Feuerwerk wieder abgesagt: Kann ein Hersteller dies überleben?

Alexander Schmitt füllt erbsengroße Schwarzpulver-Kügelchen in eine Pappröhre. Leicht andrücken, ein Verschluss obendrauf, und fertig. “Wenn ich das zünde, habe ich einen schönen Feuerbusch von Goldregen, Sternen und weißen Blinkern”, sagt der Co-Geschäftsführer von “Feuerwerk Sauer” aus Gersthofen bei Augsburg. Feuerwerk made in Bavaria, das aber wegen Corona nicht in den Handel kommt. So wie schon letztes Jahr.

Den kleinen Betrieb betrifft das nicht direkt. Den Großhandel haben Schmitt und Firmenchef Peter Sauer schon vor dem Verbot beliefert. “Weil die Regale voll sind, wird der Großhandel nächstes Jahr nichts nachbestellen. Uns betrifft es dann mit Verzögerung”, sagt Alexander Schmitt.

Feuerwerke fallen wegen Corona-Pandemie aus

Dennoch: Die Firma Sauer lebt von den Vergnügungsfeuerwerken, also auch von Festivitäten samt dazugehörendem Feuerwerk. Doch viele Hochzeiten und Volksfeste sind auch heuer wieder ins Wasser gefallen. Statt den sonst üblichen 120 Feuerwerken waren es dieses Jahr gerade einmal zwölf.

“Wir hatten keinen Auftrag, jetzt im Dezember oder zu Silvester, wo man in einem normalen Jahr vier Feuerwerke veranstaltet. Jedes Jahr hatten wir die gleichen Kunden. Doch die haben alle storniert. Schon vor langer Zeit”, sagt Geschäftsführer Peter Sauer.

Immerhin für den Jahreswechsel hat doch noch ein Hotel aus Österreich angefragt. “Bevor wir jetzt zu Hause rumsitzen, haben wir gedacht, mache ich lieber in der Silvesternacht ein Feuerwerk. Das ist ja mein Beruf”, sagt der Firmenchef. Rund ein paar tausend Euro Umsatz zum Jahresabschluss, ein kleiner Trost für den gebeutelten Betrieb.

Firma Sauer muss Mitarbeiter entlassen

Die Corona-Pandemie ist nicht spurlos an der Firma Sauer vorbeigegangen: Drei von sechs Mitarbeitern haben deswegen ihren Job verloren, erklärt Firmenchef Peter Sauer, der den Betrieb in fünfter Generation leitet.

Die Kunstfeuerwerk-Firma Sauer besteht seit etwa 160 Jahren, seit etwa 80 Jahren befindet sie sich in Gersthofen. Das Betriebsgelände ist sehr weitläufig, mehrere Fußballfelder groß. Viele kleine Arbeitsgebäude sind in den 1940er Jahren mit großen Abständen zueinander errichtet worden. Noch heute sind diese Abstände wegen der Explosionsgefahr nötig.

Überstanden hat die Firma die Pandemie nur dank der staatlichen Corona-Hilfen. Alleine in Bayern wurde laut Bayerischem Wirtschaftsministerium mehr als eine halbe Million Euro an Hilfen an die pyrotechnische Industrie ausgezahlt. Auch jetzt kann die gebeutelte pyrotechnische Industrie wieder Überbrückungshilfen beantragen.

Signalwarnfackeln für die Polizei

In einem der kleinen Betonhäuschen liegt die Zukunft der Firma: Dutzende lange, dünne Pappröhren. An einem Ende schaut ein Nagel heraus. “Damit stecken die Polizisten die Signalwarnfackel am Straßenrand ins Erdreich und zünden sie oben an. Und dann fängt es an zu brennen, 23 Minuten lang in kräftigem Rot, leuchtend und flackernd. Das wirkt, das haben wir uns die Polizisten auch bestätigt. Das ist viel eindringlicher als ein elektrisches Blinklicht”, erklärt Peter Sauer stolz.

Hagelabwehr mit Silberiodid-Fackeln

Die Signalfackeln sind nur ein Produkt, um die Firma über Wasser zu halten. Die Firma produziert nun auch Silberiodid-Fackeln. Die werden an Flugzeugen befestigt, um damit durch Hagelwolken zu fliegen und den Niederschlag zu verhindern. In diesen Fackeln sieht Peter Sauer die Zukunft seiner Firma.