nach 1. Dosis hochwirksam

Eine neue Studie aus Großbritannien, die in der Fachzeitschrift THE LANCET veröffentlicht wurde, zeigt auf, dass die Impfstoffe von BioNTech und AstraZeneca gegen Covid-19 schon nach der ersten Dosis eine höhere Wirksamkeit entfalten als ursprünglich von den Herstellern angegeben.

Dabei wurden mehr als 620.000 Menschen mit einer Erstimpfung befragt, die zwischen Dezember 2020 und März 2021 geimpft worden waren. Das Forscherteam beobachtete eine signifikante Verringerung des Infektionsrisikos ab dem 12. Tag nach einer ersten Impfstoffdosis – nämlich 60% für AstraZeneca und 69% für BioNTech nach 21 bis 44 Tagen.

Fragen zum Tod eines Studenten in Nantes nach Impfung mit AstraZeneca

Am 18. März 2021 ist der 24-jährige Anthony tot in seiner Wohnung in Nantes aufgefunden worden. Seine Familie hatte Alarm geschlagen, weil er sich nicht meldete. 10 Tage zuvor war der Medizinstudent mit dem Vakzin von AstraZeneca gegen Covid-19 geimpft worden. Medizinstudenten im 6. Ausbildungsjahr wie Anthony arbeiten im Krankenhaus, deshalb sind viele von ihnen als Gesundheitspersonal inzwischen geimpft.

Am 1. Mai hat der Anwalt von Anthonys Familie über den Obduktionsbericht informiert, wie Ouest France meldet. “Der Bericht deutet darauf hin, dass die Todesursache eine abdominale Thrombose (…) in der Milz durch gerade erst gebildete Gerinnsel ist”, sagte der Anwalt Etienne Boittin. Bei Anthony sei “jede Infektion, jeder Virus, Krebs oder Tumor, die eine Thrombose erzeugen können”, ausgeschlossen worden. Die Obduktion hat den Impfstoff als Auslöser der Thrombose nicht nachgewiesen. Die Ermittlungen dauern an.

Anwalt Boittin erklärte, dass er etwa 15 Familien vertrete, deren Angehörige nach einer Impfung mit AstraZeneca in Frankreich verstorben sind. Die allermeisten seien jünger als 60 Jahre alt.

Seit dem 19. März wird AstraZeneca in Frankreich nur noch für über 55-Jährige empfohlen. Bis Ende April waren 3,2 Millionen Menschen im Land mit AstraZeneca geimpft worden. Insgesamt sind in Frankreich bis zum 1. Mai 104.675 Menschen an Covid-19 verstorben.

Bußgeld für Astra-Zeneca-Verweigerer in Schweden

In Schweden haben mehrere Personen ein Bußgeld aufgebrummt bekommen, weil sie sich nicht mit AstraZeneca impfen lassen wollten. In der Stadt Kalmar sind einige wieder umgekehrt, als sie wie der Rentner Staffan Lägerstrom und seine Frau erst in der Arztpraxis erfahren haben, dass sie das Vakzin Vaxzevria von AstraZeneca gespritzt bekommen sollten. Die südschwedische Stadt Kalmar verhängt in solchen Fällen, wenn die älteren Menschen den Impftermin nicht einhalten, eine Strafe von umgerechnet etwa 20 Euro.

Ziel der Bußgelder ist es, keine Impfstoffe verfallen zu lassen. Die schwedischen Gesundheitsbehörden empfehlen eine Impfung gegen Covid-19 mit AstraZeneca für über 65-Jährige – die Nachbarländer Dänemark und Norwegen haben Vaxzevria von AstraZeneca gestoppt.

In Schweden waren bis zum 30. April 2021 laut offiziellen Angaben 24,86% der Bevölkerung mit einer Dosis geimpft worden. Die 7-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 liegt am 4. Mai bei 349,1.

Im April hatte sich Staatsepidemiologe Anders Tegnell in Stockholm mit AstraZeneca impfen lassen.

Die schwedische Regierung hat Anfang Mai angekündigt, dass das Land 1 Million Dosen des Impfstoffs von AstraZeneca dem Covax-Programm zur Verfügung stellt. Covax steht für “Covid-19 Vaccines Global Access” – mit diesem Projekt der WHO, der EU-Kommission und von Frankreich sollen Impfstoffe fair verteilt werden – vor allem an Länder, die sich sonst kaum oder keine Vakzine leisten könnten.

Geimpfte in Deutschland können per App und im Internet Nebenwirkungen angeben

Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat zusammen mit dem Paul-Ehrlich-Institut eine Internet-Seite eingerichtet, auf der Nebenwirkungen von Impfungen gegen Covid-19 gemeldet werden können.

Die Nebenwirkungen können auch über die App “SafeVac” weitergegeben werden.

Da die Geimpften bei den Informationen über Nebenwirkungen in ihrem Impfpass verzeichnete Nummern angeben sollen, bitten die Behörden darum, diese Daten nicht öffentlich zu machen. Es besteht die Gefahr, dass Daten gekapert und von Impfgegner:innen für falsche Angaben genutzt werden.

168 Fälle von Blutgerinnseln in Großbritannien

In Großbritannien hat es den Gesundheitsbehörden zufolge bis Mitte April 168 Fälle von seltenen Blutgerinn­seln nach einer Impfung gegen Covid-19 mit dem Vakzin des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca gegeben. Bei 21,2 Millionen Menschen, die mit AstraZeneca geimpft wurden, spricht Mediziner Adam Finn von der Universität Bristol laut Ärzteblatt von einem “sehr seltenen Ereignis”. Betroffen waren 93 Frauen und 75 Männer.

Insgesamt sind 45.580.400 Menschen in Großbritannien bis zum 23. April mit mindestens einer Dosis geimpft worden – also fast die Hälfte davon mit AstraZeneca.

Von den 168 Blutgerinnseln waren 77 Fälle von Sinusvenenthrombosen. 32 Menschen sind verstorben. Das Durchschnittsalter der Betroffenen lag bei 47 Jahren.

Die britischen Gesundheitsbehörden hatten trotz der uneingeschränkten Empfehlung der EMA ihren Umgang mit dem AstraZeneca-Impfstoff. am 7. April geändert. Der Chef des Impfkomitees Jonathan Van-Tam erklärte, das Vakzin sei “ein enormer Erfolg”, aber eine “Kurskorrektur” sei notwendig. Deshalb sollten junge Leute unter 30 Jahren in Großbritannien ein anderes Impfangebot bekommen. Grundsätzlich ist die Gefahr einer schweren Erkrankung durch Covid-19 bei jungen Leuten viel niedriger als bei älteren.

Norwegen bleibt bei vorläufigem Stopp von AstraZeneca

Nach Dänemark hat auch Norwegen AstraZeneca-Impfungen weiterhin gestoppt. Die Regierung verschob die Entscheidung auf den Monat Mai. Das norwegische Institut für öffentliche Gesundheit hat am 15. April 2021 empfohlen, die weitere Verwendung des Impfstoffs von AstraZeneca (Vaxzevria) im Rahmen des Coronavirus-Impfprogramms im Land einzustellen.

“Wir wissen jetzt wesentlich mehr über den Zusammenhang zwischen dem AstraZeneca-Impfstoff und den seltenen, aber schweren Vorfällen mit niedrigen Thrombozytenzahlen, Blutgerinnseln und Blutungen, als zu dem Zeitpunkt, als Norwegen im März beschloss, die Verwendung des AstraZeneca-Impfstoffs zu pausieren”, sagt Geir Bukholm, Direktor der Abteilung für Infektionskontrolle und Umweltgesundheit am Norwegischen Institut für öffentliche Gesundheit.

“Da es in Norwegen nur wenige Menschen gibt, die an COVID-19 sterben, wäre das Risiko, nach der Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff zu sterben, höher als das Risiko, an der Krankheit zu sterben, insbesondere für jüngere Menschen”, sagt Bukholm.

In der Erklärung der Behörden heißt es auch: “Außerdem gibt es Grund zu der Annahme, dass es in Norwegen Skepsis gegenüber dem Einsatz des AstraZeneca-Impfstoffs gibt, und es ist ungewiss, wie viele Menschen ein Angebot dieses Impfstoffs jetzt angenommen hätten.”

An diesem Dienstag stehen die Impfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson gegen Covid-19 im Fokus der Europäischen Arzneimittelagentur EMA. Die Behörde gibt dann eine neue Einschätzung bekannt, hat bisher aber stets betont, dass beim Vakzin von AstraZeneca die Nutzen die Risiken weit übertreffen.

Probleme mit den Vektor-Impfstoffen

Unter Experten gibt es die Vermutung, dass die sehr seltenen Blutgerinnsel, die nach Impfungen mit AstraZeneca in Europa und in den USA mit Johnson & Johnson aufgetreten sind, durch die Vektoren verursacht wurden. Die Vakzine von AstraZeneca und Johnson & Johnson sind – wie Sputnik V – Vektoren-Impfstoffe. Dabei werden die DNA-Informationen zur Produktion der Antikörper gegen das Coronavirus über sogenannte Vektorviren (meist Erkältungsviren) in den Körper eingeschleust.

Genau diese Vektoren könnten – wenn sie beeinträchtigt sind – die Probleme in Form von Blutgerinnseln verursachen. Bisher waren vor allem jüngere Frauen von den Thrombosen nach Impfungen betroffen.

Bis Anfang April wurden der EMA 169 Fälle von Sinusvenenthrombosen und 53 Fälle von Gerinnseln in Venen der großen Bauchorgane gemeldet – bei mehreren Millionen Impfungen mit AstraZeneca in Europa.

Der Tod der Krankenschwester in Zwettl wurde inzwischen genau untersucht

Zehn Tage nach einer Impfung mit dem Vakzin gegen das Coronavirus von AstraZeneca war eine Krankenschwester aus Zwettl in Niederösterreich am 28. Februar 2021 an einem Blutgerinnsel verstorben. Zudem hatte eine 35-Jährige nach ihrer Impfung eine Lungenembolie bekommen. Ihr ging es laut Informationen aus dem Krankenhaus Zwettl nach einigen Tagen wieder besser.

Zunächst gingen die österreichischen Gesundheitsbehörden und die europäische Arzneimittelagentur EMA davon aus, dass es keinen Zusammenhang zwischen den Erkrankungen und dem Impfstoff gebe. Doch inzwischen arbeiten Forscher:innen aus verschiedenen Ländern zusammen, um herauszufinden, was genau hinter den Komplikationen steckt.

Diese Symptome sind Warnsignale

Im ORF sagte Sabine Eichinger von der MedUni Wien am 19. März, dass sie AstraZeneca weiterhin für sicher hält. Doch Eichinger meint, dass starke Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schmerzen in den Beinen nach einer Impfung mit AstraZeneca als Alarmsignale gelten. “Wenn die typischen Beschwerden nach der Impfung wie Kopfschmerzen, Gliederschmerzen oder vielleicht auch Fieber nicht weggehen, wenn sich diese Beschwerden ändern oder wenn die Beschwerden weggehen und andere dann wieder kommen nach einem Zeitraum von vier bis fünf Tagen, dann müsste man hellhörig werden und gegebenenfalls ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.”

Sabine Eichinger, Expertin für Blutgerinnsel an der MedUni Wien, erklärt auch das Paradox, dass Thrombozyten, auch bekannt als Blutplättchen, Blutgerinnseln auslösen können. Niedrige Werte von Thrombozyten führen normalerweise zu Blutungen, nicht zu Gerinnung. “Man würde denken, dass niedrige Thrombozyten und Thrombosen eigentlich Gegensätze sind.”

Zweitimpfung mit BioNTech oder Moderna

In Deutschland haben sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern darauf geeinigt, dass mit einer ersten AstraZeneca-Dosis geimpfte Menschen unter 60 Jahren als Zweitimpfung einen mRNA-Imfpstoff bekommen sollen. Das Umsteigen auf die Vakzine von BioNTech/Pfizer oder Moderna für das sogenannten Boosten hatte die Ständige Impfkommission (Stiko) Anfang April nach der Diskussion zu Fällen von Hirnvenenthrombosen empfohlen.

Nach Berichten von sechs Fällen von Blutgerinnseln in den USA in Verbindung mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson verschieben sich die Lieferungen dieses Vakzins in Europa.

In Frankreich hatten die Gesundheitsbehörden ebenfalls angekündigt, dass die 533.000 Menschen unter 55 Jahren, die eine Erstimpfung mit AstraZeneca gegen Covid-19 bekommen haben, eine Zweitimpfung mit einem anderen Vakzin – von BioNTech-Pfizer oder Moderna – erhalten sollen.

Doch bisher teilt die Weltgesundheitsorganisation diese Empfehlung nicht – wie die WHO-Sprecherin Margaret Harris am Freitag in Genf mitteilte. Die bisherigen Daten reichten für eine Empfehlung sogenannter Kreuzimpfungen nicht aus.

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran, der selbst Arzt ist, sagte: “Es gibt Zeiten, in denen wir der WHO folgen und dafür kritisiert werden, und es gibt Zeiten, in denen wir ihr nicht ganz folgen und dafür kritisiert werden, dass wir ihr nicht ganz folgen.”

AstraZeneca in der Schweiz nach wie vor nicht zugelassen

Schon Anfang Oktober 2020 hatte der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca bei Swissmedic eine Zulassung des Impfstoffs gegen Covid-19 beantragt. Doch anders als für die Vakzine von BioNTech/Pfizer und Moderna, die seit Januar in der Schweiz verimpft werden, wurde die Zulassung bis Mitte April nicht erteilt.

Der Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen EKIF, Christoph Berger, erklärte gegenüber Nau.ch, dass die Impfkampagne in der Schweiz mit BioNTech:Pfizer und Moderna gut vorankomme. “Falls die Zulassung erst in Monaten erfolgt, brauchen wir den Impfstoff immer weniger”, sagte Berger.

Empfehlung der EMA bleibt bestehen

Die europäische Arzneimittelagentur EMA bleibt bei ihrer Empfehlung, dass sich die Menschen ohne Einschränkung mit AstraZeneca impfen lassen sollten. Die EMA-Chefin, die Irin Emer Cooke, erklärte an diesem Mittwoch in Amsterdam, die Nutzen des Impfstoffs von AstraZeneca überschreiten die Nebenwirkungen des Vakzins bei weitem. “Die Corona-Pandemie fordert unverändert täglich Tausende Menschenleben in der EU, deshalb brauchen wir alle Impfstoffe, die wir zur Verfügung haben”, erklärte Cooke.

Vor allem die Menschen, die laut Priorisierung noch nicht mit dem Impfen an der Reihe sind, lassen sich vielerorts lieber mit AstraZeneca impfen als gar nicht. Manche Europäerinnen und Europäer wollen auch lieber in der Hausarztpraxis oder in der Apotheke ihrer Wahl und in ihrer Nähe die Spritze bekommen, statt sich auf den langen und eventuell beschwerlichen Weg zu einem Impfzentrum zu machen.

Niederlande setzen AstraZeneca aus

Kurz vor Ostern haben auch die Niederlande entschieden, den Impfstoff von AstraZeneca nicht mehr bei unter 60-Jährigen einzusetzen und ab dem 7. April vorläufig ganz zu stoppen. Im Land wurden bei 400.000 Menschen, die mit dem Vakzin geimpft wurden, fünf Fälle der seltenen Hirnvenenthrombosen – darunter ein Todesfall – gemeldet. Offenbar waren alle Frauen im Alter zwischen 25 und 65 Jahren, bei denen sich 7 bis 10 Tage nach der Impfung die schlimmen Blutgerinnsel bildeten.

Der Anteil an Fällen entspricht in etwa der Rate in anderen europäischen Staaten. In Frankreich wurden bis zum 25. März 2021 insgesamt zwölf Fälle von Sinusvenenthrombosen (Erklärungen und Hinweise auf Symptome hier weiter unten). Davon sind vier Personen verstorben.

Kanzlerin und Präsident mit AstraZeneca geimpft

Nach dem Präsidenten Frank-Walter Steinmeier ist auch die Kanzlerin Angela Merkel mit dem Impfstoff von AstraZeneca gegen das Coronavirus geimpft worden. “Ich vertraue den in Deutschland zugelassenen Impfstoffen”, erklärte der 65-jährige Steinmeier, der seiner Frau 2010 eine Niere gespendet hatte.

Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn hatte sich auf einer Pressekonferenz in Berlin dazu geäußert, dass er seinen älteren Kabinettskolleg:innen dazu geraten hat, sich mit AstraZeneca impfen zu lassen. Er selbst werde das auch tun, wenn er an der Reihe sei.

Der 71-jährige Innenminister war am Gründonnerstag der Aufmacher der digitalen BILD: “Horst Seehofer will sich NICHT mit AstraZeneca impfen lassen”, hieß es. Er wolle den Impfstoff an sich nicht bewerten, sagte Seehofer gegenüber BILD, aber er erklärte: “Ich lasse mich nicht bevormunden.”

Auch Horst Seehofer habe die Wahl, sich impfen zu lassen oder nicht, sagte Jens Spahn später.

Am 10. Mai 2021 wurde bekannt, dass sich Horst Seehofer – trotz einer Erstimpfung mit BioNTech – mit dem Coronavirus infiziert hat.

Mario Draghi und seine Frau mit AstraZeneca geimpft

Italiens Regierungschef Mario Draghi (73) und seine Frau Maria Serenella Cappello sind in Rom mit AstraZeneca geimpft worden. Das hat der Presseberater des Ministerpräsidenten mitgeteilt.

Schon Mitte März war Staatsprasident Sergio Mattarella (79) mit dem Vakzin des US-Herstellers Moderna gegen Covid-19 geimpft worden. Einige in Italien gingen dann davon aus, dass dies der beste Impfstoff sei. Da wollte Mario Draghi offenbar ein Zeichen setzen. Zusammen mit seiner Frau wartete er am Bahnhof Roma Termini darauf, dass er geimpft wurde.

Forschung hinter den Kulissen

In einem Artikel in ScienceMag haben Kai Kupferschmidt und Gretchen Vogel im April den aktuellen Forschungsstand zu den Problemen mit dem Impfstoff von AstraZeneca zusammengefasst. Inzwischen werden 30 Vorkommnisse mit mindestens 15 Todesfällen in Europa erforscht. “Die Leute arbeiten wie verrückt hinter den Kulissen, um mehr Klarheit zu schaffen”, sagt Saskia Middeldorp vom Radboud University Medical Center in den Niederlanden. Die Expertin für Venenthrombosen hatte sich gegen den vorübergehenden Impfstopp von AstraZeneca ausgesprochen.

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek meint, es mache Sinn, AstraZeneca einstweilen vor allem bei älteren Menschen einzusetzen. In Frankreich werden Personen im Alter ab 55 Jahren damit geimpft, in Schweden und Finnland ab 65 und in Island ab 70 Jahren.

Was sind Sinusvenenthrombosen?

Die Sinusvenen transportieren sauerstoffarmes Blut aus dem Kopf zum Herz. Durch die Sinusvenenthrombose verstopfen Blutgerinnsel die Sammelvenen des Gehirns – und können eventuell einen Schlaganfall verursachen. Bei dieser sehr seltenen Thromboseform gibt es einen Mangel an Blutplättchen sowie Blutungen.

Das Paul-Ehrlich-Institut rät, dass mit AZD1222 oder Vaxzevria von AstraZeneca Geimpfte, die starke und andauernde Kopfschmerzen haben oder punktförmige Hautblutungen, sofort zu einer Ärztin oder einem Arzt gehen sollen.

Thrombosen kommen ansonsten besonders bei bettlägerigen Menschen, frisch Operierten oder auch Reisenden vor, die lange Zeit, ohne sich zu bewegen, sitzen. Rauchen, Übergewicht, Gefäßverkalkung, die Pille zur Verhütung und Diabetes gelten als weitere Risikofaktoren.

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