Feldsperling wieder Nummer Eins in Cham – Region Cham – News

Die Stunde der Wintervögel ist abgeschlossen: Es gibt wieder mehr Amseln in den Gärten, aber insgesamt weniger Vögel.

05. Februar 2021

11:29 Uhr

Die Blaumeise behauptet ihren vierten Platz. Foto: Ludwig Holl – LBV

Cham.Das dritte Jahr in Folge erobert der Feldsperling bei der „Stunde der Wintervögel“
den ersten Platz im Landkreis Cham. Vierundfünfzig Vogelarten und mehr als 12 400
Vögel haben die 434 Teilnehmer aus dem Landkreis bei der Mitmach-Zählaktion gemeldet,
teilt der LBV in einer Pressemitteilung mit. Pro Garten ergibt sich demnach ein Schnitt
von etwa 39 Vögeln und damit fünf Vögel weniger als 2020.

Gibt es also weniger Vögel in unseren Gärten? „Das kann man so nach einem Zähl-Wochenende
nicht sagen, denn viele Faktoren können die Ursache dafür sein“, meint Kreisvorsitzender
Karl-Heinz Schindlatz. Umherstreifende Hauskatzen im Garten, besseres Futter am Vogelhaus
im Nachbargarten und die reiche Obst- und Apfelernte des vergangenen Herbstes könnten
Ursachen dafür sein. Besonders der Störfaktor Hauskatze und die tatsächlichen Auswirkungen
auf die Vogel- und Tierwelt in der Kulturlandschaft müssten noch genauer untersucht
werden.

Abnahme verursacht Besorgnis

Seit ein paar Jahren führen Sperlinge laut LBV zahlenmäßig die Top Ten Liste der Beobachtungen
zur Stunde der Wintervögel in Bayern an. Im ländlichen Landkreis Cham hat der Feldsperling
den Schnabel vorne. Bayernweit liegt der Hausperling knapp vor seinem Cousin, obwohl
er nur in jedem zweiten Garten beobachtet wurde. Gerade die Abnahme dieses „Allerweltsvogel“
habe in den vergangenen Jahren Besorgnis hervorgerufen.

Tierschutz

Wo Bad Kötztings Storch Urlaub macht

2020 überlebte nur ein Jungstorch in Bad Kötzting. Doch seid Herbst ist er weg. Nun löste ein Brief aus der Ferne das Rätsel.

Die Kohlmeise ist laut LBV auf den dritten Platz abgerutscht. Doch mit Beobachtungen
in 87 Prozent der Gärten ist sie noch immer der häufigste Gartenvogel, gefolgt von
der Amsel. Die Blaumeise behauptet ihren vierten Platz. Es sei zu keinen erheblichen
Bestandseinbrüchen dieser kleinen Akrobaten gekommen, wie der LBV aufgrund des Ausbruchs
der bakteriellen Infektion letztes Frühjahr befürchten musste. Die Amsel hat einen
Platz aufgeholt und landet auf Platz fünf. Ihre Bestände hätten sich laut LBV offenbar
von Einbrüchen durch das Usutu-Virus in den vergangenen Jahren erholt.

Der Grünfink hat zwei Ränge verloren, da er auch noch vom Erlenzeisig auf Platz sechs
überholt worden ist. Diese geselligen Vögel wandern laut LBV auf der Suche nach Samen
an Erle, Birke und Fichte im Winter in größeren Schwärmen umher. Aber auch ans Futterhaus
komme dieser kleine Fink gerne, vor allem wenn es dort zerkleinerte Erdnüsse gebe.
Da er auch dort meist in Schwärmen (im Durchschnitt mit 7 Vögel pro Garten) auftreten
würde, könnten ein paar Meldungen den Platz auf der Rangliste stark beeinflussen.
Der Grünfink, ein Samen- und Früchtefresser, auf Platz sieben werde unter anderem
durch den Verlust von reich strukturierten Kulturlandschaften und den übermäßigen
Einsatz von Bioziden bedroht.

Zwei Weißstörche im Landkreis

Auch eine Infektion mit einzelligen Trichomonaden mache ihm zu schaffen. Wer Finkenvögeln
helfen möchte, sollte seinen Garten naturnah und giftfrei gestalten, erklärt der LBV.
Das komme auch dem dritten Finken im Bunde, dem Buchfink, auf Platz acht zugute. Elster
und Wacholderdrossel sind die letzten beiden Vögel, die es in die Top Ten geschafft
haben.

Ergebnis in Bayern

  • Reihenfolge:

    Haussperling vor Feldsperling, Kohlmeise, Amsel und Blaumeise – das ist die diesjährige
    Reihenfolge der Wintervögel in den Gärten bayernweit.

  • Anzahl:

    Der Buchfink landet auf Platz sechs, sieben und acht belegen Erlenzeisig und Grünfink.
    Elster und Rotkehlchen schließen die Top Ten ab. Bayernweit wurden 32 Vögel pro Garten
    beobachtet.

Der Eichelhäher, der voriges Jahr einen überraschenden Vorstoß auf Platz zehn geschafft
hatte, ist heuer wieder auf Platz 15. Das vermehrte Auftreten im Vorjahr war aus Sicht
des LBV wohl auf ein außergewöhnlich hohes Angebot an Eicheln, eine Eichelvollmast,
zurückzuführen. Gerade solche jährlichen Schwankungen zeigen dem LBV, wie wichtig
es sei, jedes Jahr und über einen langen Zeitraum Vögel zu beobachten und zu zählen.
Nur so könnten fundierte Aussagen zu Zu- oder Abnahmen gemacht und entsprechende Maßnahmen
ergriffen werden. Auch zwei Weißstörche wurden im Landkreis gemeldet. Sie verbringen
den Winter in Deutschland und vermeiden so den langen Flug ins Mittelmeergebiet und
weiter bis nach Afrika.


Weitere Artikel aus diesem Ressort finden Sie unter Cham.

Berlin Ernachrichten